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08.11.2018

Frust beim Schiri-Chef, Überraschung bei zwei Teams

Als Schiedsrichter-Obmann hat Eckhart Streckfuss immer einen Grund zum Hadern, beim jüngsten Gespräch mit der „Pforzheimer Zeitung“ schob er aber besonders viel Frust. „Jeden Sonntag gibt’s Gewalt, Drohungen und Beleidigungen“, sagte er. Im Bezirkspokal habe jüngst der mittlerweile langgediente Schiri Tobias Lauber vom TSV Kleinglattbach üble Worte zu hören bekommen.

Gravierender, da oftmals folgenreicher, sei aber, wenn Neulinge gleich mit den Schattenseiten des Schiedsrichterdaseins konfrontiert würden. Abgesehen davon, dass jugendliche Schiris unsicherer sind, brauchen sie jemanden, der sie zu den Spielen fährt. Das sind dann für gewöhnlich Mutter oder Vater. „Glauben Sie, die sagen dann: Da lässt du dich nächstes Wochenende gerade wieder so schelten“, fragt Streckfuss ironisch. Ungeplante Abschiede kommen immer wieder einmal vor. Und bei weiteren Schiris gilt es Überzeugungsarbeit zu leisten, damit sie nicht hinwerfen.

Dünne Personaldecke

Insgesamt ist die Personaldecke dünn. Wie Streckfuss erzählt, verschickt er an Donnerstagen regelmäßig Mails, um für noch nicht besetzte Spiele auf den letzten Drücker einen Schiri zu finden. Ganz ohne Vorlauf gehe es nicht.

Einer wie zum Beispiel Yilmaz Cebeci vom TSV Maulbronn sei da eine Hilfe, bestätigt Streckfuss. Im Vergleich zu früher leistet Rekordmann Cebeci aber nicht mehr das ganz große Spielepensum ab.

Am Sonntagvormittag habe ihm der für das 12.30-Uhr-Spiel des SV Iptingen II gegen den VfB Vaihingen II vorgesehene Schiri abgesagt, erzählt der Obmann. Dem Internet entnahm Streckfuss später, dass das Fußballspiel dennoch stattfand. Die Teams hätten wohl einfach gemerkt, dass kein Schiri komme und improvisiert.

Dieser Annahme kann Andre Remmele vom Iptinger Vorstand nicht widersprechen. Doch dass man sich irgendwann denken musste, dass kein Schiri erscheinen würde, fanden die Hausherren nicht berauschend. Spätestens um 12 Uhr hätte man mit dem Unparteiischen gerechnet. „Wir wurden kalt erwischt“, sagt Remmele. „Wir hatten keine Möglichkeit, den Schiedsrichter zu erreichen“ verdeutlicht Vereinschef Uwe Hinterseer.

Zur Pfeife griff kurzerhand Thorsten Dertinger, ein gestandener, jedoch verletztet Spieler des A-Liga-Teams des SVI. Wegen eines Revanchefouls habe es eine knifflige Situation gegeben, sagt Remmele. Doch die Teams, zwei Hinterbänkler der Kreisliga B Enz/Murr, beendeten die Partie, die 2:2 ausging, mit voller Spielerzahl. Die Zustimmung zur unkonventionellen Regelung der Spielleitung brauchten sie also nicht zu bereuen. Bei Reserve-Teams habe er früher schon einmal erlebt, dass kein richtiger Unparteiischer zur Pfeife griff, sagt Remmele.

In jüngster Vergangenheit habe im Bezirk Enz/Murr aber nicht nur bei einem Spiel der untersten Klasse ein Unparteiischer gefehlt, erzählt Streckfuss. Kürzlich habe ein Schiri einer benachbarten Gruppe einen Einsatz beim Bezirksligisten TSV Schwieberdingen verschwitzt. Da habe dann jener Schiri, der zuvor die zweiten Mannschaften pfiff, eine Extraschicht eingelegt. Ein eingeteilter Schiri, könne, wenn er später noch erscheine, nachträglich die Spielleitung übernehmen, sagt Streckfuss: Solch ein Wechsel sei aber nur bei Halbzeit möglich.