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Das documenta-Kunstwerk „The Parthenon of Books“ der argentinischen Künstlerin Marta Minujin hat den Beleuchtungstest eindrucksvoll bestanden. Foto: Zucchi
07.06.2017

documenta in Kassel beginnt für das Fachpublikum

Kassel. Kunst-Fans brauchen Geduld: Die documenta beginnt zwar heute, aber nur fürs Fachpublikum. Doch auch ohne Zugang zu den Ausstellungsorten gibt es bereits viel zu sehen – kostenlos und unter freiem Himmel. „Museum Fridericianum“ – der Schriftzug gehört zu Kassel wie der Herkules und der Bergpark. Doch nun ist er weg. Stattdessen steht auf der Front des Gebäudes, in dem 1955 die erste documenta stattfand: „Being safe is scary“ – auf Deutsch „Sicher zu sein, macht Angst“.

Bildergalerie: Kunstschau documenta wird am Samstag in Kassel eröffnet

Ausgetauscht hat den Schriftzug die in der Türkei geborene Künstlerin Banu Cennetoglu. Wie der geänderte Schriftzug sind kurz vor Start der documenta mehrere Kunstwerke im Freien bereits zu erleben. Dass es noch einige mehr werden, ist möglich. Besonders in der Aue, dem stadtnahen Park, wird noch gearbeitet.

In und an einem Wassergraben montierten Arbeiter grüne und schwarze Kegel – die gab es auch in Athen zu sehen. „When Elephants Fight, It Is the Frogs that Suffer“ heißt die Klanginstallation des US-Künstlers Ben Patterson in Griechenland, bei der Menschen die Geräusche von Fröschen imitierten.

Die historische Torwache in Kassel ist verschwunden hinter alten Jutesäcken. Das Kunstwerk wirkt zunächst wie eine schmutzige Miniversion der Reichtagsverhüllung des Verpackungskünstlers Christo, entwickelt aber einen eigenen Charme: Der in Ghana geborene Künstler Ibrahim Mahama verwendet zerschlissene Säcke, die er von Händlern im Tausch gegen neue erhält. Jedes Stoffstück wirkt wie ein Unikat. „In diesen Säcken materialisiert sich die Geschichte des Welthandels“, erklären die documenta-Macher.

Zunächst schienen die gestapelten Kanalrohre auf dem Kasseler Friedrichsplatz eher Vorbote einer Kanalsanierung als ein Kunstwerk zu sein. Mittlerweile haben sie aber ein Innenleben bekommen: Der aus dem Irak stammende Künstler Hiwa K. hat die Rohre mithilfe von Studenten so ausgebaut, als lebten Menschen darin.

Er steht an prominenter Stelle in Kassels Innenstadt, ist eines der größten Kunstwerke bisher und schon jetzt eine Attraktion: der „Parthenon der Bücher“ auf dem Friedrichsplatz. Der Nachbau der Akropolis wird mit Tausenden verbotenen Büchern verkleidet. In den vergangenen Tagen zeigte sich das Werk der argentinischen Künstlerin Marta Minujín schon einmal testweise von einer neuen Seite: Es wird nachts angeleuchtet werden.

Heute will der künstlerische Leiter der documenta 14, Adam Szymczyk, Journalisten aus aller Welt sein Konzept erklären und in die Ausstellung einführen. Und ab Samstag sind dann die Besucher dran: Rund eine Million Menschen werden erwartet.