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Im Mühlacker Mühlehof informierte der Senderstädter Bürgermeister Winfried Abicht (links) die Bürger zur neuen Abwassergebühr.
Gesplittete Abwassergebühr © Lutz
11.07.2011

Bürger im Mühlehof über Abwassergebühren informiert

MÜHLACKER. Die neuen Abwassergebühren beunruhigen noch viele Mühlackerer. Skepsis herrscht vor allem über die richtige Berechnung des Regens, der in die Gebühren einfließt.

Das wichtigste wiederholte Bürgermeister Winfried Abicht bei der Bürgerversammlung  im Mühlehof gleich mehrfach. Nein, die Stadt Mühlacker erhöhe nicht klammheimlich die Abwassergebühren ihrer Bürger. Sie verteile sie nur anders – und zwar, weil die Kommunen dazu durch ein Gerichtsurteil vom März 2010 dazu gezwungen seien. Vor ihm saßen freilich viele Bürger, die sich dennoch um die eigenen Abschlagszahlungen Sorgen machen. Abwasser und jetzt noch Gebühren aufs Regenwasser, das müsse doch teurer werden.

Die Verwaltung gab deshalb eine grobe Schätzung ab, die das Problem hat, dass die Grundstücksdaten, die für den Regenwasseranteil an den neuen Gebühren entscheidend sind, derzeit erst erfasst werden. Tiefbauamtsvertreter Rainer Schellinger sagte: „Wenn Sie nach alter Berechnung 1,95 pro Kubikmeter fürs Abwasser zahlen, dann sind das künftig 1,40 Euro pro Kubikmeter Abwasser plus 55 Cent pro Kubikmeter Niederschlagswasser, das auf dem Grundstück anfällt.“ Unterm Strich bliebe es dann bei den 1,95 Euro. Schon weil eine Kommune mit ihren Gebühren keinen Überschuss erzielen dürfe, so Kämmerer Reinhard Gerst.

Rund 200 Bürger waren in den Mühlehof gekommen, um sich näher über die so genannte gesplittete Abwassergebühr zu informieren. Deutlich weniger, als Verwaltung und Gemeinderat erwartet hatten. Vielleicht wegen umfangreicher Vorinformationen, hofft etwa Schellinger. Aber vielleicht auch, weil die Sache kompliziert ist.

Gerechter soll die neue Gebühr sein. Das berühmteste Beispiel dafür ist der Supermarkt, der nach den bislang nach dem Frischwasserverbrauch berechneten Gebühren extrem wenig zahlte – obwohl von versiegelten großen Parkplätzen etwa sehr viel Niederschlagswasser in die Kanäle gelangte und für Kosten in der Kläranlage sorgte. Der Supermarkt soll künftig mehr bezahlen, der Bewohner eines Mehrfamilienhauses weniger und der Häuslesbesitzer ungefähr so viel wie vorher –im zweistelligen Eurobereich könne es Verschiebungen nach oben oder unten geben, so Abicht.

Aber wie wird das Regenwasser berechnet, fragte eine Bürgerin. Es könne doch mal in Lomersheim beispielsweise weniger regnen als in Lienzingen. Die Mengen sehe man im Klärwerk, so Abicht. Umgelegt werden sie über die versiegelten Flächen – sie schlagen desto weniger ins Gewicht, je mehr Wasser etwa im Garten versickert. Oder durch Zisternen oder in Reihe „geschaltenen“ Regentonnen zurückgehalten wird.

Ab 1. September flattern den Bürgern die entsprechenden Formulare ins Haus. Dann können sie bis 23. September in Karten einzeichnen oder in Tabellen ankreuzen, wo ihre aus Luftbildern vermessenen Grundstücke nicht richtig veranschlagt worden sind. Hilfestellung soll eine Hotline geben und in der letzten Woche vor Abgabeschluss ein Bürgerbüro. Gemessen am gestrigen Abend dürften da noch mal viele Fragen auflaufen. hei