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Unzufrieden: Im Garten des Lienzingers Albrecht Geiger versickert wesentlich mehr Wasser, als auf der von der Verwaltung versandten Skizze dargestellt, ist er überzeugt. Die Korrekturen der Bürger werden jetzt eingearbeitet.
Unzufrieden: Im Garten des Lienzingers Albrecht Geiger versickert wesentlich mehr Wasser, als auf der von der Verwaltung versandten Skizze dargestellt, ist er überzeugt. Die Korrekturen der Bürger werden jetzt eingearbeitet. © Lutz
23.09.2011

Das Abwasser bewegt die Senderstadt

MÜHLACKER. Rund 3500 Abwasser-Unterlagen sind korrigiert an die Verwaltung zurückgegangen. Im Rathaus wurden die Experten von Bürgern mit Fragen bestürmt.

Das oft gehörte Klischee, dass in der unteren Bahnhofstraße in Mühlacker nicht viel los sei, erfüllt sich am Freitagmorgen gegen 10.30 Uhr nicht so wirklich. Allenthalben begegnen einem missmutig dreinschauende Menschen, die mit braunen Umschlägen in der Hand oder unter dem Arm in Richtung Rathaus marschieren. In den Umschlägen stecken die Unterlagen für die neue gesplittete Abwassergebühr. Auf den Papieren geht es um versiegelte Flächen, von denen Niederschlagswasser in die Kanäle fließen könnte, das künftig in die Gebühren eingerechnet werden muss.

Was viele auch dabei haben ist Kritik. Das hört man vor dem Beratungsbüro im Rathaus, das gestern am Tag der Abgabefrist zum letzten Mal geöffnet war. Rund 15 Bürger warten vor Raum 003 darauf, ihre Einwände gegen die aus Luftbildern ermittelten Daten vorzubringen. Aber es gibt auch andere Haken: „Bei mir ist es so, dass die Eigentumsverhältnisse nicht klar sind, weil es die Verwaltung noch immer nicht mitbekommen hat, dass mein Vater seit vielen Jahren tot ist“, sagt ein Mann. Ein anderer hält die neue Abwassergebühr schlicht für „Bürokratenwahnsinn“.

Es ist allerdings eine Sache, die nicht den Kommunen eingefallen ist. Ein Bürger war mit Erfolg gegen die alte Abrechnungsweise vorgegangen. Deshalb werden jetzt landesweit Daten erhoben und die neue Basis für die Gebühren berechnet. Die Erwiderungen der Bürger gehören da fest zum Verfahren. Rund 8000 Unterlagen sind in Mühlacker verschickt worden. Tiefbauamtsleiter Fritz Schick hat damit gerechnet, dass rund jedes zweite Schreiben korrigiert wird. Gestern waren rund 3500 Unterlagen zurück im Rathaus. Weitere 200 sind aufgeschoben, weil neue Eigentumsverhältnisse sich nicht im Grundbuch wiedergefunden hätten. Bei Grundsstücksteilungen sei das immer wieder der Fall gewesen. Das jetzige Verfahren habe solche Versäumnisse, die die Verwaltung auch bei den Bürgern sieht, zu Tage gefördert.

Die Korrekturen, die eine junge Frau an den Unterlagen vornehmen will, sind exemplarisch. Die Befliegung Mühlackers für die Luftbilder sei in einem Zeitraum gemacht worden, in dem in ihrem Garten eine große Plane den Rasen abgedeckt habe. Diese Fläche fand sie als voll versiegelt ausgezeichnet, was die Gebühren am Ende für sie teurer machen würde. Auf dem Bild freilich ist eine Plane unter Umständen von einem Dach nicht zu unterscheiden. Die Beteiligung der Bürger sei genau deshalb so wichtig, sagt Schick.

Ulrich Huber aus Lienzingen sagt: „Bei mir fehlt auf der Skizze beispielsweise ein Stück Dach, das ich nachträglich noch einzeichnen lassen möchte.“ Für ihn entstehe dadurch zwar ein Nachteil, aber „ehrlich währt am längsten“, ist sich Huber sicher. Inzwischen ist ein ständiges Kommen und Gehen im Rathaus. Schnell werden die Bürger aufgerufen, schnell ihre Anliegen bearbeitet. In Spitzenzeiten mit bis zu fünf Mitarbeitern.

Für die meisten Bürger ist die Arbeit nun erst mal vorbei. Für die Verwaltung geht sie auf Hochtouren weiter. Die Änderungen müssen eingearbeitet werden. Wenn man die versiegelten Flächen in der Stadt kennt, geht das Rechnen los für die Gebührenbescheide. hei/max