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Seit Generationen im Gemeinderat vertreten: Marie-Sophie, Ruth und Anne-Ruth Schlegel (von links). Foto: Cichecki
Seit Generationen im Gemeinderat vertreten: Marie-Sophie, Ruth und Anne-Ruth Schlegel (von links). Foto: Cichecki
Wollen gemeinsam gestalten: Johannes (links) und Günter Bächle. Foto: Lutz
Wollen gemeinsam gestalten: Johannes (links) und Günter Bächle. Foto: Lutz
03.05.2019

Familienbande im Mühlacker Gemeinderat: Hier wird über Generationen hinweg Politik gemacht

Mühlacker. In der Senderstadt wird teils über Generationen hinweg Politik gemacht. Dabei kann der Nachwuchs von der Erfahrung profitieren – schärft aber gleichzeitig auch das eigene Profil.

Günter Bächle ist nicht arm an politischen Meilensteinen, aber bald könnte ihm eine Wegmarke streitig gemacht werden – ausgerechnet von seinem Sohn Johannes.

Als Günter Bächle 1975 in den Mühlacker Gemeinderat einzog, war er 24 Jahre alt, Sohn Johannes könnte bei der Kommunalwahl am 26. Mai der Einzug mit bereits 20 Jahren gelingen. „Ich würde ihm das natürlich gönnen“, sagt der 68-Jährige und lächelt. Die Vorstellung, künftig gemeinsam mit seinem Sohn für die CDU in der Gemeinderatsfraktion tätig zu sein, gefällt ihm sichtlich.

Was in Mühlacker aufgrund der Einwohnerzahl bereits seit langer Zeit möglich ist, kann seit einer Gesetzesänderung bei der kommenden Wahl auch in kleineren Kommunen Wirklichkeit werden: Familienmitglieder, die gemeinsam im Gemeinderat Politik machen.

Möglich wäre dies auch bei Anne-Ruth und Marie-Sophie Schlegel gewesen. Doch die Tochter rückte nach, als Mutter Anne-Ruth 2017 aus dem Gemeinderat ausschied – nun wollen jedoch beide wieder politisch aktiv sein: Anne-Ruth im Kreistag, Marie-Sophie im Gemeinderat. Als die PZ zum Interview vorbeikommt, sitzen drei Generationen bei einer Tasse Kaffee am Tisch und unterhalten sich über lokalpolitische Themen. Im Haus der Schlegel-Frauen in Lomersheim geschieht dies beinahe täglich. Enkelin Marie-Sophie Schlegel (30) kann sich als SPD-Stadträtin in Mühlacker bei solchen Gesprächen oft Tipps von ihrer erfahrenen Großmutter Ruth (89) oder ihrer Mutter Anne-Ruth (63) holen. Auch sie waren beide lange Zeit SPD-Stadträtinnen in Mühlacker und wissen vieles über die Vergangenheit der Stadt und über die Themen, die in den vergangenen Jahrzehnten innerhalb des Gremiums diskutiert und entschieden wurden. Oma Ruth erinnert sich gerne an ihre Zeit als Ratsmitglied zurück: „Früher haben die Frauen noch mehr zusammengehalten. Regelmäßig haben wir uns auch parteiübergreifend in unserer Freizeit getroffen und ausgetauscht.“ Sonst habe sich seither nicht viel verändert. Nach wie vor dauere es bei bestimmten Themen eine gefühlte Ewigkeit, bis Beschlüsse gefasst werden könnten. „Das war wohl schon immer so“, sagt die 63-jährige Anne-Ruth.

Ein Thema, das auch Günter und Johannes Bächle umtreibt: „Die Dinge sollten zügiger abgearbeitet werden“, sagt Johannes Bächle und nennt als Beispiele die Schulsanierung im Lindach, die Schaffung neuen Wohnraums, einen besseren ÖPNV sowie ein Vorankommen in der Debatte um neue Gewerbeflächen. „Und die Neugestaltung der Ziegelei“, wirft Vater Günter ein, „darf keinesfalls vergessen werden“.

Letztlich sei man als Stadtrat ein Vertreter der Bürger, kümmere sich auch um Kleinigkeiten. Dies ist sowohl Familie Bächle wie auch Familie Schlegel wichtig. Johannes Bächle und Marie-Sophie Schlegel können hier viel lernen – und von der Popularität beider Familien profitieren. „Trotzdem ist es wichtig, sich ein eigenes Profil zu verschaffen und eigene Schwerpunkte zu setzen“, betont Johannes Bächle.

Es zähle die Persönlichkeit, nicht nur der Name.

Mehr lesen Sie am Samstag, 4. Mai 2019, in der „Pforzheimer Zeitung (Ausgabe Mühlacker)“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.