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25.08.2009

„Das Stroh brannte wie Zunder“

WIERNSHEIM. Der Schock sitzt tief bei Wolfgang Schmierer. Nahe seinem Reiterhof in Wiernsheim, sind in der Nacht auf Dienstag fast 500 Strohballen verbrannt. Eine Nacht zuvor waren Ballen bei Neuhausen in Brand geraten.

Kurz vor Mitternacht war es, als das Feuer von einer vorbeifahrenden Polizeistreife bemerkt wurde. „Ich hatte mich gerade hingelegt, da kam ein Auto auf den Hof“, erinnert sich Wolfgang Schmierer. Sofort hatte er die 60 eingestellten Pferde im Sinn und rannte zu den Ställen. Dort brannte es aber nicht. Hunderte Strohballen, die Schmierer auf einer Wiese rund 100 Meter vom Hof entfernt lagerte, standen in Flammen. Lichterloh, meterhoch. „Das Stroh brannte wie Zunder“, sagt Schmierer.

Als die Wiernsheimer Feuerwehr eintraf „stand der komplette Haufen in Flammen“, so Feuerwehrmann Ralph Küppers. Löschen sei schwierig. Kontrolliert abbrennen lassen, die „unschädlichste“ Möglichkeit. „Der Funkenflug war eine große Gefahr“, beschreibt Küppers. Immerhin lag nicht nur der Reiterhof „Hohes Kreuz“ nah am Feuer, sondern knapp 200 Meter entfernt auch der Bauernhof der Familie Blessing.

Funkenflug eingedämmt

Mit einer schnell vom Wiernsheimer Bauhof gelegten Wasserleitung, spritzte die Feuerwehr die Fläche rund um die brennenden Ballen ab. 10 der angerückten 20 freiwilligen Feuerwehrleute aus Wiernsheim waren bis gestern Mittag im Einsatz, um den qualmenden Strohhaufen auseinanderzuziehen und Glutnester zu löschen. Nach über zwölf Stunden rückten die Floriansjünger gegen 12.30 Uhr ab. „Seit vielen Jahren ist so etwas bei uns nicht mehr passiert“, weiß Feuerwehrmann Küppers. Dass es in der Nacht auf Montag beim Reiterhof Toll zwischen Neuhausen und Münklingen brannte, hat Wolfgang Schmierer gestern Morgen in der PZ gelesen. „Wer macht so was?“, fragt Schmierer. Für ihn ist klar, dass sich das Stroh nicht selbst entzündet hat. Bei Heu komme das eher vor, sagt er.

Nachbar Jörg Blessing hat in der Brandnacht geholfen. Auch ihm stellt sich die Frage, wie die Strohballen angefangen haben zu brennen. „Es ist bedrückend“, sagt Blessing. Stroh und Heu lagern Landwirte überall. „Wie will man das sichern?“

Hängen die Brände zusammen?

Die Polizei prüft, ob es einen Zusammenhang zwischen den Bränden bei Wiernsheim und im Bereich Neuhausen gibt, sagt Polizeisprecher Michael Sengle. Es werde mit Hochdruck in jede Richtung – inklusive Brandstiftung – ermittelt. „Wir lassen nichts außen vor“, so Sengle. Die Polizei werde in den kommenden Nächten im östlichen Enzkreis intensiv Streife fahren und bittet, verdächtige Wahrnehmungen zu melden. Den Schaden für den Wiernsheimer Brand gibt die Polizei mit einer fünfstelligen Summe an.

1300 Ballen Stroh hat Wolfgang Schmierer in den vergangenen Wochen gepresst. Ungefähr die Hälfte in einer Halle und die andere draußen aufgestapelt. Am Samstag waren die Letzten dran, die Einstreu für die Pferde damit unter Dach und Fach. „Gestern Morgen wollten wir sie abdecken“, sagt Schmierer. Übrig geblieben ist von den auf der Wiese gelagerten Strohballen ein schmieriger Haufen Asche und verbranntes Stroh. Bis Dezember, weiß Schmierer aus Erfahrung, reiche das übrig gebliebene Stroh. Was dann passiert? „Ich weiß es noch nicht“, sagt der Wiernsheimer. „Ich denke, dass jeder mit ein paar Ballen aushelfen kann“, meint Nachbar Blessing. Aber ob das ausreiche? Normalerweise, sagt Wolfgang Schmierer, lagere er die Strohballen näher am Hof. Dieses Jahr hat er sie weiter entfernt aufgestapelt. „Gottseidank.“