nach oben
Alchemie aus dem 18. Jahrhundert zeigen am Samstag bei der Chemie-Experimental-Show im Rahmen der Knittlinger „Magie-Tage“ Lydia Nagel (von links), Heinrich Wunderlich und Claus Priesner im Pfleghof vor rund 120 Zuschauern. Hier wird gerade ein bisschen mit dem Feuer gespielt. Foto: Prokoph
Alchemie aus dem 18. Jahrhundert zeigen am Samstag bei der Chemie-Experimental-Show im Rahmen der Knittlinger „Magie-Tage“ Lydia Nagel (von links), Heinrich Wunderlich und Claus Priesner im Pfleghof vor rund 120 Zuschauern. Hier wird gerade ein bisschen mit dem Feuer gespielt. Foto: Prokoph
Mit farbigen Flüssigkeiten wird eine Geheimbotschaft auf dem Papier sichtbar. Foto: Prokoph
Mit farbigen Flüssigkeiten wird eine Geheimbotschaft auf dem Papier sichtbar. Foto: Prokoph
Die Gäste im Knittlinger Pfleghof lauschen aufmerksam der Alchemie-Show. Foto: Prokoph
Die Gäste im Knittlinger Pfleghof lauschen aufmerksam der Alchemie-Show. Foto: Prokoph
18.06.2017

Chemiker zeigen bei Knittlinger „Magie-Tagen“ alchemistische Kniffe

Knittlingen. „Wenn wir schnell wegspringen, sollten Sie das Gleiche tun“, sagen die beiden Hauptakteure schelmisch grinsend am Samstagabend vor ihrer Vorstellung. Denn magisch geht es im Bereich des Knittlinger Pfleghofes zu. Im Rahmen des dreitägigen Symposiums, „Magie-Tage in der Fauststadt Knittlingen“ haben die Chemiker Christian Heinrich Wunderlich vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie/Landesmuseum für Vorgeschichte Sachsen-Anhalt aus Halle an der Saale, und Claus Priesner von der Ludwig-Maximilian-Universität München (al)chemische Versuche in historischen Gewändern vor dem Steinhaus zelebriert. Als ihre Gehilfin agiert Lydia Nagel, Mitarbeiterin im Faust Museum/Faust Archiv.

Nun, wegspringen müssen die rund 120 Besucher nicht. Denn außer beißendem Schwefelgestank, der den Platz zum Schluss umweht, sind die chemischen Versuche eher harmlos. Und Gold herzustellen, wie der legendäre Dr. Faustus einer Sage gemäß im Maulbronner Faustturm, hatten die beiden hochkarätigen Wissenschaftler nicht im Sinn. „Magie ist ein Ausdruck für die vormoderne Zeit vor der Aufklärung, die Welt zu deuten und zu erklären“, beschreibt Denise Roth, Leiterin des Knittlinger Faust-Museums und Faust-Archivs, das von ihr organisierte Symposium. Die Wissenschaftler kennt sie von verschiedenen anderen Veranstaltungen.

Als Alchemisten in Knittlingen erprobt sich das Duo Wunderlich und Priesner allerdings zum ersten Mal. Aus farblosen Flüssigkeiten macht Wunderlich als „Magier und Alchemist“, wie ihn „Junker“ Priesner in seiner Moderation anpreist, einen Humpen, der dann wie Bier aussieht. Trinken will er es allerdings nicht. Verschiedene Flüssigkeiten wechseln durch Zusammenschütten in Bechern die Farbe, werden violett und blau. Und es gelingt dem Meister, eine unsichtbare Geheimbotschaft sichtbar zu machen.

Anschließend wird es feurig. „Der wahre Magier kann das Feuer kontrollieren, kann es heißer oder kälter machen, kann es färben und er kann ihm seine zerstörerische Kraft nehmen“, erklärt Priesner in seinem roten Gewand aus dem 18. Jahrhundert. Die Bühne wurde übrigens vom Knittlinger Verein „Laterna Mystica“ stilecht gestaltet. Dessen Mitglieder bewirten die Gäste in historischen Gewändern und geben der Veranstaltung damit den richtigen Rahmen.

„Feuer ist nicht gleich Feuer“, sagt Junker Claus. Und Meister Heinrich entzündet ein normales Tuch an einer Kerze. Nur dabei war ein Hauch von Aufregung zu spüren, als Gehilfin Lydia das verkokelnde und wieder aufflammende Tuch nicht sofort neben der Bühne entsorgt bekommt. Das zweite Tuch entflammt zwar, verbrennt aber nicht, und die Flamme lässt sich mühelos ersticken. Mithilfe von drei Spritzflaschen und brennenden Kerzen lassen die Retro-Alchemisten das Feuer dann karminrot, grün, hellblau und gelb erscheinen. Dem Publikum gefällt es und Denise Roth ist sehr zufrieden mit der Besucherschar. Zum Abschluss wird der Stummfilm „Nosferatu“ mit Live-musik im benachbarten Gemeindehaus angeschaut.