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Gefälschte 20-Euro-Scheine, wie auf dem Archivbild dargestellt, hat ein 30-jähriger Mann aus Mühlacker in Umlauf gebracht.
20er © dpa
09.06.2011

Bewährungsstrafe wegen Kauf und Weitergabe von Falschgeld

PFORZHEIM/MÜHLACKER. „Selten“, sagte Richter Karl-Michael Walz, „habe ich einen Angeklagten erlebt, dem das, was er getan hat, so offensichtlich Leid tut wie in diesem Verfahren.“ Tatsächlich sah man dem 30-jährigen Mann aus Mühlacker über die gesamte Verhandlung hinweg an, wie sehr er mit sich und der Tatsache, dass er 2000 Euro Falschgeld gekauft und in Umlauf gebracht hat, haderte.

„Ich wollte die Taufe meines Kindes bezahlen, hatte aber kaum Geld. Dann habe ich das Angebot, das Falschgeld zu kaufen, leider angenommen“, sagte der Senderstädter. Mehrmals standen dem Familienvater während des Prozesses im Pforzheimer Amtsgericht die Tränen in den Augen. Ende Februar diesen Jahres habe er in Vaihingen zufällig einen alten Freund aus seinem Heimatland wiedergetroffen, der ihm im Laufe eines Gesprächs vorgeschlagen habe, aus seinen 900 Euro, die er bislang für die Taufe gespart habe, 2000 Euro zu machen. „Er hat angeboten, mir das Falschgeld in einhundert 20-Euro-Scheinen zu bringen, die so täuschend echt seien, dass der Betrug niemandem auffallen werde.“

Allein, Falschgeld zu erwerben, herzustellen oder in Umlauf zu bringen ist in Deutschland ein Verbrechen, das, so Richter Walz im Gegensatz zu einem Betrug vom Strafrahmen gleichgesetzt werde mit Raub und Vergewaltigung. „Das bedeutet, je nach Sachlage, bis zu 15 Jahre Freiheitsstrafe“, so Walz.

Ob dies dem Angeklagten und seinem Bekannten aus Kindheitstagen bewusst war, wurde nicht ersichtlich. Fest steht jedoch, dass sie sich eine Woche später erneut trafen, um die Übergabe des Geldes vorzunehmen. „Ich bin dann zu ihm ins Auto gestiegen, habe das Falschgeld betrachtet und gezählt und ihm dann die 900 echten Euro gegeben“, so der 30-Jährige. Seitdem sei der Kindheitsfreund verschwunden.

Daheim habe er das Geld vor seiner Familie versteckt und im Laufe der nächsten Zeit versucht, das Falschgeld in echtes zu tauschen. Dazu sei er unter anderem an Mühlacker Dönerbuden und Tankstellen gefahren, habe kleinere Artikel gekauft und dann über das Rückgeld echte Euro erhalten. Eine dieser Wechseltouren war schließlich das Anfang vom Ende. Einem Tankstellenmitarbeiter fielen die Blüten auf und er verständigte die Polizei.

Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten schließlich zu einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung.

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