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In Zaisersweiher ist Ende März ein Mann niedergestochen worden. Die Ehefrau soll nun wegen Mordes angeklagt werden. Stefan Hammer, Leiter des Pforzheimer Kriminalkommissariats, und Oberstaatsanwältin Sandra Bischoff begutachteten damals den Tatort. Foto: PZ-Archiv/Seibel
29.09.2015

Bluttat in Zaisersweiher: Wurde Frau jahrelang von Ehemann gequält?

Mitten in der Nacht ging sie auf ihren Mann los und tötete ihn mit 32 Messerstichen - wegen Mordes aus Heimtücke steht seit Dienstag eine 52 Jahre alte Frau vor dem Landgericht Karlsruhe (Az.: 1 KS 97 JS 3689/15). Ihr wird vorgeworfen, ihr Opfer Ende März im gemeinsamen Haus in Maulbronn (Enzkreis) im Schlaf mit einem 20 Zentimeter langen Messer angegriffen zu haben.

„Er war arglos und hatte keine Chance“, so der Staatsanwalt bei der Verlesung der Anklage. Vier der tödlichen Stiche trafen den Mann in die Brust, einer in die Luftröhre. Der 55-Jährige konnte sich noch auf die Straße schleppen und verblutete dort.

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In einer schriftlichen, durch ihren Anwalt verlesenen Erklärung räumte die Frau die Tat im Wesentlichen ein, bestritt jedoch, dass der Mann zum Zeitpunkt der Messerattacke geschlafen habe. Gleichzeitig wurden auch auch mögliche Motive offenbar: Hinter der biederen Fassade ihrer Ehe mit zwei erwachsenen Kindern soll es vielfach zu Vergewaltigungen durch ihren Mann gekommen sein - die erste bereits in den ersten Jahren der ansonsten „oft harmonischen Ehe“.

Auf Fragen des Richters erzählte sie von Gewalttätigkeiten ihres Mannes und regelmäßig erzwungenem Oralverkehr sowie anderen sexuellen Übergriffen vor allem in den letzten knapp zehn Jahren vor der Bluttat. „Er hat immer wieder versprochen, es nicht mehr zu tun.“ Er entschuldigte sich, er brachte Blumen; er tat es wieder. Sie habe begonnen zu trinken.

Von ihrer Familie fühlte sie sich im Stich gelassen; von ihrem Mann gedemütigt und mit Drohungen bedrängt, sie in die Psychiatrie zu schicken. „Du bist ohnehin ein Nichts, dass weggesperrt gehört“, habe er zu ihr gesagt. In der Nachtnacht schaute das Ehepaar gemeinsam einen Film an; danach kam es zum Streit, bevor sich der Mann schlafen legte. Sie habe ihn geweckt, weil sie reden wollte. Dann stach sie zu. Betrunken war sie laut Anklage nicht.

Sich selbst hatte die Frau nach der Tat mit einem Messer ebenfalls lebensgefährlich verletzt, konnte aber gerettet werden. Seit April sitzt sie in Untersuchungshaft. Ihre Kinder besuchten sie im Gefängnis bislang nicht. „Dafür habe ich Verständnis“, sagte die 52-Jährige. Und: „Ich habe meinen Mann geliebt.“

Für den Prozess sind vier weitere Verhandlungstage angesetzt, ein Urteil wird am 26. Oktober erwartet.