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Die Flippers mit Nadine © Lutz
30.10.2010

Flippers gehen nach über 40 Jahren auf Abschiedstournee - und überall sind die Hallen ausverkauft

Gibt es etwas, was Fans über „Die Flippers“ noch nicht wissen? Nach über 40 Jahren auf der Bühne, unzähligen Auszeichnungen und Tausenden Auftritten haben sich die Musiker entschlossen, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, Adieu zu sagen. Nachdenklich, aber auch voller Vorfreude auf ihre anstehende Abschiedstournee, haben Olaf Malolepski und Manfred Durban mit PZ-Redakteurin Nadine Schmid geplaudert – bei Kaffee und Nusszopf, am Esstisch von Malolepski in Diedelsheim, ganz wie es sich für bodenständige Stars gehört.

Bildergalerie: Umjubelte "Flippers" im CongressCentrum Pforzheim

PZ: Es geht los, am 7. November läutet Ihr Eure Abschiedstournee in Karlsruhe ein. Mitten in der Erkältungszeit. Habt Ihr Berührungsängste?
Manfred Durban: Ich habe noch nie Probleme gehabt, ich bin ein alter Ölbronner. Ich umarme und küsse alle Frauen (lacht).
Olaf Malolepski: Toi, toi, toi, bisher haben wir Glück gehabt. Weil wir immer im Spätjahr auf Tournee gehen, habe ich mich aber gegen die Grippe impfen lassen und nach dem Händeschütteln ist Waschen angesagt. Aber wenn etwas an dich ranfliegt, tut es das eben. Da kann man nichts machen.
Durban: Wenn du auf der Bühne plötzlich heiser bist, hilft alles nichts. Da heißt es, Bonbons lutschen und weitersingen.

PZ: Singt Ihr live?
Malolepski: Wir singen immer live.
Durban: Wir singen auf der Bühne manchmal nur zur Gitarre – na klar singen wir live.

PZ: Abschiedstournee – was heißt das für Euch?
Durban: Die jahrzehntelange Verbindung – und damit den Abschied von den Fans – wollen wir nicht einfach abschneiden. Wir wollen auch weiterhin mit den Fanclubs korrespondieren. Für mich ist es ein Abschied von der Bandmusik.
Malolepski: Die Flippers machen leider ihre Abschiedstour. Aber Musik ist mein Leben, ich werde das immer weitermachen. In was für einer Form lassen wir mal offen. Ich produziere ja jetzt schon Die Schäfer, meine Tochter Pia singt super, vielleicht mache ich mit ihr etwas, vielleicht singe ich auch selbst weiter. Das weiß ich noch nicht. Jetzt ist die Tournee wichtig, im März gibt es noch eine Fernsehshow und dann ist leider Schluss.
Durban: Dann gibt es die Flippers nicht mehr – das ist schon komisch. Aber alles hat seine Zeit. Es ist auch nicht so, dass ich sage, jetzt habe ich genug Geld verdient, jetzt mache ich Schluss. Wenn es allein darum gegangen wäre, hätte ich das schon vor ein paar Jahren machen können. Ich mache vielleicht auch wieder Musik im Verein, oder ich gründe ein Alphornbläser-Quintett und wir spielen auf Streuobstwiesen. Deren Erhalt liegt mir am Herzen.

PZ: Rund 50 Konzerte sind jetzt zwischen November und März geplant, wie läuft der Vorverkauf?
Malolepski: Die Tour ist so gut wie ausverkauft, bisher sind es 160.000 bis 170.000 Menschen. Wir spielen in den größten Hallen Deutschlands wie der Köln-Arena oder der Olympiahalle in München. Ich kenne keinen Künstler, der in einer Fünf-Monats-Tour in so viele große Hallen geht – da sind wir stolz drauf.

PZ: Ihr hinterlasst nach Eurem Abschied eine Lücke. Wer füllt die?
Malolepski: Wir drei sind als Flippers einmalig. Es gibt viele deutsche Top-Künstler auf unserem Level. Aber einfach wieder drei Leute in bunte Kittel stecken und loslegen lassen – ich glaube das funktioniert nicht.

