760_0900_100538_98062892.jpg
Die Justitia symbolisiert Gerechtigkeit. Das wünscht sich Jochen Stöhr künftig auch für das Zählverfahren bei Gemeinderatswahlen, das er als „unfair“ bezeichnet. Symbolbild: DPA-Archiv

„Das ist Irrsinn“ – Knittlinger Unternehmer Jochen Stöhr wehrt sich gegen Wahlsystem bei der Gemeinderatswahl

Knittlingen. Der Knittlinger Unternehmer Jochen Stöhr hat bei der Gemeinderatswahl in Knittlingen 1381 Stimmen bekommen. Ralf Schwarzien mit 613 gerade einmal die Hälfte – doch Schwarzien ist letztlich der Glückliche, der laut Gesetz in den Gemeinderat einziehen darf.

Ralf Schwarziens Liste, die Parteilose Wählervereinigung, hat mit drei Kandidaten insgesamt mehr Stimmen (1735) bekommen als Stöhr, der eine eigene Liste mit dem Namen „Knittlingen Aktiv“ gegründet hat.

„Das ist Irrsinn“, so der Inhaber einer kleinen Baufirma. Doch was für Stöhr Irrsinn ist, nennt sich Verhältniswahlrecht. Wie Maral Saraie, Amtsleiterin der Kommunalaufsicht im Enzkreis, erklärt, zählt bei Gemeinderatswahlen immer zuerst die Gesamtstimmenanzahl der Liste. Die Stimmen der einzelnen Kandidaten werden zusammengezählt. Dann erst spielen die der einzelnen Kandidaten überhaupt eine Rolle, nämlich wenn es darum geht, wer auf der Liste schließlich ins Gremium einziehen darf. So kann es sein, dass drei Kandidaten einer Liste am Ende mehr Stimmen haben, als einer allein. Auch in Tiefenbronn gab es einen solchen Fall. Matthias Ebner, alleiniger Kandidat der Tierschutzpartei, hat mit 1188 weitaus mehr Stimmen eingefangen als zwei der freien Wähler (jeweils rund 700). Letztlich sind es aber diese beiden, die künftig im Tiefenbronner Gemeinderat sitzen. „Dieses Zählverfahren ist doch ungerecht – und die Bürger verstehen es nicht“, sagt der 55-jährige Stöhr. „Ständig werde ich gefragt, warum ich nicht ins Gremium gewählt wurde.“

Die Knittlinger bescherten ihm 1381 Stimmen, weil er aber keine weiteren Listenkandidaten hat, bleibt ihm ein Einzug ins Gremium aber verwehrt. Auf die Frage, warum er sich nicht den schon bestehenden Listen angeschlossen hat, um mehr Chancen zu haben, behauptet er, dass diese ihn nicht haben wollten. „Die dachten sich schon, dass ich viele Stimmen bekomme“, so Stöhr. „Um zu verhindern, dass ich jemand anderem den Platz wegnehme, haben sie mich erst gar nicht zugelassen.“

Mehr lesen Sie am Freitag, 13. Juni 2019, in der „Pforzheimer Zeitung (Ausgabe Mühlacker)“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.