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Mühlehof Zahlen © Lutz
03.06.2011

Feuerwache als alternativer Kulturstandort zum Mühlehof

MÜHLACKER. Was der Koloss Mühlacker kosten könnte – ob im Fall eines Abrisses samt Neubau einer Kulturhalle als Ersatz für die dann verlorenen Veranstaltungsräume, im Fall einer Generalsanierung oder im Fall eines Einfrierens des derzeitigen Zustands –, das hat die Verwaltung jetzt öffentlich gemacht. Am Dienstag soll der Gemeinderat erste Weichen stellen.

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Für eine baldige Bürgerversammlung zum Mühlehof, für ein Verwaltungskonzept als Diskussionsgrundlage über die Zukunft der Kultur und der Handelsentwicklung in der Innenstadt und für einen klaren Zeitplan, was wann gemacht wird.

Das Ziel der Verwaltung: Welche Lösung am Ende auch realisiert wird – bis zum Weihnachtsgeschäft 2014 und damit rechtzeitig vor dem Start der kleinen Gartenschau 2015 soll alles fertig sein.

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Was passiert, wenn der Mühlehof so weiterbetrieben wird wie bisher? Die Gutachter vom Büro Drees und Sommer halten das für einen Zeitraum von bis zu vier Jahren für möglich. Im ersten Jahr müsste die Stadt für nötige Reparaturen und Verschönerungen rund 145 000 Euro ausgeben, in den drei folgenden jährlich 107 000 Euro. Das würde aber voraussetzen, dass weder im Kulturbereich noch im weitgehend verwaisten gewerblichen Teil größere Veränderungen vorgenommen werden, sonst folgt der nächste Schritt sofort – und wird teuer. In der Stadt wäre durch diese Variante eben nicht mehr Leben.

Wie viel kostet es, den Mühlehof so zu sanieren, dass für Kultur, Gewerbe oder soziale Einrichtungen neue Chancen entstehen? Die Gutachter setzen für eine Generalsanierung des Mühlehofs inklusive der veralteten Technik und inklusive der Tiefgarage knapp 30 Millionen Euro an. Weil das ganze auf Schätzungen basiert, spricht das Büro Drees und Sommer von möglichen Abweichungen um rund drei Millionen Euro nach oben oder nach unten. Der Studie nach wird eine derart aufwändige Sanierung spätestens in fünf Jahren ohnehin notwendig. Und auch jeder größere Eingriff in den heutigen Zustand, sei es, um die noch immer beliebten Kultursäle fit für die Zukunft und für noch mehr Auslastung zu machen, oder sei es, um im gewerblichen Teil mit Jugendräumen oder anderen neuen Ideen für Leben zu sorgen, hätte die große Sanierung zur Voraussetzung.

Wie viel kostet es, den Mühlehof abzureißen und was passiert dann? Im zweiten Teil des Gutachtens tauchen die Abrisskosten eher beiläufig auf: rund 1,2 Millionen Euro werden dafür geschätzt – unter der Voraussetzung, dass die Tiefgarage erhalten wird, die die Gutachter für sehr wohl zukunftsfähig halten. Doch ein Abriss zöge eine ganze Kette von weiteren Projekten nach sich. Die Kultur bräuchte eine neue Heimat und für das Areal selbst müsste auch eine Lösung her.

Angenommen der Abriss kommt, wo gibt es dann künftig Konzerte und Theater? Die Stadt hat die Gutachter bereits mögliche Standorte für eine neue Kulturhalle untersuchen lassen. Kosten würde eine solche Halle demnach rund 7,2 Millionen Euro. Dazu kämen je nach Standort weitere Kosten. Zum Beispiel am Lieblingsstandort der Gutachter: Dort müsste nämlich die heutige Feuerwache der Kultur weichen – und andernorts neu gebaut werden. Dafür könnte man die Kulturhalle dort zu einem optischen Aushängeschild machen – und gleichzeitig den Mühlehofstandort für den Handel nutzen. Gleiches gälte für die zweite Wahl der Gutachter am Lienzinger Tor, wo der Neubau zudem den Bahnhofsbereich aufwerten könnte. Schlechter beurteilen sie die Standorte anstelle des heutigen Mühlehofs (zu wenig Belebung) und Alte Ziegelei (besser für Gewerbe geeignet), am schlechtesten das Käppele.

Was passiert mit dem Gewerbe? Im heutigen Mühlehof sehen die Gutachter keine Chance – schon aus Kostengründen. Oberbürgermeister Frank Schneider hat immer wieder von interessierten Investoren berichtet, denen es aber nur um den Standort und nicht um das Gebäude gehe. Damit würde erst der Abriss neue Türen für den Handel öffnen. Und das wiederum brächte der Stadt die Chance auf Geld in der Kasse.