PZ: Seid Ihr traurig, wenn Ihr ans Aufhören denkt?
Malolepski: Ich denke mit Wehmut an unsere gemeinsame Zeit. 44 Jahre sind eine lange Zeit. Wir haben ein wunderschönes Abschiedslied. Es heißt „Ihr bleibt für immer in unseren Herzen“. Als ich das lernte, habe ich fast geweint. Und ich denke auch, dass beim letzten Konzert am 19. März in der SAP-Arena in Mannheim dem ein oder anderen von uns die Stimme versagt.
Durban: Die Fans sind auch traurig. Wir setzen uns ja seit zwei Jahren damit auseinander, wann wir aufhören. Ich habe letzthin mit dem Knittlinger Bürgermeister telefoniert, der sagte mir, er kann es auch nicht glauben, dass wir aufhören. Wir gehören zur Gegend wie das tägliche Brot. Da fragt jeder warum, wieso, weshalb.
Malolepski: Wir hören auf dem Höhenpunkt auf. Nach unserer Saure-Gurken-Zeit ist es mit der „Roten Sonne von Barbados“ seit 1986 stetig nach oben gegangen. Bis 2010 haben wir mit jedem Album Gold, teilweise Platin geholt, mehr geht nicht. Ich verstehe meine Kollegen, die es ein wenig ruhiger haben wollen. Aber für mich ist Johannes Heesters ein Vorbild (lacht). Ich lebe in der Musik, das macht mir Spaß und Freude und wenn man das so sieht, kann es nur weitergehen.
Durban: Mein Leben war es auch. Ich möchte aber jetzt mal ein Leben ohne Kompromisse führen. Zu dritt musste man die machen und das war okay, aber jetzt will ich mal alles frei planen, wie ich gerade will. Ich kann nicht das ganze Jahr Motorrad fahren oder in Italien herumreisen. Aber ich will mein Hobby pflegen. Eine kleine Halle in Knittlingen bauen, wo ich Autos, Motorräder, Nähmaschinen und Möbel restauriere. Trotzdem wird mir die Musik fehlen – und die Frauen.

PZ: Bedeuten die kommenden Monate Stress?
Malolepski: Nein, mir macht das Spaß. Mal wieder die Koffer packen, Städte sehen, auf der Bühne stehen – das macht Freude, ich finde das locker und klasse.
Durban: Ich fahre nicht mehr so gerne Auto. Wenn wir aber mal die ersten drei Wochen unterwegs sind, vergisst man den Ärger, dann macht es viel Spaß. Manchmal mittendrin packt mich aber das Heimweh, dann möchte ich nicht mehr weg. Jetzt, wo meine Enkelkinder größer sind, geht es besser. Aber früher habe ich Filme von ihnen gedreht und sie im Hotelzimmer angeschaut.

PZ: Was hören Eure Fans auf der Abschiedstournee?
Malolepski: Die ganze Bandbreite von über vier Jahrzehnten Flippers. Von „Weine nicht kleine Eva“ über „Die rote Sonne von Barbados“ zu „Mexiko“. Insgesamt haben wir über 600 Lieder, fast 30 Stunden Musik am Stück. Das kann man nicht alles spielen.
Durban: Die Auswahl fällt schwer. Es kristallieren sich aber Titel raus, die viele hören wollen.

PZ: Sieben Tage lang nur Sonnenschein, Shalala I love you – könnt Ihr so alte Titel überhaupt noch singen?
Malolepski: Immer und immer gerne. Als ich einmal mit Willy Millowitsch gesprochen habe, hat er erzählt, dass er an 300 Tagen nacheinander den gleichen Gag spricht. Die Leute wollen genau das hören.
Durban: Wenn ich mal nicht so konzentriert bin, ist es mir schon passiert, dass ich durch den typischen Flipper-Sound dachte, es kommt jetzt ein ganz anderes Lied.
Malolepski: Wir haben die Musikwelt mit unserem Sound geprägt.

PZ: Und nach dem letzten Konzert in Mannheim zieht ihr Euch zurück?
Durban: Du kannst mich in jedem Besen treffen. Bei den Festle, in den Vereinen – wir werden uns weiterhin treffen.
Malolepski: Beim Peter und Paul-Fest in Bretten, beim Fauststadtfest – uns genügt ein Stand, wo wir Wein trinken können. Wir werden immer der Olaf und der Manfred von den Flippers sein.

PZ: Ein, zwei Sätze zum Schluss...
Malolepski: Die Wiege unseres Erfolges ist der Raum Knittlingen, Bretten, Pforzheim, Karlsruhe. Mit der Tanzmusik haben wir den Grundstein gelegt. Wenn wir den regionalen Erfolg nicht gehabt hätten, wären wir nicht dort, wo wir heute sind. Ohne die Menschen hier hätten wir es nicht geschafft, da sagen wir einfach und sehr herzlich „Danke“.

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