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Feierstunde zum 125-Jährigen des Krankenhauses in Mühlacker: am Rednerpult Regionaldirektor Dominik Nusser. Im Bild in der vorderen Reihe von rechts: Stefan Reim, Grußredner der Klinik-Ärzte, Geschäftsführer Professor Jörg Martin, Landrat Karl Röckinger, Rolf Leo (Freie Wähler), Günter Bächle (CDU), OB Frank Schneider, Hans Vester (SPD) und der FDP-Landtagsabgeordnete Erik Schweickert. Fotos: Kollros
Feierstunde zum 125-Jährigen des Krankenhauses in Mühlacker: am Rednerpult Regionaldirektor Dominik Nusser. Im Bild in der vorderen Reihe von rechts: Stefan Reim, Grußredner der Klinik-Ärzte, Geschäftsführer Professor Jörg Martin, Landrat Karl Röckinger, Rolf Leo (Freie Wähler), Günter Bächle (CDU), OB Frank Schneider, Hans Vester (SPD) und der FDP-Landtagsabgeordnete Erik Schweickert. Fotos: Kollros
Die neueste Errungenschaft und für eine Klinik in der Größenordnung des Mühlacker Hauses nicht selbstverständlich: das Linksherzkatheder-Messlabor.
Die neueste Errungenschaft und für eine Klinik in der Größenordnung des Mühlacker Hauses nicht selbstverständlich: das Linksherzkatheder-Messlabor.
15.10.2017

125-jährige Geschichte der Kliniken in Mühlacker Revue passieren lassen

Trotz seiner 125-jährigen Geschichte kommt das Krankenhaus in Mühlacker jung und dynamisch daher, auf Augenhöhe mit dem medizinischen Fortschritt. Diesen Eindruck vermittelten die Redner beim kleinen Festakt zum Kliniken-Jubiläum im Enzkreis. Auch wenn es aus Sicht der großen Politik ein „Tante-Emma-Krankenhaus“ sei.

Krisenmanagement gefragt

Den Vergleich mit solchen aussterbenden Läden hat schon öfters Manfred Lucha (Grüne), der baden-württembergische Minister für Soziales und Integration, bemüht, worauf sich Stefan Reim als Sprecher der Kliniken-Ärzte in seinem Grußwort bezog. Umso mehr bedürfe es Krisenmanager, die sich für den Erhalt auch kleinerer Häuser einsetzten. Vom Haus in Mühlacker dürfe er behaupten, dass es beste Behandlung biete, und alle zusammen – Ärzte, Pfleger und die Verwaltung – ihren Beitrag zum Erhalt dieses „Tante-Emma-Krankenhauses“ leisten würden.

Reim, der sich freute, unter den Gästen der Feier viele frühere Weggefährten zu sehen, hatte in seinem Grußwort anekdotenreich auch die Zeit vor 1892, dem Jahr der Eröffnung der Häuser in Maulbronn und Mühlacker, beleuchtet. Damals sei noch viel die Rede von „Irren und Krätzekranken“ gewesen, die versorgt werden mussten. Dafür hätten zur Unterbringung normale Häuser jener Zeit herhalten müssen, und die medizinische Versorgung erfolgte durch den Gemeindearzt, wie in Dürrmenz-Mühlacker durch zunächst Viktor Reichmann (1851 bis 1928), der sich sehr für den Bau des Bezirkskrankenhauses eingesetzt hatte.

Reim erinnerte zudem an jene Anekdote, wonach der Fabrikant Alfred Emrich nach dem Ersten Weltkrieg dem Krankenhaus einen Hühnerstall samt Tieren stiftete zur Versorgung der Patienten mit frischen Eiern. Dominik Nusser, Regionaldirektor der Enzkreis-Kliniken, streifte die Geschichte des Krankenhauswesens vom einstigen Oberamt bis zu den heutigen Enzkreiszeiten. Dabei hob er unter anderem hervor, wie sich die Geschichte wiederhole: Anfang des vorigen Jahrhunderts berichtete die „Medicinische Wochenschrift“ vom „ununterbrochen Streit zwischen den zahlreichen Krankenkassen und den Ärzten über Honorarfragen“ und auch heute seien „spannende Verhandlungen“ mit den Kostenträgern allgegenwärtig und ebenso das Spannungsfeld zwischen Medizin und Ökonomie.

Mehr Notaufnahmen

Aus der aktuellen Statistik des Mühlacker Hauses nannte Nusser 170 Planbetten, er berichtete von rund 460 Mitarbeitern, rund 8900 stationären und 13 100 ambulanten Fällen (Jahreswerte) und er stellte zudem fest, dass etwa bei den Notaufnahmen im laufenden Jahr die Zahl der Patienten um elf Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen sei. Und ganz erfreuliches berichtete er aktuell aus der Geburtsstation: Von Freitag bis Samstagnachmittag seien gleich sieben Erdenbürger in Mühlacker auf die Welt gekommen. Landrat Karl Röckinger erinnerte an viele Weichenstellungen der vergangenen Jahrzehnte, sprach über Kosten, Qualität und Leistung. Sagte aber auch, dass „wir darüber niemals die Bedürfnisse, Ansprüche und das Wohl der Patienten aus den Augen verlieren dürfen“. Dies sei nicht einfach und komme immer wieder einem Spagat gleich. Aber er sei überzeugt, dass in hervorragender Arbeit in Mühlacker eine wohnortnahe und an den neuesten medizinischen Erkenntnissen angepasste Versorgung geboten werde.

Für Mühlackers Oberbürgermeister Frank Schneider bedeutet das Krankenhaus einen wesentlichen Standortfaktor, der das Mittelzentrum erheblich stärke. Sehr deutlich sagte der OB aber auch, dass die übergeordnete Politik nun „die verdammte Pflicht und Schuldigkeit“ habe, für auskömmliche Einnahmen der Kliniken zu sorgen. Der Kostendruck dürfe nicht auf dem Rücken des Personals ausgetragen werden. Die Belegschaft sei es, die dem Krankenhaus „ein menschliches Antlitz“ verleihe, und nicht die Geräte und Ausstattungen. Apropos Personal: Nicht nur die „Häuptlinge“ waren zum Feiern eingeladen. Diese Woche wird dies auch für die Mitarbeiter gelten, die sich dann an einem Jubiläumsbüfett bedienen dürfen.