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Seit einem Vierteljahrhundert Chef im Maulbronner Rathaus: Andreas Felchle. Foto: Lutz
Seit einem Vierteljahrhundert Chef im Maulbronner Rathaus: Andreas Felchle. Foto: Lutz © Lutz
01.08.2017

Felchle im PZ-Interview: „Ich will hier nicht mehr weg“

Wie doch die Zeit vergeht: 25 Jahre ist es bereits her, seit Andreas Felchle den Chefsessel im Maulbronner Rathaus erobert hat. Im PZ-Interview blickt er auf seine bisherige Amtszeit zurück.

PZ: Herr Felchle, als Sie vor 25 Jahren nach Maulbronn kamen, hätten Sie sich damals träumen lassen, ein Vierteljahrhundert später noch immer hier zu sein?

Andreas Felchle: Definitiv nein. Im Wahlkampf ist das auch durchaus Thema gewesen: Ob so ein junger CDU-Mann das Städtle Maulbronn wohl nicht nur als Sprungbrett sieht und gleich weiterhüpft. Dabei habe ich damals schon versprochen, dass ich hier nicht nur auf der Durchreise bin. Trotzdem: Bereits am Anfang anzunehmen, hier 25 Jahre tätig zu sein, wäre vermessen gewesen.

PZ: Bürgermeister, vor allem jene, die etwas können, zieht es ja hin und wieder auch in größere Städte. Weshalb sind Sie dieser Versuchung nie erlegen?

Es gab tatsächlich eine Weile solche Überlegungen, es gab auch Angebote. Aber so klein Maulbronn auch ist, so ist es doch etwas ganz Besonderes. Natürlich alleine schon im Hinblick auf das Kloster als Ausgangspunkt aller städtischer Entwicklung. Das ist auch einer der Gründe, weshalb man hier sehr viel Kulturpolitik machen kann, was mir sehr gefällt. Und obendrein habe ich im Laufe der Jahre festgestellt: Ich will hier nicht nur beruflich nicht mehr weg – sondern auch privat.

PZ: Als die Pforzheimer OB-Wahl in diesem Jahr anstand, präsentierte die CDU einen Überraschungskandidaten, der tatsächlich die Wahl gewann. Wäre OB-Kandidat in Pforzheim etwas für Sie gewesen?

Nein. Schon deswegen nicht, weil ich mit 55 inzwischen zu alt bin. In eine Großstadt hätte es mich, wenn ich jemals wirklich hätte weggehen wollen aus Maulbronn, wohl ohnehin nicht gezogen, sondern eher in ein Mittelzentrum. Das praktische, auch pragmatische Herangehen an Dinge liegt mir eher als das reine politische Taktieren. Obwohl ich auch sagen muss, wenn ich mich so umsehe, wer da alles Oberbürgermeister in Mittel- und auch Großstädten ist: Der Allerblödeste wäre ich da mit Sicherheit nicht.

PZ: Sie haben es bereits angedeutet: Maulbronn mit seiner Sonderkonstellation mit dem Kloster ist sicherlich etwas Besonderes. Wie prägte und prägt das Welterbe Ihre Arbeit?

Das Kloster ist ein unheimliches Pfund für Maulbronn. Und es ist die Stadtmitte und muss als solche auch wahrgenommen werden. In diesem Sinne habe ich mich dafür eingesetzt, hier einen Weihnachtsmarkt zu etablieren, einen Wochenmarkt, ein paar Läden. Trotzdem ist die Klosteranlage bei einigen Bürgern nicht im Fokus. Da wird aus meiner Sicht nicht begriffen, welchen Schatz wir hier haben. Dabei ist das Kloster elementar für die Maulbronner Identität. Und für mich persönlich auch insofern wichtig, als es mich noch einmal ganz anders über das Thema Kirche nachdenken ließ und meinen christlichen Glauben stark beeinflusst hat.

PZ: Als Sie ankamen in Maulbronn, waren Ihnen einige Leute, vor allem aus Zaisersweiher, nicht wohlgesonnen. Bei der ersten Wiederwahl haben Sie dort dann annähernd 100 Prozent der Stimmen bekommen. Inzwischen scheint die Stimmung an manchen Tagen wieder ein wenig zu kippen. Der Ausbau des Füllmenbacherhofwegs und jener der Eichbuschstraße sorgt dort für Ärger. Auch in der Kernstadt war die aus Sicht der Teilnehmer unglückliche Präsentation der Ergebnisse zur Stadtentwicklung ein Thema.

PZ: Im Falle von Zaisersweiher ist es so, dass man 1992 dachte, ich sei ein Maulbronner Kandidat – und man hat Ressentiments, die noch aus der Phase der Eingemeindung stammen, an meiner Person festgemacht. Man hat mir auch unterstellt, ein typischer Parteipolitiker zu sein. Dieses Bild konnte aber schnell geradegerückt werden. Was half, war die Ortskernsanierung und die Teilumfahrung – aber auch, dass die Leute gemerkt haben, wie ich wirklich bin. Trotzdem gibt es immer wieder Phasen, in denen man es nicht allen rechtmachen kann und kritische Stimmen aufkommen. Vieles wird dann eben am Bürgermeister festgemacht, auch wenn der oft gar nichts dafür kann.

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