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Über die Neujahrsringle freuen sich am Samstag Sandra Knies (von links), Jutta Mathaner, Oliver Höhner, Moritz Nett mit Baby Lola und Emil, Oberbürgermeister Frank Schneider und Daniela Nett. Foto: Prokoph
Über die Neujahrsringle freuen sich am Samstag Sandra Knies (von links), Jutta Mathaner, Oliver Höhner, Moritz Nett mit Baby Lola und Emil, Oberbürgermeister Frank Schneider und Daniela Nett. Foto: Prokoph
391 ledige Mühlhäuser stehen diesmal auf der Liste für die Neujahrsringle. Bei der Verteilung treffen sich viele Einwohner. Fotos: Prokoph
391 ledige Mühlhäuser stehen diesmal auf der Liste für die Neujahrsringle. Bei der Verteilung treffen sich viele Einwohner. Fotos: Prokoph
01.01.2018

Auf die Neujahrsringle in Mühlacker-Mühlhausen ist Verlass

Mühlacker-Mühlhausen. Wenn morgens am 30. Dezember ganz Mühlhausen auf den Beinen ist und sich im und vor dem Rathaus versammelt, dann werden in dem kleinsten Stadtteil von Mühlacker wieder die traditionsreichen Neujahrsringle an Kinder und Ledige verteilt. Das gehört zu einem liebgewonnenen Brauch. Er mag 200 oder sogar schon 300 Jahre alt sein, das weiß so ganz genau niemand mehr. Tatsache ist aber, dass einst die Schlossherrin von Mühlhausen/Enz eine Stiftung ins Leben gerufen hatte, die dafür sorgte, dass vom Zinsertrag immer am 31. Dezember ledige Mühlhäuser, Kinder und „die herrschaftlichen und Commundiener sowie Nachtwächter und Brodträger“ kostenlos Weißbrotringle erhielten.

391 Berechtigte, die diese frisch gebackenen Neujahrsringle erhalten, stehen diesmal auf der Liste, die von den Rathausmitarbeiterinnen Sandra Knies und Jutta Malthaner fein säuberlich abgehakt wird. Gut gelaunt strömen am Samstagmorgen Eltern mit ihren Kindern, Jugendliche aber auch ältere Menschen in die Rathausstube im ersten Stock, in dem die Bücherei untergebracht ist.

Eine gute Idee

Moritz und Daniela Nett haben ihr neun Monate altes Baby Lola und ihren Sohn Emil dabei. Die Familie ist vor ein paar Jahren aus Kandel nach Mühlhausen gezogen. „Die Ringle zu verteilen, ist eine gute Idee“, sagte Moritz Nett. In der Ratsstube haben sich auch Oberbürgermeister Frank Schneider und Gemeinderat Oliver Höhner eingefunden, Am Tisch haben sie es sich bei einer Tasse Kaffee gemütlich gemacht. „Solche Traditionen sind notwendig für die Identität, insbesondere in einem kleinen Stadtteil“, sagt Schneider. Seit 1972 bezahlt die Stadt die Ringle. Der wiedergewählte OB lässt sich diese Tradition im Mühlacker Stadtteil mit seinen rund 1000 Einwohnern nach Möglichkeit nicht entgehen. Die Verteilung der Ringle sei sogar im Eingemeindungsvertrag zwischen Mühlacker und Mühlhausen ausdrücklich vereinbart worden, hatte in den Vorjahren immer Stadtrat Wolfgang Schreiber berichtet. Diesmal kam er grippegeschwächt ins Rathaus, nur um mitzuteilen, dass er nicht verweilen könne.

Glühwein und Kinderpunsch

Vor dem Rathaus bietet der Mühlhäuser Liederkranz mit seinen Helfern wie schon seit vielen Jahren Glühwein, Kinderpunsch und heiße Rote an. Dort haben sich insgesamt 200 Menschen versammelt, die essen, trinken und sich an diesem letzten Morgen im Jahr rege austauschten. „Bei uns in Mühlhausen treffen sich die Menschen gerne, weil wir eine intakte Dorfgemeinschaft haben“, unterstreicht Stadtrat Oliver Höhner. Und das wird auch bei den Neujahrsringle deutlich. Denn dieser Brauch besteht ja schon seit vielen Jahren. Und der jüngste Ringleempfänger ist gerade mal zwei Tage alt.