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06.04.2008

Gemeinde will Schatz verkaufen

WIERNSHEIM. Etwa 60 Euro erwartet Schultes Karlheinz Oehler für jede Aktie des Energieversorgers EnBW, die sich derzeit noch im Besitz der Gemeinde Wiernsheim befindet. Aus dem Erlös von 24 Millionen soll ein Fonds entstehen.

Schon seit einigen Jahren hatten die Gemeindeprüfer aus Karlsruhe in den jährlichen Rechenschaftsberichten die Konstellation in Wiernsheim kritisiert, die millionenschweren Aktienpakete im kommunalen Wasserwerk einzubauen und mit der hohen Jahresdividende der Energie Baden-Württemberg dann den Wasserpreis auf konkurrenzlose 70 Cents je Kubikmeter zu drücken. Das Festhalten an den 400 000 Aktien hat sich für Wiernsheim auf jeden Fall gelohnt. Der Kurs der EnBW-Anteile kletterte von 30 Mark auf heute 55 Euro.

„Wir sind beim Verkauf nicht unter Zeitdruck“, sagte Oehler gestern zur PZ. Auch im Frühjahr 2009 könne die Transaktion vorbehaltlich der Zustimmung durch den Gemeinderat am morgigen Mittwoch noch erfolgen. Inzwischen sitzt der Gemeinde zusätzlich das Finanzamt in Mühlacker im Nacken. Sollte der Verkauf in diesem Jahr nicht mehr in die Wege geleitet werden, droht 2009 ein um gleich fünf Punkte höherer Satz bei der Körperschaftssteuer von 15 Prozent. Dies würde den zusätzlichen Abfluss von einer Million Euro an den Fiskus bedeuten. Das will Oehler auf jeden Fall verhindern.

Freibad-Bau am Veto gescheitert?

Alle Konzepte der Kommune wie der Bau eines Freibades mit den Erträgen aus dieser EnBW-Dividende durch das Wasserwerk Wiernsheim sollen am Veto aus Mühlacker gescheitert sein. „Ich muss die Aktien aus dem Wasserwerk herausbringen“, beschrieb der Rathauschef der beschaulichen Heckengäu-Gemeinde gestern sein Ziel. Allerdings müssen sich die Verbraucher in Wiernsheim auf eine Anhebung des Wasserpreises auf fast 1,30 Euro im nächsten Jahr einstellen.

Mit diesem Wasserzins würden die Wasserwerke mit einem Absatz von 250 000 Kubikmetern im Jahr nach Einschätzung der Verwaltung immer noch zu den vier günstigsten Anbietern im Enzkreis gehören. Zusätzlich sei „bis zum letzten Wasserrohr“ die gesamte technische Rohrnetz-Infrastruktur in den vergangenen Jahren mit den Erlösen des Aktienpaketes erneuert worden. Dazu fürchtet die Gemeinde um ihre Chancen beim europäischen Energie-Preis, wenn sie das Trinkwasser mit bis zu 2,50 Euro je Kubikmeter subventioniere und so einer Vergeudung Vorschub leiste. Der Wiernsheimer Vermögensfonds, in den der Erlös aus dem Aktienverkauf fließen soll, soll die Einnahmen im 14 Millionen-Etat stabilisieren. Nach den Vorstellungen des Bürgermeisters sollte der Verkaufserlös von 24 Millionen Euro jährlich mit etwa sechs Prozent verzinst werden. Die erwirtschafteten 1,45 Millionen Euro sollten wie in Maulbronn jährlich als Sonderspritze dem Haushalt zufließen.