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"Die Flippers" entern den Mühlacker Sender und beweinen dort die "kleine Eva", wie ein Video aus dem Jahr 1969 zeigt. © Screenshot Youtube
"Die Flippers" entern den Mühlacker Sender und beweinen dort die "kleine Eva", wie ein Video aus dem Jahr 1969 zeigt. © Screenshot Youtube
"Die Flippers" entern den Mühlacker Sender und beweinen dort die "kleine Eva", wie ein Video aus dem Jahr 1969 zeigt. © Screenshot Youtube
"Die Flippers" entern den Mühlacker Sender und beweinen dort die "kleine Eva", wie ein Video aus dem Jahr 1969 zeigt. © Screenshot Youtube
02.03.2017

Als "Die Flippers" ihre "kleine Eva" im Mühlacker Sender beweinten

Mühlacker. Die Zukunft des Senders in Mühlacker ist weiterhin unklar und wird aller Voraussicht nach bald die Gerichte beschäftigen. Dass der Sender nicht ganz zu Unrecht als technisches Kulturdenkmal eingestuft worden ist, beweist ein Musikvideo, das einst auf dem Gelände des Senders gedreht wurde und Einblicke in den früheren Alltag im Sendebetrieb zeigt. Aus regionaler Sicht doppelt interessant: In diesem heute kurios und etwas unbeholfen anmutenden Musikclip singt die aus dem Sender-Umland stammende Schlager-Combo „Die Flippers“.

„Die Montagabend-Mischung“ wird von einem Radiosprecher angesagt. Damals, das Video entstand 1969, lief im „Südfunk 1“, dem Vorläufer des SWR, noch die „Schlagerskala“. Für diese Sendung hatten die „Südfunk“-Hörer „Weine nicht, kleine Eva“ zum „Schlager des Monats“ gekürt. Kein Wunder, war der Titel doch zwischen 1. Oktober 1969 und 1. Februar 1970 ganze 18 Wochen lang in den deutschen Single-Charts. Die höchste Platzierung in dieser Zeit war Rang 4. Keine „Flippers“-Single landete jemals höher, und nur „Sieben Tage“ und „Lotusblume“ konnten jeweils eine Woche länger in den Charts bleiben.

Die Protagonisten, die im Video diesen Evergreen schmettern, sind die Mitglieder der 1964 gegründeten „Dancing Band“, Vorläufer der erstmals 1970 „Die Flippers“ genannten Schlagerlegende. Die heimsten, zuletzt auf das Trio mit Manfred Durban (Band-Gründungsmitglied, 2016 verstorben), Bernd Hengst (seit 1965) und Olaf Malolepski (seit 1967) geschrumpft, stolze 5 Platin- und 39 Goldene Schallplatten ein.

Das Musikvideo ist meilenweit von Musikclip-Klassikern wie „Thriller“ von Michael Jackson entfernt. Aber genau das macht den Charme aus. Während „Weine nicht, kleine Eva“ angestimmt wird, sieht man zunächst nur eine rote Mastspitze. Dann gleitet die Kamera am Sendemast nach unten. Dort stehen im Grün am Fuß des Sendemastes verteilt die späteren Trio-Mitglieder Durban, Hengst und Malolepski mit den ehemaligen Bandkollegen Claus Backhaus, Franz Halmich und Roland Bausert. Später sieht man sie das Sendergebäude entern, das stellenweise ans Innere eines Kernkraftwerks denken lässt. Überall Schalter, Regler, Pegel, Transformatoren, Generatoren und Wände, die an kühlschrankgroße Computer erinnern.

Dazwischen bewegen sich „Die Flippers“ durch die Technikräume. Ein echtes historisches Technikdokument. So sah es also früher einmal im Sendergebäude aus. Hightech aus Opas Jugend. So ganz ohne Computer und ohne Flachbildschirm. Wer hätte damals gedacht, dass das unförmige Bakelit-Telefon mit Wählscheibe einmal in die Hosentasche passt und mehr Daten speichern kann als Dutzende der ersten PC zusammen.

Und in diesem Technikumfeld schnulzen die Jungs von der kleinen Eva vor sich hin. Einige reiben sich sogar die verweinten Augen. Großes schauspielerisches Talent war im fast ein halbes Jahrhundert alten Musikvideo nicht zu entdecken. Aber gerade darin liegt ja der Reiz. Mit „Weine nicht, kleine Eva“ nehmen uns „Die Flippers“ im alten Südfunk-Filmchen mit auf die Reise durch ein Technikmonument, dessen Existenz auf der Kippe steht. Viel von der alten Einrichtung ist heute schon nicht mehr zu sehen. Und gleichzeitig ist es ein Dokument aus der Frühzeit einer der erfolgreichsten Combos im Nachkriegsdeutschland. Mit der „kleinen Eva“ fing alles an, kam der Ruhm und das Geld. 

Und mit "Weine nicht, kleine Eva" geht es auch weiter in die Zukunft. Nur ein Beispiel: Bei Spotify sind momentan 372.166 Klicks für dieses Lied verzeichnet. 

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