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Weingärtner Frank Jaggy und seine Tanten Hanna Fischer (links) und Rosemarie Zonsius vor dem Schönenberger Henri-Arnaud-Haus. Die Oma der beiden Damen, Christiane Friedericke Walter, war die Schwester des letzten Besitzer des Hauses vor dem Verkauf an die Deutsche Waldenservereinigung, Georg Gottlob Bellon. Foto: Prokoph
Weingärtner Frank Jaggy und seine Tanten Hanna Fischer (links) und Rosemarie Zonsius vor dem Schönenberger Henri-Arnaud-Haus. Die Oma der beiden Damen, Christiane Friedericke Walter, war die Schwester des letzten Besitzer des Hauses vor dem Verkauf an die Deutsche Waldenservereinigung, Georg Gottlob Bellon. Foto: Prokoph
01.11.2018

Eine Familie und die Waldenser: Geschichte der Glaubensflüchtlinge gehört zum Erbe der Jaggys

Ötisheim. „Lux lucet in Tenebris“ – Das Licht leuchtet in der Finsternis. Das ist und war die Überzeugung der Waldenser, die sich im Jahr 1699 in unserer Gegend in Dürrmenz, Serres, Pinache, Klein- und Großvillars sowie in Ötisheim ansiedelten. Davon erzählt auch das Schönenberger Henri-Arnaud-Haus, das von Waldenserpfarrer Henri Arnaud im Jahr 1702 gebaut wurde. Er führte die aus dem Piemont vertriebenen Glaubensflüchtlinge 1699 nach Dürrmenz.

Die Deutsche Waldenservereinigung hat das Pfarrhaus im Jahr 1936 erworben und nutzt es als Sitz des Vereins mit Waldensermuseum, Bibliothek, Archiv und Veranstaltungsraum. Dort trifft sich heute die ganze Welt, wenn es darum geht, die Waldenser und ihr Erbe zu erhalten und bei Veranstaltungen zu dokumentieren und nach außen zu tragen, wie zuletzt bei der Fachtagung „Wandern auf Waldenser- und Hugenottenwegen“, die der wissenschaftliche Mitarbeiter Albert de Lange am 5. und 6. Oktober in der Henri-Arnaud-Kirche und dem gleichnamigen Haus abhielt.

Unter den Gästen weilten auch die beiden Schwestern Hanna Fischer (Jahrgang 1928) und Rosemarie Zonsius (82). Ihre Großmutter Christiane Friedericke Walter, geborene Bellon (1869 bis 1932), wurde sogar im Henri-Arnaud-Haus geboren und lebte dort mit ihrem Bruder Georg Gottlob Bellon, also dem Großonkel der beiden Damen. Leider haben die beiden die Oma nicht mehr persönlich kennengelernt.

Der Vater der Schwestern, die auf dem Ötisheimer Haldenhof aufwuchsen, ist Adolf Jaggy – der Opa von Winzer Frank Jaggy, der heute in Schönenberg sein bekanntes Weingut betreibt. Als das Henri-Arnaud-Haus 1936 verkauft wurde, war auch ein kleiner Weinberg mit rund fünf Ar auf dem Sauberg dabei. „Das ist die Keimzelle unseres Weingutes mit Weinstube“, sagt Frank Jaggy, der vier Brüder hat. Einer davon, Ulrich Jaggy, bewirtschaftet heute den Ötisheimer Haldenhof. „Wir tragen das Waldenser- und Hugenottenblut in uns“, sagt Rosemarie Zonsius, die in Bretten lebt. Hanna Fischer wohnt in Vaihingen.

„Als ich jeweils zum ersten Mal in der Heimat meiner Ahnen war, in der Schweiz im Wallis, in Italien im Piemont, in Frankreich in Queyras und in Luberon, war das für mich ein Gefühl, das man kaum in Worte fassen kann“, erinnert sich Rosemarie Zonsius. Die rüstigen Rentnerinnen lassen sich möglichst keine Veranstaltung im Henri-Arnaud-Haus entgehen und Rosemarie Zonsius macht dort sogar dreimal im Jahr Aufsicht. Denn die Schwestern und Frank Jaggy sind alle Mitglied der Deutschen Waldenservereinigung. Und manchmal, wenn Frank Jaggy am Henri-Arnaud-Haus vorbeikommt, erinnert ihn das schöne Anwesen daran, dass dort einst seine Vorfahren gewohnt haben. Darauf sind auch seine beiden Tanten noch heute stolz.