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Wolfgang Hager und Margret Schmid-Hager zeigen bei der „OpenArt“ Werke aus dem langen Künstlerleben ihres Vaters Wilhelm Hager. Fotos: Prommer
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Die experimentierfreudige Andrea Reichert-Mohr schwelgt in ihren bunten Farben.

Farben und Formen für jeden Geschmack bei der vierten „Illinger OpenArt“

Illingen. Ateliers, Galerien und Werkstätten aus nächster Nähe: Künstlerinnen und Künstler öffneten am Wochenende ihre Türen für über tausend interessierte Besucher und Kunstliebhaber. Nicht weniger als neun Anlaufstellen und ihre gastgebenden Teams nahmen am diesjährigen kollektiven Tagen der offenen Tür – an der vierten „Illinger OpenArt“ – teil.

Die Kunstinteressierten aus nah und fern konnten ihre Route zu den Illinger Ateliers nach individueller Präferenz wählen, ein kleiner Lageplan und die bunten, gut sichtbar postierten Plakate der „OpenArt“ halfen bei der raschen Orientierung im Ort. Die Bandbreite reichte von den afrikanischen Musikinstrumenten und Klangobjekten des Trommelbaumeisters Ronald Palesch über die mit Naturfarben kreierten Gemälde Annette Wiesners bis zu den großformatigen Aquarellen Regina Allgeiers oder den aus Stahl und Holz recycelten Skulpturen von Eugen Schütz „KWAKU“. Thomas Knodel zählt zu den in verschiedenen Sparten aktiven Illinger Künstlern: Gemeinsam mit seiner Gattin Rotraut Knodel gab er am Sonntag in seinem Wohnzimmer-Atelier ein kleines Konzert mit Liedern zur Gitarre. Der Antrieb für Andrea Christina Paleschs künstlerisches Arbeiten ist die Wirkung von Farben auf Körper und Seele – und Andrea Holler-Liebhaber demonstrierte eindrucksvoll und findig, dass selbst der Verlust der gewohnten Ateliersumgebung das Schaffen einer kreativen Persönlichkeit nicht zu stoppen vermag. Experimentierfreudig schwelgt Andrea Reichert-Mohr in Farben und Materialien. Am Wochenende der offenen Ateliers zeigte sie optimistisch farbenfrohe Arbeiten und Collagen, die sie mit Acryl, Asche, Erde, Graphit, Kreide, Pigmenten und Wachs gestaltet hat. Sie verriet: „Bei mir läuft’s immer dann besonders gut, wenn ich die eigenen Erwartungen zügle, dann tanzt der Pinsel. Und unter Druck klappt manchmal gar nichts.“ Zu den 10 bis 30 Bildern, die so jährlich entstehen, sagte sie noch: „Bunt find ich klasse. Das ist Frühling, Knospen, helles Grün.“ Und sie strahlt: „Ich glaube, mein Leben ist auch bunt.“

Den ganz besonderen Reiz der Illinger „OpenArt“ beschrieb Margret Schmid-Hager: „Jeder Künstler, jedes Atelier hat längst eigene Fans. Daher gelangen an den Tagen der offenen Ateliers sowohl Bekannte, aber auch Gäste, die noch nicht überall oder noch nie da waren, zu für sie neuen Künstlern.“ Sie machte auch deutlich: „Die Künstler hier haben sich vorher meist gar nicht gekannt. Daraus sind inzwischen auch echte Freundschaften entstanden.“ Ihr ältester Bruder, Wolfgang Hager, ergänzt mit Blick auf die von den Geschwistern mit dem Nachlass des Vaters Wilhelm Hager (1921– 2006) geführte Galerie Wilhelm Hager: „Es gibt Familien, die bereits in der dritten Generation bei uns kaufen. Und Stuttgart war schon zu Lebzeiten unseres Vaters ein wichtiger Einzugsbereich.“

Immer neue Schwerpunkte

Aufgrund der Fülle an Arbeiten aus dem langen Künstlerleben Wilhelm Hagers kann das ganzjährig geöffnete Galerie-Museum an der Mozartstraße immer wieder neue Schwerpunkte für die Ausstellungen setzen: Bei der aktuellen „OpenArt“ standen die Arbeiten auf Papier im Mittelpunkt; dennoch waren auch unterschiedlich gestaltete Gemälde aus allen Schaffensphasen sowie Skulpturen aus Stein und Bronze zu sehen – Wilhelm Hager hat beispielsweise Büsten der Literaten Hermann Hesse und Thomas Mann geschaffen. Auch der auf einem 4,80 Meter hohen Mast im Innenhof der Mörike-Realschule in Mühlacker platzierte „Ikarus“ zählt zu den Werken Wilhelm Hagers.