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Zahlreiche Blumen und Kerzen wurden an der Unfallstelle aufgestellt. © Scharf
Zwischen Mühlacker und Enzberg starb ein 19 Jahre alter Beifahrer nach einem tragischen Unfall. Meyer
22.07.2014

200 Angehörige und Freunde kommen in Unfallnacht zur Unglücksstelle

Großer Aufruhr nach tödlichem Unfall bei Enzberg: Die Einsatzkräfte müssen sich um 200 Angehörige und Freunde kümmern.

Bildergalerie: Beifahrer wird bei Verkehrsunfall in Mühlacker tödlich verletzt

Nach dem tödlichen Unfall auf der B10 zwischen Enzberg und Mühlacker, bei dem in der Nacht zum Samstag ein 19-jähriger Beifahrer ums Leben kam, ist es nach Angaben der Polizei zu tumultartigen Szenen gekommen. Bis zu 200 meist türkischstämmige Angehörige und Freunde des Verstorbenen sollen kurz nach dem Unfall zum Unglücksort gekommen sein, um ihre Trauer zum Ausdruck zu bringen.

Tödlicher Unfall auf der B10

Der 22-jährige Fahrer eines getunten VW Golfs hatte kurz nach Mitternacht am Ausgang einer Rechtskurve die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren, war von der Straße abgekommen und mit der Beifahrerseite gegen einen Metallmast geprallt. Der Beifahrer starb noch an der Unfallstelle, der Fahrer wurde schwer verletzt.

„Zahlreiche Einsatzkräfte mussten hinzugerufen werden, da die Angehörigen an der Unfallstelle sich gegenüber den Einsatzkräften aggressiv zeigten, in ihrer Verzweiflung auf die Einsatzfahrzeuge einschlugen und die Helfer behinderten“, sagt Frank Otruba, Sprecher des Polizeipräsidiums in Karlsruhe. Die Polizei musste aufgrund der zahlreichen Angehörigen die B 10 für drei Stunden sperren. Diese waren zum Teil auf dem Radweg zur Unfallstelle gefahren. „Die Personengruppe wurde während der Rettungsmaßnahmen immer größer, so dass schließlich die Festhalle in Enzberg als Sammelstelle geöffnet wurde, um den Angehörigen die Möglichkeit zu geben, die Trauer auf ihre Art zu bewältigen“, sagt Otruba.

Deshalb seien auch ein Imam, also ein muslimischer Geistlicher, sowie Mitarbeiter des Notfallnachsorgedienstes hinzugerufen worden, um deeskalierend eingreifen zu können. Auch zur Sammelstelle mussten Notarzt und Rettungsdienst gerufen werden, um einige der Trauernden zu versorgen. Die Angehörigen harrten dort bis in die frühen Morgenstunden aus. „Zeitweise waren bis zu acht Polizeistreifen im Einsatz, um die Situation in den Griff zu bekommen“, sagt Otruba. Auch die Feuerwehren aus Mühlacker und Enzberg mit 34 Mann und acht Fahrzeugen sowie zwei Notärzte und drei Rettungswagen des DRK waren an der Unfallstelle in Höhe des Enzberger Umspannwerkes im Einsatz. Zudem waren insgesamt fünf Helfer vom Notfallnachsorgedienst des DRK und der Notfallseelsorge vor Ort. Später überwachten drei Streifenwagenbesatzungen das Geschehen an der Sammelstelle.

Die Ermittlungen zum genauen Unfallhergang dauern noch an. Nach Polizeiangaben war der verunglückte Beifahrer vermutlich nicht angegurtet, der Führerschein des Unfallverursachers wurde einbehalten. Gerüchte, wonach es sich um ein illegales Autorennen gehandelt haben könnte, kann die Polizei nicht bestätigen. „Uns ist nicht bekannt, dass ein zweites Fahrzeug in der Nähe gewesen ist“, erklärt Otruba. Ein Sachverständiger untersuche nun das getunte Unfallauto.

Der Fahrer wird weiter wegen schwerer Verletzungen behandelt. Einsatzkräfte hatten in der Unfallnacht das DRK-Fahrzeug, in dem er abtransportiert wurde, besonders vor aufgebrachten und verzweifelten Angehörigen schützen müssen. Auch am Samstag hatte die Polizei am Nachmittag zahlreiche Trauernde am Unglücksort registriert.

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