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Zwei Jahrzehnte Klosterstadt-Express waren der Stadt Maulbronn eine kleine Feierstunde wert. Bei der Gelegenheit erhielt der Initiator und VCD-Landesvorsitzende Matthias Lieb vom Maulbronner Schultes Andreas Felchle, die Klosterstadt-Medaille (von links), daneben Wolfgang Herz, Landkreis-Dezernent für den öffentlichen Nahverkehr, und Ascan Egerer, technischer Geschäftsführer des Verkehrsbetreibers AVG. Foto: Kollros (1)
Zwei Jahrzehnte Klosterstadt-Express waren der Stadt Maulbronn eine kleine Feierstunde wert. Bei der Gelegenheit erhielt der Initiator und VCD-Landesvorsitzende Matthias Lieb vom Maulbronner Schultes Andreas Felchle, die Klosterstadt-Medaille (von links), daneben Wolfgang Herz, Landkreis-Dezernent für den öffentlichen Nahverkehr, und Ascan Egerer, technischer Geschäftsführer des Verkehrsbetreibers AVG. Foto: Kollros (1)
Sascha Behnsen, Carsten Strähle, früher AVG-Controller, Andreas Felchle, Ewald Veigel, Matthias Lieb, Sven Besser sowie Gerd Hickmann (von links) bekommen Gebäck nach der Ankunft mit dem „Roten Flitzer“ am Maulbronner Stadtbahnhof.
Sascha Behnsen, Carsten Strähle, früher AVG-Controller, Andreas Felchle, Ewald Veigel, Matthias Lieb, Sven Besser sowie Gerd Hickmann (von links) bekommen Gebäck nach der Ankunft mit dem „Roten Flitzer“ am Maulbronner Stadtbahnhof.
20 Jahre Klosterstadtexpress: Das wurde mit einem Fest am Maulbronner Stadtbahnhof gefeiert. Fotos: Prokoph (2)
20 Jahre Klosterstadtexpress: Das wurde mit einem Fest am Maulbronner Stadtbahnhof gefeiert. Fotos: Prokoph (2)
05.06.2017

20 Jahre Klosterstadt- Express auch Geschichte von Überzeugungsarbeit

Es gab Zeiten, da waren sich die beiden Herren nicht „grün“, Eiszeiten gewissermaßen. Doch die sind weggeschmolzen. Am Freitag verlieh der Maulbronner Bürgermeister Andreas Felchle dem Landes- und Kreisvorsitzenden des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), Matthias Lieb aus Mühlacker, die Klosterstadt-Medaille in Würdigung seines Einsatzes für den Klosterstadt-Express.

Am Vorabend zum Jubiläumsfesttag hatte die Stadtverwaltung eine Feierstunde organisiert, die allerdings bei der breiten Öffentlichkeit auf äußerst zurückhaltendes Interesse stieß. Dabei ließ der Spiritus Rector des Freizeitzuges dessen 20-jährige Geschichte Revue passieren. Und er blickte noch weiter zurück und rief in Erinnerung, dass Eisenbahnplaner in der Mitte des 19. Jahrhunderts sogar die Vision hatten, die württembergische Westbahn etwa ab Illingen in Richtung Maulbronn/Bretten zu führen. „Diese Mettertalstrecke wäre dann vielleicht direkt am Kloster vorbeigeführt worden“, mutmaßte Lieb, dem hinzufügend, dass es dann doch gut gewesen sei, dass die Strecke in ihrem heutigen Verlauf gebaut wurde.

60 Jahre nach deren Eröffnung sei dann die Stichstrecke in die Stadt Maulbronn gebaut und zunächst mit Dampfzügen betrieben worden sowie ab Mitte der 1950er-Jahre bis zur Einstellung des Personenverkehrs 1973 mit dem dieselbetriebenen Schienenbus VT 95, landläufig Entenköpfer bezeichnet, der als Museumsbahn „Roter Flitzer“ am Samstag dann mit Pendelfahrten im Einsatz war.

Mitte der 1990er-Jahre sei dann die Idee gereift, die Stichstrecke wieder zu reaktivieren – zu mehr als dem heutigen Freizeitzug sei es aber bedauerlicherweise nicht gekommen. Dieser sei nach einem Testfahrtag 1996 im Jahr des 850. Klosterjubiläums 1997 vom VCD initiiert worden und seitdem an Sonn- und Feiertagen meist ab dem Mai-Feiertag bis in den Oktober hinein in Betrieb. Dabei habe auch so manche Hürde überwunden und ebenso die Stilllegung der Strecke abgewendet werden müssen. Noch immer werde der Freizeitzug in Kooperation mit dem Land und der Stadt betrieben, wobei der VCD die ehrenamtlich tätigen Zugbegleiter stellten. Zeitweise seien vom VCD-Personal auch die Fahrscheine verkauft worden mit bis zu 17 unterschiedlichen Tageskarten im Sortiment. Lieb bedauerte derweil, dass das Bemühen, die Stichstrecke in den regulären Fahrplan der Stadtbahnlinie Mühlacker – Bretten einzubinden, bislang nicht gelungen sei. Daher sei sein Anliegen mittlerweile, die Nebenbahn zu einem Pilotprojekt für autonomen Verkehr werden zu lassen. Bürgermeister Andreas Felchle spann diese Vision weiter: „Und am Bahnhof werden die Fahrgäste dann vom Bürgerbus abgeholt, der gleichsam autonom nach Schmie und Zaisersweiher fährt.“ Rückblickend räumte der Schultes ein, in den Anfangsjahren kein Freund dieses Nahverkehrsangebots gewesen zu sein. Gleichsam dürfe man nicht verkennen, dass die Stadt in den 20 Jahren den Klosterstadt-Express mit einer halben Million Euro gefördert habe. Wolfgang Herz, Verkehrsdezernent des Enzkreises, verwies darauf, dass nachhaltige Mobilität eine Zukunftsaufgabe für den gesamten Landkreis sei.