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Bianca Schauer, Mühlacker 
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Tobias Schumacher, Mühlacker 
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Bela Hoffmann, Illingen 
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Werner Amft, Wiernsheim 

Die AfD ist künftig in einigen Gemeinderäten vertreten – Was den Neuen wichtig ist

Mühlacker. In einigen Gemeinderäten der Region hat sich durch die Wahl viel verändert. Neue Listen zogen die Wähler an, die sich mit den etablierten Parteien offenbar nicht mehr identifizieren können. Auch die AfD gewann an Wählergunst und ist in Mühlacker, Wiernsheim, Illingen und Oberderdingen zum ersten Mal vertreten.

Bianca Schauer, die nicht nur in den Kreistag gewählt wurde, sondern zusammen mit ihrem Lebensgefährten Tobias Schumacher künftig auch in Mühlacker mitbestimmen darf, freut sich darauf, den „Wählerwillen einbringen zu können“. Umwelt- und Naturschutz seien ihr wichtig, auch wolle sie sich für Kinder und Jugendliche einsetzen, die mehr Raum im Sinne von Spielplätzen und Treffpunkten bräuchten.

„Wir sind normale Menschen“

Die 36-jährige Mutter eines Kindes ist Betriebsleiterin der Kläranlage im Mühlacker Stadtteil Großglattbach, wo sie mit Tobias Schumacher zusammen lebt. Der 38-jährige Servicetechniker war sich „ziemlich sicher“, dass es zumindest einer von ihnen in den Gemeinderat schafft. „Das haben mir die Rückmeldungen im Wahlkampf gezeigt“, so Schumacher. Er wolle die Bürger überzeugen, dass die Mitglieder der AfD „keine Schwerverbrecher sind“. Im Wahlkampf seien sie oft beschimpft worden, was ihn wütend mache. „Wir sind ganz normale Menschen aus der Mitte der Gesellschaft.“

Er möchte Mühlacker attraktiver machen, unter anderem das kulturelle Angebot erweitern. Besonders wichtig sei ihm aber die Sanierung der Schulen und Kindergärten. „Ich weiß von einem Lehrer, dass die sanitären Anlagen an seiner Schule in sehr schlechtem Zustand sind – dies zu ändern hat für mich oberste Priorität.“ Auf die Frage, warum sie sich für diese Themen nun ausgerechnet die AfD, die durch rechtspopulistische Aussagen einiger Anhänger ja immer wieder Schlagzeilen macht, ausgesucht haben, antwortet Bianca Schauer: „Ich stimme zu 80 Prozent mit den Themen der AfD überein. Es war die Partei, die mich mit ihren Inhalten am ehesten überzeugt hat – und daher war es eine bewusste und zielgerichtete Entscheidung.“ Zu der Frage, welche Themen die 20 Prozent ausmachen, die ihr nicht zusagen, wollte sie keinen Kommentar abgeben.

Will man über Google etwas über den neuen Wiernsheimer Gemeinderat Werner Amft erfahren, stößt man unter anderem auf die Website eines augenscheinlich rechten Magazins, das damit wirbt „Mut zur Wahrheit“ zu haben. Dort hat ein User namens Gorilla unter einem Artikel mit der Schlagzeile „Aggressive Religion: Kopftuchtagung nur unter Polizeischutz“ folgende Zeilen hinterlassen: „Jetzt hilft nur noch AfD zum 26.5.2019. Ihr Kandidat Werner Amft für den Gemeinderat Wiernsheim/Enzkreis und für den Kreistag/Enzkreis.“ Es folgt der Zusatz: „Es lebe unser Vaterland Deutschland. Jagt die Verbrecherbanden aus Deutschland.“

Auf Nachfrage bestätigt Werner Amft gegenüber der PZ zwar nicht, diesen Kommentar selbst verfasst zu haben, sagt aber entschieden: „Das trifft genau meine Meinung.“ Er stellt klar, dass er damit albanische und irakische Verbrecherbanden meint, die in den Großstädten ihr Unwesen treiben. „Grundsätzlich begrüße ich jeden politischen Flüchtling“, sagt der 73-Jährige. „Aber was die wirtschaftspolitischen Flüchtlinge angeht, habe ich so meine Bedenken.“ Die Kapazitäten seien nicht darauf ausgelegt, Millionen von Menschen aufzunehmen. Die Asylbewerber in Wiernsheim seien leicht zu integrieren, denn „hier funktioniert die Gesellschaft noch mit ihren Vereinen und hilfsbereiten Bürgern“.

Als Gemeinderat in Wiernsheim wolle er sich vor allem dafür einsetzen, dass die Gemeinde keine Steuern mehr erhöht. Außerdem sei ihm Transparenz und die Einbindung der Bürger wichtig.

Der neue AfD-Gemeinderat in Illingen, Bela Hoffmann, sieht Dringlichkeit in der Schulsanierung und der Straßenpflege. Außerdem will der 44-Jährige etwas gegen „die Saufgelage von Jugendlichen in der Talaue“ unternehmen. „Diesbezüglich sind viele Bürger auf mich zugekommen“, sagt der Vater zweier Kinder. Die Flüchtlingsproblematik liege nicht in den Händen der Kommunalpolitik. „Wir müssen dafür sorgen, dass das Zusammenleben mit den Flüchtlingen in Illingen funktioniert. Ob sie bleiben dürfen oder wieder gehen müssen, entscheiden Land und Bund“, so Hoffmann.

Udo Walter aus Flehingen hat durch die Wahl einen Sitz im Oberderdinger Gemeinderat erhalten. Der 54-Jährige ist Gründungsmitglied und zweiter Sprecher des AfD-Ortsverbands Bretten. Auch für ihn hat die Flüchtlingsproblematik offenbar nicht oberste Priorität, seine Themen für die Zukunft seien die Innenstadtbelebung, die Reduzierung des Flächenverbrauchs und die Schaffung neuer Arbeitsplätze.