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Bundesweite Großrazzia gegen Schleuserbande: Festnahme in Mühlacker

Mühlacker. 280 Kräfte waren am Dienstag im Einsatz, um zwischen Niedersachen und Baden-Württemberg 37 Wohn- und Geschäftsobjekte zu durchsuchen und einen Haftbefehl zu vollstrecken. Mehrere Polizeipräsidien und Ausländerbehörden sowie der Zoll haben gemeinsam ermittelt und zugeschlagen, um den 15 mutmaßlichen Mitgliedern eines Schleuserrings das Handwerk zu legen. In Mühlacker nahmen die Beamten einen 38 Jahre alten Pakistaner fest, gegen den ein Haftbefehl erlassen wurde.

In dem Großverfahren wegen gewerbs- und bandenmäßiger Urkundenfälschung und Beihilfe zum Verstoß gegen das Freizügigkeitsgesetz richten sich die Ermittlungen gegen einen Schleuserring von 15 indischen, griechischen und pakistanischen Beschuldigten sowie gegen weitere 21 hauptsächlich indische Beschuldigte. Diese sollen mit falschen Dokumenten gegenüber den Ausländerbehörden eine Eheschließung mit griechischen Frauen vorgetäuscht und sich somit eine EU-Aufenthaltskarte erschlichen haben.

Weitere Drahtzieher in Griechenland untergetaucht?

Bei der Razzia klickten in Mühlacker die Handschellen. Während hier ein Pakistaner festgenommen wurde, sind weitere mutmaßliche Drahtzieher, ein 57-jähriger und mit internationalem Haftbefehl gesuchter Inder, eine 46-jährige Griechin und eine Griechin bislang unbekannten Alters noch auf freiem Fuß. Vermutlich halten sich diese drei Personen in Griechenland auf.

Weiterhin ergaben sich Anhaltspunkte gegen rund 50 weitere Personen, die bei den Durchsuchungen in den Objekten angetroffen wurden. Gegen einige von ihnen leiteten die Beamten bereits Ermittlungsverfahren wegen ausländerrechtlicher Verstöße oder Urkundsdelikten ein. Die Beamten beschlagnahmten in den durchsuchten Räumlichkeiten eine Vielzahl von Unterlagen und Aufzeichnungen, die nun ausgewertet werden müssen.

Razzia gegen Schleuser im April und Mai in Pforzheim und im Enzkreis

Seit Sommer 2018 ermittelte die Kriminalpolizei Karlsruhe gegen eine Personengruppe, überwiegend pakistanischer Herkunft, bei der der dringende Verdacht bestand, dass sie Personen aus Indien oder Pakistan gegen große Geldsummen mit EU-Bürgern aus Bulgarien verheiratet haben. Anfang April wurden in diesem Zusammenhang in Pforzheim, im Enzkreis, in Bruchsal und in Esslingen insgesamt sechs Wohnungen durchsucht.

Gegen einen 38 Jahre alten Haupttatverdächtigen aus einer nordwestlichen Enzkreis-Gemeinde erließ das Amtsgericht Pforzheim Haftbefehl. Zwei Personen, die sich illegal in Deutschland aufhielten, wurden der Ausländerbehörde überstellt. 

Bei einer groß angelegten Razzia ist die Polizei Mitte Mai gegen mutmaßliche Schleuser und Vermittler von Scheinehen vorgegangen, unter anderem auch in Pforzheim. Eine Betrüger-Organisation hat Menschen aus dem Irak eingeschleust. Flüchtlinge, die sich in Deutschland aufhalten, überlassen demnach den Schleusern ihre deutschen Reiseausweise. Die Schleuser reisen damit ins Ausland und verkaufen die Dokumente anderen Flüchtlingen, die den Personen auf dem Ausweisfoto ähnlich sehen.

Die bei dieser Razzia festgenommenen Personen gelten als Hauptorganisatoren eines Netzwerks, dass mindestens 39 illegale Eheschließungen organisiert haben soll. Es sei vorwiegend Männern aus Indien oder Pakistan eine Scheinehe mit griechischen Frauen vermittelt worden, um so über deren EU-Zugehörigkeit ein Aufenthaltsrecht in Deutschland zu bekommen. Der illegale Gewinn pro Fall belaufe sich auf etwa 25.000 Euro pro Fall.

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