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Die Veranstaltung im Uhlandbau lockte mehr als 130 Besucher an.  Foto: Kollros 
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BI-Sprecher Martin Hasselmann (links) im Dialog mit Mühlackers Bürgermeister Winfried Abicht.  Foto: Kollros 

Bürgerprotest soll Gewerbepläne in den Welschen Wiesen stoppen

Mühlacker. Es gab wahrlich schon Bürgerinformationsveranstaltungen, die verglichen mit der Versammlung am Montag zum Reizthema „Welsche Wiesen“ eher einem lauen Lüftchen glichen. Die Mühlacker Rathausspitze und anwesende Stadträte sahen sich im Laufe des Abends einem Proteststurm ausgesetzt, der als Fingerzeig dafür gewertet werden kann, dass die Kommunalpolitik sich kaum auf einen offenen Streit mit der Eckenweiher-Bevölkerung einlassen dürfte.

Die Kulisse von rund 130 Besuchern erinnerte ein Stück weit an das Protest-Motto der DDR-Bevölkerung vor drei Jahrzehnten: „Wir sind das Volk“. Die Eckenweiherer ließen im Uhlandbau keinen Zweifel aufkommen: Sie wollen sich ihre „grüne Lunge“ im Osten der Siedlung nicht zubauen lassen, nicht zum Bauernopfer einer bislang gescheiterten Standortsuche für ein großflächiges Gewerbegebiet in der Stadt werden.

Trotz der klaren Fronten ging es weitestgehend sachlich zu beim Informationsaustausch am Montag. Die Stadtverwaltung war der Bürgerinitiative auch insofern entgegengekommen, als deren Sprecher Professor Martin Hasselmann in einem fast dreiviertelstündigen Vortrag Argumente gegen eine Gewerbeansiedlung auf den vier Hektar Wald und Wiesen zwischen Eckenweiher, Mahle und Osttangente vortragen konnte, die er zudem mit einer Präsentation unterlegte.

Der Biologe stützte sich dabei – stets bezogen auf das umstrittene Plangebiet – unter anderem auf den Umweltbericht zum aktuellen Flächennutzungsplan (FNP), aus dem das hohe Konfliktpotenzial in Bezug auf die Tier- und Pflanzenwelt sowie Klima und Luft hervorgehe, die eine Bebauung nicht rechtfertige.

Hasselmann zeigte aus dem Bericht auf, dass der Bereich samt benachbartem „Erbsenhäfele“ artenschutzrelevante Tierarten wie die Gelbbauchunke, den Hirschkäfer und die Spanische Flagge beherberge, aber auch die Bechstein-Fledermaus, für die Deutschland eine „besondere nationale Verantwortung“ zu tragen habe.

Hinsichtlich des Schutzgutes Luft zitierte der Professor von der Uni Hohenheim aus dem selben FNP-Umweltbericht, dass Mühlacker „schlecht durchlüftet“ sei, also diesbezüglich ein „klimatischer Belastungsraum“. Die „Welschen Wiesen“ seien die einzige noch offene Frischluftschneise, „und die wollen Sie uns zubauen“, kritisierte der Eckenweiher-Bewohner unter dem Beifall der Zuhörer.

Eingangs betonte Bürgermeister Winfried Abicht als Versammlungsleiter, dass mit dem Kauf der Flächen noch keinerlei Vorfestlegungen in Richtung Gewerbeansiedlung getroffen sei. Zudem sei ein hierfür erforderlicher Bebauungsplan dahingehend abzuwägen, ob er „dem Wohl der Allgemeinheit dient“. Eine Absage erteilte Abicht hingegen dem Wunsch aus den Reihen der Bürgerinitiative, dass sich die Ratsfraktionen in ihrem Abstimmungsverhalten bei den beiden Kaufentscheidungen „outen“ könnten. Dies falle unter die gesetzliche Verschwiegenheitspflicht bei nichtöffentlich gefassten Beschlüssen.

Im Übrigen, so Abicht weiter, sei eine gewerbliche Entwicklung der „Welschen Wiesen“ seit 2013 „öffentlich erkennbar“ gewesen. Und seit 2016 seien im städtischen Haushalt Mittel bereitgestellt worden.

Dass der Bürgerprotest indes erfolgreich war, zeigte sich bereits am Morgen nach der Veranstaltung: Die CDU-Fraktion stellte einen Antrag, noch vor der Kommunalwahl die Gewerbepläne in den Welschen Wiesen endgültig zu begraben.

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