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03.10.2016

Ärgernis Verkehrsbelastung: Staus in Bretten und B35 bei Maulbronn

Enzkreis. Seit rund zwei Jahrzehnten wird im Neulinger Teilort Bauschlott über eine Ortsumgehung diskutiert. Kein Wunder, belasten doch jetzt täglich 18.000 bis 20.000 Fahrzeuge auf der Bundesstraße durch den Ort die Anwohner. Wie stark der Verkehrslärm und die Abgase den Bürgern auf die Nerven gehen, wurde jetzt wieder im Bauschlotter Gasthof „Adler“ bei der Informationsveranstaltung deutlich, die der Landtagsabgeordnete Erik Schweickert (FDP) initiiert hatte.

„Ich bin 66 Jahre alt, erlebe ich es überhaupt noch, dass der Krach von den Autos einmal aufhört?“, machte eine Anwohnerin der B294 im proppenvollen Nebenzimmer des Gasthauses ihrem Ärger Luft. Wie die PZ berichtete, sieht Schweickert bessere Chancen als bisher für eine Umfahrung, wenn die Gemeinde Neulingen sowie die Städte Bretten und Bruchsal ihre Überlegungen für örtliche Umgehungen insgesamt als Achse zwischen der A5 bei Bruchsal und der A8 Pforzheim-Nord verstehen.

Die neue Richtlinie für den Ausbau der Landstraßen fordert bei solchen Strecken zwischen zentralen Punkten der Bundesfernstraßen einen flüssigen Verkehr – vor allem mit dreispurigen Landstraßen, die abwechselnd zweistreifige Bereiche zum raschen und gefahrlosen Überholen haben. „Da habe ich aber die Sorge, dass dann noch mehr Verkehr von den Autobahnen durch Bauschlott kommt“, befürchtete ein Mitglied des Gemeindeverbands Neulingen/Ölbronn-Dürrn. Die vom Bund bisher provisorisch ins Auge gefasste Umfahrungslinie über Felder beim Auenhof Richtung Bretten hat Schattenseiten: „Wie sieht denn dort der Lärmschutz für meinen Hof aus?“, fragte ein Landwirt. Betroffen seien bei dieser Variante rund 290 Anwesen, so ein Bürger.

Bei Maulbronn und Knittlingen sind es nicht die Anwohner, die sich ärgern, sondern vor allem Berufspendler und insbesondere Lkw-Fahrer. Denn die müssen schon seit Monaten Staus und zähflüssigen Verkehr auf der B35 hinnehmen. Die erste Stelle befindet sich auf Höhe von Knittlingen, wo der Lkw-Verkehr wegen einer maroden Brücke die Geschwindigkeit reduzieren muss – in der Folge geht es auch für Autofahrer im Schleichmodus in Richtung Mühlacker oder Stuttgart. Nur wenige Kilometer weiter, auf Höhe der Ausfahrt Maulbronn West, regelt eine Ampel den Verkehr, der wegen Asphaltschäden nur einspurig verläuft. Immerhin sind für diese Brücke ab heute Bauarbeiten vorausgesagt, die dafür sorgen sollen, dass der Verkehr noch in diesem Jahr wieder zweispurig rollen soll.

Bei der Infoveranstaltung im „Adler“ kündigten die Rathauschefs der drei Kommunen, Michael Schmidt (Neulingen), Martin Wolff (Bretten) und Cornelia Petzold-Schick (Bruchsal) an, dass sie weiter am Ball bleiben wollen. So schnell werde sich aber nichts tun, sagte Petzold-Schick. Zudem steht weder in Bruchsal noch in Bretten fest, wo genau die Umgehungen verlaufen sollen. Die massiv belastete Stadt Bretten müsse ihre Ideen auch ohne die anderen beiden Kommunen vorantreiben, sagte Oberbürgermeister Wolff. Schweickert und sein Parteifreund Christian Jung aus dem Landkreis Karlsruhe wollen sich für einen besser befahrbaren Streckenzug von der A5 zur A8 einsetzen.