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07.04.2012

Gespielte Kreuzigung zieht mehrere hundert Besucher an

MÜHLACKER. Seit mittlerweile 24Jahren findet die Karfreitagsprozession in Mühlacker statt. Mit 53 Darstellern und Giuseppe Linoria als überzeugenden Jesus hat die Prozession der katholischen italienischen Gemeinde Mühlacker und Vaihingen/Enz über 300 Besucher auf Ostern eingestimmt.

Bildergalerie: Karfreitagsprozession in Mühlacker

Seit zehn Jahren trägt der 32-Jährige verheiratetet Familienvater Linoria mittlerweile sein 25 Kilo schweres Kreuz immer an Karfreitag entlang des Berliner Ringes im Wohngebiet Heidenwäldle rund anderthalb Kilometer vom und zum katholischen Gemeindehaus. Dumpfe Trommelklänge, Soldaten mit Peitsche und zuvor die im Spiel festgehaltene Verhaftung Jesu und die Freilassung von Verbrecher Barnabas begleiten das Spektakel jedes Jahr und lassen die vor über 2000 Jahren geschehene Ungerechtigkeit der Kreuzigung Jesu vor dem geistigen Auge entstehen. Wann fühlt sich Linoria bei der Prozession dann richtig befreit? „Wenn sie mich nach der Kreuzigung im Leintuch in das Gebäude tragen und ablegen und ich dann wieder auf meinen Füßen stehen kann“, beschreibt er seine Gefühle. Das sei wohl mit Jesus Auferstehung vergleichbar, ist er überzeugt.

Schon einen Monat vorher sind auch seine beiden Töchter Chiara (9 Jahre) und Lara (6) gespannt auf die Prozession. „Ich freue mich über die aktive Teilnahme unserer italienischen Gemeinde“, sagte Oberbürgermeister Frank Schneider im Gespräch mit der PZ. Mit seiner Frau Patricia zieht es ihn schon seit bald 15 Jahren immer zur Karfreitagsprozession. „Das ist jedes Jahr wieder ergreifend“, bekennt der Protestant. „Da sieht man richtig, wie das mit Jesus passiert ist“, sagt der 11 Jahre alte Pascal Loupas, der mit seinen Eltern Anja und Atanasios und seinem Bruder Alexander aus Lomersheim zur Prozession gekommen ist. An seine spanische Heimat fühlt sich bei diesem besonderen Kreuzzug immer Luis Escolano erinnert. Seit 50 Jahren lebt er in Mühlacker und die nachgespielte Kreuzigung Jesu hat für ihn mittlerweile schon Tradition. „Es ist uns wichtig, unsere Nachbargemeinden zusammen zu bringen“, erklärt Alfonso D´Agostino als Mitinitiator die Absicht der italienischen Kirchengemeinde. Als Organisator fungierte diesmal erstmals Pasqualino Catalano, der schon seit Jahren Pontius Pilatus darstellt. Und wenn Maria, Josef, Jesus Jünger, der Verräter Judas, die römischen Soldaten und das Volk nach ihrem Zug wieder ankommen, wird Jesus ans Kreuz gebunden. Dicht drängten sich auch diesmal die Menschenmengen um die Darsteller und beten und singen mit dem italienischen Pater Antonino. „Padre nelle tue consegno il mio spirito“, sind die letzten Worte, die Guiuseppe Linoria am Kreuz dann von sich gibt. „Vater in Deine Hände übergebe ich meine Seele“.