nach oben
04.03.2008

Fußgänger bekommen grünes Licht

MÜHLACKER. Erleichterung herrschte gestern Abend bei Zuhörern im Mühlacker Ratssaal. Einstimmig hat der Ausschuss für Umwelt und Technik entschieden, die Unfallkreuzung im Eckenweiher zu entschärfen.

Getrennte Grünphasen für Fußgänger und motorisierte Verkehrsteilnehmer sollen die Sicherheit an den Überwegen der Kreuzung Eckenweiherstraße und Lienzinger Straße in Mühlacker erhöhen. Auch die Beleuchtung an der unübersichtlichen Kreuzung soll verbessert werden. Das beschloss der Gemeinderats-Ausschuss für Umwelt und Technik gestern Abend einstimmig. Zufrieden äußerte sich nach der Sitzung Paul-Gerhardt-Kindergartenleiterin Elvira Döllerer gegenüber der PZ. Eltern und Anwohner hatten eine schnelle Entschärfung der Kreuzung gefordert. Im Januar hatte dort eine 77-jährige Fußgängerin die Lienzinger Straße bei Grün überquert. Ein ebenfalls bei Grün aus der Eckenweiherstraße einbiegender Fahrer hatte die Frau mit seinem Wagen erfasst, wobei sie tödlich verletzt wurde (die PZ berichtete mehrfach). Auch gestern Abend standen wieder Kerzen zum Gedenken an der Unfallstelle.

Beim Vor-Ort-Termin erläuterte Ulrich Saur, Leiter der städtischen Verkehrsbehörde, Stadträten, OB Arno Schütterle, Bürgern und Hinterbliebenen des Unfallopfers: „Eine separate Grünphase für Fußgänger birgt Nachteile“. Es entstünden längere Wartezeiten für alle Verkehrsteilnehmer und unterschiedliche Überwegs-Regelungen im Stadtgebiet könnten die Gefahr erhöhen. Unterstützt wurde Saur von Roland Fränkle von der Polizeidirektion Pforzheim, der die Unfallentwicklung an der Kreuzung „nicht ungewöhnlich für diese Verkehrsbelastung und nicht unbedingt örtlichkeitsabhängig“ nannte.

Geschützen Bereich ausweisen

Das ließen die Stadträte nicht gelten. Unisono sprachen sie sich für eine baldige Einführung der Grünphasen auf Anforderung durch Fußgänger – auch nachts – und eine bessere Beleuchtung aus. „Es muss einen geschützten Bereich für Fußgänger geben“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Günter Bächle. Einen Minikreisel als weitere, mögliche Entschärfung lehnte Bächle ab. „Wenn ein Kreisel, dann ein richtiger.“

„Eine klare, getrennte Regelung für Fußgänger und Autofahrer ist die einzige Möglichkeit, um mehr Sicherheit zu gewährleisten“, meinte SPD-Stadträtin Marga Kucher. Von Seiten des Kindergartens wird gefordert, die Parksituation an der Sparkassen-Geschäftsstelle zu verbessern. Weil Fahrzeuge dort rückwärts ausgeparkt werden, könnten vorbeigehende Kindergartenkinder übersehen werden. „Daran sind wir vor Jahren gescheitert, weil die Sparkasse nichts verändern wollte“, meinte Marga Kucher. Nun soll, laut OB Schütterle mit der Sparkasse gesprochen werden, ob die Parkplatzssituation optimiert werden kann. Freie-Wähler-Fraktionsvorsitzender Rolf Leo beobachtete beim Ortstermin eine „Beinahe- unfall“. Zwei Kinder hätten die Eckenweiherstraße überquert, ein abbiegender Autofahrer erst mitten auf dem Fußgängerüberweg gestoppt. „Es geht nur mit einer eigenen Fußgängerphase auf beiden Seiten“, bekräftigte Leo und mahnte eine „möglichste schnelle“ Umsetzung an. Da hakte auch Stadträtin Ulrike Fuchs (Liste Mensch und Umwelt) ein. „Das Wichtigste ist, das jetzt sofort zu machen.“ Das Argument, anderswo in Mühlacker gebe es andere Ampelschaltungen ziehe nicht. „So flexibel muss man sein“. „In diesem konkreten Fall kann durch eine separate Grünphase die Sicherheit erhöht werden“, sagte FDP-Fraktionsvorsitzender Frank Schneider, der selbst „öfter an der schwer einsehbaren Kreuzung“ unterwegs ist. Beleuchtung und veränderte Ampelschaltung sollen laut Stadtverwaltung rund 12 000 Euro kosten. Die Verwaltung prüft nun auch, ob der grüne Pfeil an der Kreuzung abgeschafft werden kann und Schilder mit der Aufschrift „Vorsicht Fußgänger“ aufgehängt werden.