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© Schierling
04.02.2016

Enzkreis will Flüchtlinge am Mühlacker Bahnhof und in Enzberg unterbringen

Der ehemalige Badische Bahnhof in Mühlacker hat schon einiges gesehen: In den 1990er Jahren diente er als Übergangswohnheim, in dem vor allem Spätaussiedler untergebracht waren. Danach stand er eine Weile leer, ehe das Jugendhaus Pro Zwo dort einzog. Die Jugendeinrichtung musste das alte Domizil im Wertle verlassen, weil es für die Gartenschau abgerissen wurde; inzwischen hat das Pro Zwo das neue Gebäude auf dem Gartenschaugelände bezogen.

Der Badische Bahnhof wird seither ertüchtigt und zum Teil umgebaut. Voraussichtlich in der nächsten Woche wird er wieder zur ersten Heimat für Menschen, die in den Enzkreis kommen. Zunächst 20 Flüchtlinge wird der Enzkreis dort unterbringen. Bis zu 52 weitere sollen im Lauf des Frühjahrs dazukommen; der genaue Zeitpunkt hängt vom Baufortschritt ab.

Auch im Stadtteil Enzberg entsteht eine Unterkunft für Flüchtlinge: In der Hauffstraße baut der Eigentümer das ehemalige Fitness-Studio zu einem Mehrfamilienhaus um. Danach wird es der Enzkreis für die vorläufige Unterbringung anmieten. Bis zu 50 Menschen können dort dann eine Bleibe finden, wie das Landratsamt mitteilt. Außerdem hat die Stadt dem Enzkreis zwei weitere Wohnungen im Sperber-/Falkenweg angeboten. Und schließlich prüft die Kreisverwaltung, ob im Personalwohnheim am Krankenhaus weitere Flüchtlinge untergebracht werden können.

Aus welchen Ländern die Menschen kommen werden und ob es sich um Einzelpersonen oder Familien handelt, weiß man noch nicht, aber: „Derzeit sind es fast ausschließlich Familien, die uns zugewiesen werden“, sagt Andreas Kraus, Leiter des Amts für Migration und Flüchtlinge. Die meisten kämen aus Syrien, dem Irak und aus Afghanistan. „Die genauen Angaben erhalten wir selbst erst zwei Tage, bevor die die Menschen im Bus sitzen, der sie zu uns bringt“, so Kraus.

Sowohl im Landratsamt als auch bei der Stadtverwaltung ist man froh, dass die neuen Standorte den gängigen Standards entsprechen, also keine Notunterkünfte sind. Als solche zählen beispielsweise die Kerschensteiner-Sporthalle oder die Zelte in Maulbronn. „Im früheren Übergangswohnheim stehen jedem Flüchtling 4,5 Quadratmeter zum Wohnen und Schlafen zur Verfügung“, erläutert Erster Landesbeamter Wolfgang Herz. In den Gemeinschaftsküchen haben die Menschen die notwendige Ausstattung, um sich selbst zu versorgen.

Derzeit leben in Mühlacker mehr als 400 Flüchtlinge. Oberbürgermeister Frank Schneider lobt den Einsatz der Ehrenamtlichen und freut sich, dass auch die Schulen und Kindergärten mitziehen: „Es ist wichtig, dass die Flüchtlingskinder möglichst schnell Deutsch lernen, denn Sprache ist der Schlüssel für alles andere“, betont das Stadtoberhaupt.