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Mühlehof-Aufmacher © PZ-Archiv
07.06.2011

Bürgerversammlung in Sachen Mühlehof gefragt

MÜHLACKER. Kurzen Prozess wird es mit dem Mühlehof nicht geben. So viel ist nach der Gemeinderatssitzung am Dienstag klar.

In deren Verlauf musste sich Oberbürgermeister Frank Schneider gegen Vorwürfe etwa von Rolf Leo (Freie Wähler) und Thomas Knapp (SPD) wehren, mit seinen Aussagen zu dem Gebäudekomplex und seinen Problemen den Weg für einen Abriss gezielt zu ebnen.

Umfrage

Was soll mit dem Mühlehof passieren?

Abriss 58%
Sofortige Sanierung 20%
Auf dem heutigen Stand noch ein paar Jahre erhalten 22%
Stimmen gesamt 187

Das Gutachten, dessen Zahlen die Grundlage für die Diskussion boten, bezeichnete Leo sogar als „ein bestelltes Schlechtachten.“ Seine Einschätzung: Bei den Bürgern würde das Gegenwind provozieren.

Schneider betonte, dass er die Diskussion offen und ohne frühe Festlegung führen wolle – auch wenn ein Abriss nach derzeitigem Stand wahrscheinlicher wirke als eine teure Mühlehof-Sanierung. Die von den Gutachtern dafür errechneten 30 Millionen Euro wurden von den Räten gründlich hinterfragt. Günter Bächle (CDU) fragte, ob ein Mittelweg zwischen bloßer Erhaltung und großer Generalsanierung möglich wäre oder ob letztere wenigstens abschnittsweise nach Kassenlage gestemmt werden könnte. Beides verneinten die Gutachter Kerstin Streule und Dieter Bühl entschieden. Bächle schob die Feststellung nach: „Die 30 Millionen haben wir nicht.“

Am Ende schleppte sich das Gremium eher zu den Beschlüssen. Nach stark zwei Stunden Debatte erhielt die Verwaltung den Auftrag, ihr Konzept sowohl für die Zukunft der Kultur als auch des Handels in der Innenstadt zu erarbeiten. Und sie soll schnellstmöglich eine Bürgerversammlung organisieren – und zwar eine, bei der den Bürgern viel Zeit zum diskutieren bleibe. Das Ziel ist, das noch vor der Sommerpause zu schaffen. „Ein Stimmungsbild wäre so schnell wie möglich wichtig“, so Oberbürgermeister Schneider.

Wie das ausfallen könnte, darüber gingen die Meinungen auseinander. Leo und Knapp, beide vehemente Verfechter der Vorzüge des heutigen Kultursaals, erwarten eine starke Bindung der Menschen an den Veranstaltungsort. Bächle und Fraktionskollege Wolfgang Buchtala rechnen durchaus mit Sympathisanten für den Abriss. Wer den Mühlehof für die Kultur erhalten wolle, der müsse auch Ideen haben, was man mit dem größtenteils leergefegten gewerblichen Teil anfangen wolle. Denn dass Handel dort ohne Chance sei, habe sich erwiesen.
Für Roland Peter, Karin Münzmay (beide SPD) und Jens Hanf (FDP) ist eine Gretchenfrage vor einem Abriss, was am Kelterplatz dann entstehen könne.

Auch die Bürger bräuchten eine Vorstellung davon. Und auch für eine dann mögliche neue Kulturhalle und ihren Standort wurden erst noch mal viele Fragen aufgeworfen. Der Lieblingsort der Gutachter, die Feuerwache, schlossen viele aus. Für die Feuerwehr auch noch neu zu bauen, gehe gar nicht mehr. Thomas Köberle hatte für die Liste Mensch und Umwelt aufgelistet, was die Stadt zwischen Grünprojekt, Schulentwicklung und Sporthalle sonst alles vor der Brust hat.

Nach der Debatte ist damit vor der Debatte. Am 28. Juni geht es weiter. Frank Schneider verwarf aber Vorstöße, am Mühlehof ein paar Jahre festzuhalten, bis man ein Gesamtkonzept für die Innenstadt umsetzen könne. Dieser Moment sei jetzt da, so Schneider. „Die Chance für eine neue Mitte gibt es bis zur kleinen Gartenschau und dann nicht mehr.“ Es brauche Mut für Entscheidungen. Auch wenn die teilweise schmerzlich sein könnten.

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