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Eine Wäschespinne diente Petra Ehrenberg als einzige Requisite, um die sie beim Erforschen der verschiedenen Seelenzustände mäandert. 

„frauen.mono.loge“ feierten Premiere in Theaterschachtel Neuhausen

Neuhausen. Nimmt man aus Monologen von zwölf unterschiedlichen Frauenfiguren der Weltliteratur Fragmente und setzt sie zu einer neuen Handlung zusammen, klingt das zunächst nach Chaos. Dass dem nicht so ist, beweist das Stück „frauen.mono.loge.“, das am Freitagabend Premiere in der Theaterschachtel Neuhausen feierte.

Wie ein Maler aus Bilderschnipseln eine Collage zusammensetzt, so will auch der Regisseur Thorsten Kreilos „frauen.mono.loge.“ verstanden wissen. „Es geht nicht darum zu erkennen, ob die jeweiligen Selbstgespräche aus Woyzeck, Macbeth, Penthesilea oder Faust I stammen“, sagte er. „Sondern darum, welche Gefühle ihre neue Zusammensetzung im Zuschauer auslöst.“ Daher habe er bei seiner Arbeit auf eindeutige Hinweise verzichtet, betonte Kreilos, der bei der Premiere anwesend war.

Und so nimmt Petra Ehrenberg die Zuschauer mit auf einen Parcoursritt durch die Höhen und Tiefen verschiedener Frauenschicksale im Laufe der Jahrhunderte. Sie sitzt allein auf der Bühne im Theater. In ihrer Leere ist sie lediglich von Kleidungstücken umgeben. Offensichtlich spielt sie eine Schauspielerin. Weniger offensichtlich, ob es sich bei der Kleidung um ihre eigene oder aus dem Kostümfundus handelt. Sie beginnt zu reden – mit sich, aber auch mit dem Publikum. Dabei spricht sie sich in unterschiedliche innere Räume hinein, lässt Figuren entstehen, die ihren wechselnden Seelenzuständen entsprechen. Äußert Erinnerungen und verinnerlicht Erfahrungen. Wirft die Frage auf: Wie weit ist das noch Spiel oder schon Selbsterforschungsreise?

Eine Stimmung, ein Monolog transformiert sich in den nächsten hinein, fast unmerklich, manchmal auch abrupt. Die gleitende Aufeinanderfolge von Verpuppungsprozessen im Inneren wird äußerlich sichtbar durch einen fließenden Kleiderwechsel. Und so folgt Krise auf Konflikt, Sehnsucht auf Sehergabe, Leidenschaft auf Leiden, Wahn auf Wahrheit. In verdichteter Form findet auf der Bühne das statt, was jeder Mensch in sich selbst finden kann.

Der langanhaltende Applaus am Ende honorierte, wie virtuos sich Petra Ehrenberg durch die berühmten Werke der Literatur schlängelte. Ihrem leidenschaftlichen Spiel und der poetischen Reise durch ihr Inneres konnte sich niemand im Publikum entziehen.

Weitere Aufführungen in der Theaterschachtel: Samstag, 24. September, 20 Uhr, und Sonntag, 27. November, 19 Uhr. Der Eintritt kostet im Vorverkauf 21,50 Euro, an der Abendkasse 24 Euro. Internet: www.theaterschachtel.de