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Auf dem Stuttgarter Weindorf fließt der Trollinger vom Fass. Bundesweit vermarktet er sich besonders gut als Trollinger Rosé in der 0,7er-Flasche. Foto: dpa-Archiv
Auf dem Stuttgarter Weindorf fließt der Trollinger vom Fass. Bundesweit vermarktet er sich besonders gut als Trollinger Rosé in der 0,7er-Flasche. Foto: dpa-Archiv
07.11.2017

Der Trollinger hat noch Freunde

Enzkreis/Vaihingen. Böse Zungen behaupten, dem Trollinger sei keine allzu große Zukunft mehr beschieden. Ein Hintergrundartikel im „Handelsblatt“ mit der provozierenden Fragestellung „Tschüss, Trollinger“ attestierte dem „schwäbischen Zechwein“ ein sinkendes Interesse bei den weinseligen Konsumenten. Doch aufgepasst: Den Trollinger abzuhaken, wäre gänzlich verfrüht. Und zwar nicht deshalb, weil Württembergs Weinbaupräsident Hermann Hohl meint: „Der Trollinger ist für uns wie Muttermilch.“ Vielmehr unterstreicht eine Umfrage unter Produzenten im württembergischen Anbaugebiet, dass mit der ursprünglich aus Tirol stammenden Traube auch künftig gerechnet werden darf.

Weinbauer Christian Häussermann aus Diefenbach sieht den Trollinger in einer Art Generationenkonflikt. Jüngere Menschen suchten sich gerne ihren eigenen Geschmack und griffen nicht zwangsläufig auf das zurück, was der Vätergeneration zuvor gemundet habe. Gleichwohl könne der Trollinger einige wichtige Argumente vorweisen: Hierzu zähle das Alleinstellungsmerkmal im württembergischen Anbaugebiet ebenso wie seine unverzichtbare Zweisamkeit im Mischprodukt Trollinger-Lemberger. Tatsächlich greifen Weinzähne nicht nur zum reinen Trollinger, sondern gerne auch zum Trollinger-Lemberger. Anhänger der sogenannten TL-Fraktion zu sein, zählte früher zur Lebensphilosophie schwäbischer Weinlaubenkultur. Auch der Trend zu leichten, fruchtigen und im Alkoholgehalt nicht übermäßig starken Weinen stärke dem Trollinger eigentlich den Rücken, argumentiert Häussermann. Allerdings stecke man in einem Zwiespalt. Wolle man den Trollinger in seiner traditionellen Ausprägung oder ihm ein neues Profil geben? Klar könne man mehr aus ihm herausholen bis hin zu extravaganter Vollmundigkeit mit tiefergehendem Geschmacksniveau. Doch könne und wolle man sich auf diesem Pfad engagieren?

Wengerter Joachim Fischer aus Gündelbach ist sich sicher: „Der Trollinger hat Zukunft.“ Zwar nehme seine Anbaufläche auch beim Weingut Sonnenhof ab, wie anderswo auch, doch – und damit argumentiert er ähnlich wie Häussermann – reagiere man auf die geringere Nachfrage bei jüngeren Menschen. Doch davon wolle man sich nicht ins Bockshorn jagen lassen. Der Trollinger genieße als Trollinger Rosé oder Trollinger-Lemberger große Beachtung beim Publikum. Es handele sich um einen schwäbischen Klassiker, den man gerne und aus innerer Überzeugung im Sortiment habe. Und auch die heute jüngeren Menschen würden den Wein, der keine Alkoholbombe sei, womöglich als fruchtig-leichtes Sommergetränk wiederentdecken.

In der Tat, selbst Kritiker räumen ein, dass der Trollinger zum Schwabenland gehört wie Zwiebelrostbraten und Spätzle. Ein an sich guter Vergleich, denn ein Rostbraten kann es natürlich nicht mit einem Entrecote oder Filetsteak aufnehmen. Aber umgekehrt gefragt: Wer will ständig nur Premiumprodukte konsumieren? Der bundesweite Trend zu höherwertigen Weinen ist zwar eine lukullische Wohltat und reizt die neuen Winzergenerationen zu Höchstleistungen. Doch das Bekenntnis, auch künftig etwas Süffig-Leichtes zu produzieren, beruhigt die Trollinger-Freunde.

Manuel Lutz aus Oberderdingen lässt denn auch keinen Zweifel aufkommen: „Die Rebsorte Trollinger spielt in unserem Weingut eine wichtige Rolle.“ Man vermarkte den Trollinger im Ein-Liter-Segment sowohl als reinen Trollinger als auch als Trollinger-Lemberger und habe sich auch eines ertragsreduzierten und konzentrierteren Trollingers im hochwertigen Segment angenommen. Manuel Lutz verdeutlicht: „Eine Tendenz geht in Richtung leichtere Rotweine, die geschmeidig, rund und samtig sind.“ Diesen Trend könne der Trollinger hervorragend bedienen.

Rückläufige Anbauflächen

Vertriebsleiterin Stefanie Gerst vom Amthof 12 von den Weingärtnern Oberderdingen-Knittlingen bricht ebenfalls eine Lanze für den Trollinger. Es gebe Kunden, die eigens aus anderen deutschen Regionen zum Trollinger-Kauf ins Württembergische kämen, um sich einen fruchtigen Rotwein in den Weinkeller zu holen, bei dem auch ein Gläsle mehr kein Problem sei. Stefanie Gerst: „Die Trollingeranbaufläche in unserem Betrieb wird vermutlich rückläufig werden.“ Das habe damit zu tun, dass die vermarktbaren Mengen geringer würden. Allerdings bleibe der Trollinger, denn er stehe für Württemberg.

Christian Kaiser von der Lembergerland Kellerei Rosswag unterstreicht, dass der Trollinger nicht auf ein neues Level gehoben werden müsse, denn die Qualitäten seien „durchaus sehr gut“. Allerdings sollte man am etwas verstaubten Image des Trollingers arbeiten und den Konsumenten aufzeigen, was ein „richtiger“ Trollinger sein könne: sonnig und gesellig.