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Manfred Rapp auf einer der Mauern der Enzberger Villa Rustica. In seinen Händen hält Rapp bereits von den Römern angebauten Getreidesorten.
Manfred Rapp auf einer der Mauern der Enzberger Villa Rustica. In seinen Händen hält Rapp bereits von den Römern angebauten Getreidesorten. © Lutz
30.09.2011

Ein Senderstädter Retter römischer Ruinen

MÜHLACKER-ENZBERG. Manfred Rapp kennt die Villa Rustica bei Enzberg wie seine Westentasche. Trotz ausführlicher Grabungen birgt das Areal jedoch noch viele Geheimnisse.

Los geht es zunächst einmal dort, wo man gar nichts mehr sieht. Direkt neben der Brücke, über die heute die B10 von Mühlacker nach Enzberg führt, steht Manfred Rapp und zeigt auf die Straßenböschung. „Direkt hier, wo alles mit Gras und Büschen überwuchert ist, stand einst das Badehaus der Enzberger Villa Rustica“, erklärt der Hobby-Historiker. Ein Bauer sei Anfang des 20. Jahrhunderts beim Pflügen immer wieder auf Steine und antike Scherben gestoßen. „So hat man zufällig entdeckt, was für einen historischen Schatz wir hier haben“, sagt Rapp. Dabei ist die Enzberger Villa bei Weitem nicht der einzige Fund römischer Überreste in der Region. „Gutshöfe findet man hier im Westen Süddeutschlands relativ häufig. Aber die schiere Größe des Anwesens und die Lage direkt zwischen Mühlacker und Pforzheim, die in der damaligen Zeit wichtige Siedlungen der Römer waren, lassen auf einen enormen Reichtum des Besitzers der Enzberger Villa schließen“, erklärt der 56-Jährige.

Auch aus diesem Grund habe sich im Jahr 1999 der Historisch-Archäologische Verein Mühlacker (HAV) gegründet, um die Überbauung der von 1998 bis ins Jahr 2000 freigelegten Ruinen zu verhindern. „Damals ist es uns Dank der Unterstützung der Bevölkerung gelungen, die Überreste des Hauptgebäudes und eines Nebenbaus zu sichern und das Gelände für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, sagt Rapp, der immer wieder Führungen rund um die Villa Rustica anbietet. Die Ruine des imposanten Badehauses habe man jedoch bereits nach der ersten Grabung im Jahr 1912 wieder zugeschüttet. Damals gab es kein Interesse, die Mauerreste zu erhalten - und heutzutage fehlt das Geld für erneute Grabungen.

Die meisten Erkenntnisse über die Villa und ihre Besitzer zog man jedoch sowieso aus den Grabungen am Hauptgebäude. Allzu vieles ist über die Gebäude und seine Bewohner jedoch nicht bekannt, da das Areal zwischen 230 und 250 nach Christus verlassen wurde und die Hausherren den meisten Hausrat mitnahmen. In der Folgezeit zerfiel die Anlage und wurde um alles erleichtert, was die einfallenden Germanenstämme brauchen konnten. So ist noch nicht einmal bekannt, wer der offensichtlich wohlhabende Gutsherr war, noch, von wie vielen Personen die Anlage bewohnt wurde.

„Meist gehörten die Gutshöfe ehemaligen Legionären, die aus dem Militärdienst entlassen wurden oder sie waren der Sitz wichtiger Würdenträger. Die Enzberger Villa gehörte aber aufgrund ihrer Lage und Ausstattung vermutlich einem einflussreichen Verwaltungsmitglied“, erklärt Rapp. Im Schnitt lebten wohl 20 bis 30 Personen auf einem solchen Gutshof, die die Felder bestellten, Werkzeuge herstellten, Gebäude bauten und etwas Handel betrieben.

Manfred Rapp, der hauptberuflich ein Geschäft für Naturkost betreibt, ist besonders daran interessiert, wie sich die Menschen damals ernährten. „Die Römer, die sich auf derartigen Anlagen niederließen, lebten allem voran vom Getreideanbau“, sagt Rapp, der sich intensiv mit dem Alltag der Menschen um das Jahr 200 nach Christus befasst hat.

„Ab und an veranstalten wir Feste auf dem Gelände der Villa Rustica und bieten Speisen an, die wir nach überlieferten Originalrezepten zubereiten.“ Besonders beliebt sei beispielsweise eine Paste aus Schafskäse, die Rapp von Zeit zu Zeit auch in seinem Laden anbiete. „Auch die Vielfalt an Getreide, die damals von den Menschen angebaut wurde, ist enorm“, erklärt Rapp.

Dabei sei es jedoch mitnichten so gewesen, dass sich die Römer im Bezug auf das Essen wesentlich genügsamer gezeigt hätten als die Menschen heutzutage: „Aus alten Chroniken ist beispielsweise ein Streitgespräch überliefert, ob es besser sei, sich mit Brot aus Vollkorn- oder aus Weißmehl zu ernähren“, sagt Rapp und lacht. „Derartige Gespräche gibt es also schon seit 1 800 Jahren.“ Maximilian Lutz