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Auf der alten Eisenbahnbrücke liegt eigentlich immer etwas, wissen die Männer vom Bauhof. Regelmäßig drehen sie in der Mühlacker Innenstadt ihre Runden.
Auf der alten Eisenbahnbrücke liegt eigentlich immer etwas, wissen die Männer vom Bauhof. Regelmäßig drehen sie in der Mühlacker Innenstadt ihre Runden. © Schmid
25.11.2011

Auf Tour mit dem Müll-Trupp

MÜHLACKER. Bauhof-Mitarbeiter sammeln in Mühlacker regelmäßig Abfall auf. PZ-Redakteurin Nadine Schmid hat einen Morgen lang einen der Müll-Trupps begleitet.

Zwei benutzte Tampons liegen zwischen zerknüllten Zigarettenschachteln, einer in unzählige Scherben zersprungenen Kräuterlikörflasche und zerrissenen Sixpack-Verpackungen. Alles miteinander bildet einen bunten Müllteppich unter der V7-Brücke, die in Mühlacker über die Eisenbahngleise führt. Schnapp, schnapp, schnapp – die Müllzange kennt keinen Ekel und alles landet in einem Eimer. Der wird in den kleinen Containeraufbau auf dem Bauhof-Auto geleert und weiter geht’s zur alten Eisenbahnbrücke: Zerbrochene Flaschen, leere Pizzakartons, Kaubonbon-Papiere – der Container füllt sich.

Dreimal die Woche sind Mitarbeiter des Bauhofs allein in der Mühlacker Kernstadt unterwegs. Montagmorgens geht es zuerst zu bekannten Orten: Wertle-Parpkplatz und Enzufer, die Bushaltestellen an der Bahnhofstraße oder eben die alte Eisenbahnbrücke. Wo oft Müll liegt, wissen die Männer. „Heute ist es nicht viel“, meint Hasim Türkmen und lässt seinen Laubbläser röhren. Die Sonne blitzt durch die Streben der alten Eisenbahnbrücke. Obwohl der Tag für November wieder mild werden wird, waren die Nächte am Wochenende empfindlich kalt. Gewärmt haben sich die oft jungen Besucher mit Wodka-Mixgetränken und Bier. Der Mülleimer am Brückenkopf ist voll, die leeren Flaschen und Verpackungen bläst Türkmen auf der Brücke am Bordstein zusammen, bevor er sie aufkehrt und in den Container auf dem Auto wirft.

Bauhofleiter Stefan Lipps hat nachgerechnet: Ungefähr 100 Tonnen Restmüll kommen jährlich aus den öffentlichen Mülleimern und von den Straßen und Plätzen zusammen. Der Müll bewegt die Menschen, weiß Lipps. Aber nicht nur diejenigen, die sich ärgern und gefährliche Situationen befürchten, wenn Müll herumliegt und Scherben im öffentlichen Raum weggeworfen werden. „Wir werden dem Müll fast nicht mehr Herr“, sagt Lipps. Nicht nur die Hausmülltüten, die regelmäßig in die öffentlichen Mülleimer gestopft werden, ärgern ihn. Auch auf den Häckselplätzen wartet der illegal entsorgte Müll. Sogar abgestellte Einbauküchen und Sofas müssen die Bauhof-Mitarbeiter dort wegschaffen. Zwar entstehen der Stadt bei der Entsorgung keine Kosten, erklärt Lipps, Arbeitskraft kostet es aber schon, wenn Leute illegal ihren Müll abladen.

Viel wilden Müll finden die Bauhof-Mitarbeiter auch auf ihren Touren über Feldwege und Parkplätze. „Was überhand nimmt, sind die Einwegverpackungen wie Pizzaschachteln und Tüten vom Schnellrestaurant“, sagt Lipps. Pfandflaschen findet man seltener. Türkmen hat auf der alten Eisenbahnbrücke aber eine gesichtet und sortiert sie extra.

Auch das Enzufer am Wertle scheint am Wochenende trotz Kälte gut besucht gewesen zu sein. Leere Plastikbecher hat der Wind über den Hang verteilt, der am Waldensersteg relativ steil zur Enz abfällt. Das Gras glitzert im morgendlichen Reif. Mit Abfallzange und Eimer ist der Abstieg nicht so einfach, leicht kommt man ins Rutschen. Auch hier mehrere Flaschen Wodka-Mix und billiger Rum. In einzelnen Bechern steht noch ein letzter Rest der braunen Flüssigkeit. Damit die vermüllten Stellen nicht nur punktuell angefahren werden und der Müll zwischendrin liegenbleibt, plant die Stadt den Einsatz eines Handwagens. Bahnhofstraße und der neue Fußweg am Igelsbach stehen dabei im Mittelpunkt, erklärt Lipps. Mit einem Schlüssel hakt Türkmen die gefüllten Mülleimer ab und leert sie ins Auto. Am Brunnen nahe der Fußgängerbrücke, die über die B10 zum Mühlehof führt, reckt sich die Halterung eines Mülleimers leer in die Luft. Der grüne Behälter liegt hinter einer Hecke.

Türkmen trägt ihn wieder an seinen Platz und befestigt den Mülleimer. Der 48-Jährige schimpft nicht über die sinnlose Aktion. Er macht seine Arbeit. Als nächstes geht es zur Bushaltestelle am Wertle-Parkplatz. „Bushaltestellen sind wichtig“, sagt Türkmen, greift die großen Stücke ab und bläst die kleineren zusammen. So hält er es auch an der Drehscheiben-Haltestelle. Nachher, erklärt er, fahre eine Kehrmaschine vorbei und kehre die kleinen Teile aus dem Rinnstein. Nach der ersten Runde sind die gesäuberten Stellen nicht so sauber, wie eine typische schwäbische Hausfrau den Gehsteig nach der Kehrwoche haben wollte. Aber die Mülleimer sind geleert und augenscheinlich machen die Ecken wieder etwas her. Solange, bis erneut jemandem der Weg zum Mülleimer zu weit ist.