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28.04.2008

Bürgerprotest wirkt: Gemeinderat annulliert Brücken-Abriss

ÖTISHEIM. Innerhalb von zwei Wochen hat der Gemeinderat in Ötisheim den eigenen Abrissbeschluss zur Bahnbrücke bei Erlenbach aufgehoben. Am Abend forderte eine Mehrheit den Erhalt des Fußgängerstegs über die Gleise.

„Zum Schluss hat der Gemeinderat doch auf uns Bürger gehört“, atmete Jürgen Walter aus Erlenbach nach der Entscheidung des Ratsgremiums auf. Acht Gemeinderäte votierten am Abend vor 50 Zuhörern für eine Sanierung der Brücke mit einem Aufwand von 75 000 Euro, die Schultes Werner Henle vorgeschlagen hatte. Der Urheber des annullierten Abrissbeschlusses, Wolfgang Vetter (Freie Wähler), enthielt sich mit zwei weiteren Gemeinderäten der Stimme und sagte während der Debatte kein einziges Wort. Zwei Mitglieder stimmten gegen die Sanierung.

„Wir haben uns einen Fehler erlaubt, den wir korrigieren“, meinte Nachbar Jürgen Halmich (FW). „Gottseidank für Erlenbach“, erläuterte Werner Schmid-Burger (Grüne). Er hatte mit Walter Pflüger (FW) bereits bei der ersten Abstimmung für den Erhalt gestritten. „Die Argumente waren auf unserer Seite. Die Einwohner haben geschlossen hinter der Sache gestanden“, kommentierte Rolf Mast, der Sprecher der Bürgerinitiative, den Erfolg.

Im Sitzungssaal stand die Tafel von der Erlenbacher Brücke mit ihren vielen Aufschriften auf den Zuschauerreihen. „Auch für die Alten diese Brücke erhalten“, lautete eine Aufschrift auf der Tafel. Weitere Erläuterungen waren von den Passanten niedergeschrieben worden, die seit mehr als 40 Jahren den Fußgängersteg auf dem Weg zur Arbeit in Mühlacker benutzen.

Die kommunalpolitische Kehrtwende im Gemeinderat von Ötisheim war von der etwa 40 Aktive zählenden Bürgerinitiative in Erlenbach ausgegangen (die PZ berichtete). Der Vorsitzende des Schwäbischen Albvereins in Mühlacker, Hermann Gommel, erinnerte an zwei Wanderwege, die über die Bahnbrücke führten. „Der Gemeinderat in Ötisheim musste einfach seine Entscheidung revidieren. Das habe ich Bürgermeister Henle am Wochenende in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt“, schilderte Gommel der PZ.

Brücke ist bereits 100 Jahre alt

Der einzige aus dem 300 Einwohner zählenden Ortsteil Erlenbach stammende Gemeinderat und Landwirt Ulrich Jaggy betonte vor der Sitzung, er sei nach der Rückkehr aus dem Urlaub „völlig überrascht gewesen vom Beschluss des Gremiums“ in seiner Abwesenheit. Für ihn stehe der Erhalt der Eisenbahnbrücke außer Frage. Rad- und Spazierwege führten über das Stahl-Bauwerk. Rathauschef Werner Henle betonte, der erste Beschluss habe den Bürgern in Erlenbach „weh getan“. Der Fußgängersteg habe eine „größere Bedeutung“, als vom Gremium erwartet. Seit 1907 habe die Fachwerk-Stahlbrücke ihren Dienst versehen.