nach oben
Simon Bosch, Niederlassungsleiter der Firma Mosolf und Indra Kolasch. Foto: Schierling
Simon Bosch, Niederlassungsleiter der Firma Mosolf und Indra Kolasch. Foto: Schierling
23.07.2016

Gestörter Frieden im Industriegebiet

Illingen. Einige Anwohner fühlen sich von der Illinger Firma Mosolf gestört.

Über 40 Jahre ist es her, dass sich im Illinger Industriegebiet eine Niederlassung des Logistik-, Technik- und Servicedienstleisters Mosolf angesiedelt hat. 81 Mitarbeiter sind dort inzwischen beschäftigt – überwiegend aus der Region Illingen, Vaihingen und Mühlacker. Allein für die Nutzung der Bahngleise zahlt die Firma jedes Jahr einen fünfstelligen Betrag an sogenannten Waggongebühren an die Gemeinde, sagt Indra Kolasch, Assistentin der Niederlassungsleitung. Dazu kommt die Gewerbesteuer, deren Höhe Niederlassungsleiter Simon Bosch und Kolasch allerdings nicht beziffern wollen. Dennoch wird die Firma keineswegs von allen in Illingen gerne gesehen. Die „Pforzheimer Zeitung“ zeigt, wo die Probleme der Anwohner mit dem Logistiker liegen.

Problem 1: Der Lärm

Die vielen Lastwagen, die von oder zur Firma Mosolf fahren, verursachen Lärm. Einige Anwohner fühlen sich dadurch gestört. Tatsächlich rollen 150 bis 250 Lastwagen pro Tag auf der Wilhelmstraße in Illingen zu der Firma. Dazu kommt natürlich noch weiterer Verkehr auf der Straße. „Wir wissen auch, dass Lärm eine Belästigung ist“, sagt Indra Kolasch, Assistentin der Niederlassungsleitung. Und sie habe Verständnis für den Ärger der Anwohner.

Das wurde bereits getan:

Die zulässigen Lärmschutzwerte würden nicht überschritten, sagen sowohl die Gemeindeverwaltung als auch die Firma Mosolf. Diese liegen in Industriegebieten – wie dem Standort der Firma – allerdings höher als in Misch- und Wohngebieten. Bereits seit 1972 ist Mosolf dort angesiedelt. Viele der Anwohner wohnen dagegen erst viel kürzer in der Nähe. „Wenn ein Bahnhof irgendwo ist, weiß man doch auch, dass dort Züge fahren“, versuchen Kolasch und Niederlassungsleiter Simon Bosch das Dilemma zu verdeutlichen. Bürgermeister Harald Eiberger weist zudem darauf hin, dass es in Illingen Straßen gebe, die noch weit mehr belastet seien als die Wilhelmstraße.

Was könnte noch getan werden?

Die Wilhelmstraße ist in einem schlechten Zustand. Das verstärke den Lärm zusätzlich, sagen Bosch und Kolasch. Etwa wenn leere Lastwagen über Schlaglöcher fahren. Für die Sanierung der Straße wäre allerdings die Gemeinde Illingen zuständig. Im Haushaltsplan seien derzeit keine Mittel dafür vorgesehen, sagt Harald Eiberger. Von den Gemeinderäten seien auch keine beantragt worden, so der Bürgermeister weiter.

Problem 2:Verkehrsbehinderungen auf der Wilhelmstraße

Zu Stoßzeiten stehen Lastwagen vor der Pforte der Firma Mosolf Schlange – und damit auf der Wilhelmstraße. Damit blockieren sie den Verkehr. Manchmal stehen die Lastwagen sogar so eng, dass es kaum noch Ausweichbuchten gibt. Außerdem fahren manche der Lastwagen beim Verlassen des Geländes links in Richtung Ortsmitte statt rechts in Richtung Kleinglattbacher Straße.

Bosch gesteht ein, dass es vor allem dienstags und donnerstags zwischen 9 und 12 Uhr vermehrt zu Rückstaus auf der Wilhelmstraße kommt. Denn dann kämen vermehrt Lastwagen im Konvoi an. „Diese Zeit ist kritisch.“ Denn die Abladestationen auf dem Gelände reichten dann manchmal nicht aus. Dort werden die transportierten Autos von den Lkws auf Parkplätze gefahren.

Das wurde bereits getan:

Die Firma Mosolf hat ihre Pforte nach innen versetzt. So kann zumindest ein Lastwagen vor der Pforte stehen, ohne dass der Verkehr auf der Wilhelmstraße behindert wird. „Wir schicken außerdem in solchen Situationen unsere Leute raus, um das Abladen zu koordinieren“, sagt Bosch. Dann würden Wartelisten erstellt und die Lastwagenfahrer dazu aufgefordert einen Parkplatz zu suchen, bis sie angerufen werden, weil einer der 30 Abladeplätze für sie frei geworden ist. Allerdings sind auch diese Stellplätze begrenzt, so Bosch. Möglichkeiten gebe es aber unter anderem im Bereich „Perfekter Standort“ oder „Illinger Eck“. Allerdings habe man außerhalb des Geländes keinen Einfluss, wo die Fahrer parken. Auf dem Gelände können die Lastwagen auch nicht halten. „Dort nimmt jeder weitere Lkw Platz zum Entladen weg. Und verhindert damit eine zügige Abwicklung“, sagt Bosch.

Was könnte noch getan werden?

Die Firma liebäugelt mit einer etwa fünf Kilometer langen Standspur entlang des Geländes auf die Pforte zu. Dort könnten die Lastwagen dann Schlange stehen. Allerdings ist dazu die Unterstützung der Gemeinde Illingen erforderlich. In einem ersten Schritt, in dem sie dort eine Verkehrsschau anberaumt. „Das ist angestoßen“, sagt Bosch. Einen Termin gibt es allerdings noch nicht, sagt Bürgermeister Harald Eiberger. Da sei ohnehin auch das Landratsamt gefragt. Denn dort sei die Straßenverkehrsbehörde angesiedelt. Zudem will die Firma an ihrem Ausgang Schilder anbringen, die den Verkehr nach links lenken. Außerhalb des Geländes kann die Firma allerdings nicht einfach Schilder aufstellen. Nachdem es keine Erweiterungsmöglichkeiten des Geländes gibt, denkt man in der Firma zudem über ein Parkdeck nach. Aber: Das würde die Firma über Jahre behindern. „Auf vollem Platz lässt sich schlecht bauen“, sagt Bosch.

Problem 3: Verschmutzungen

Einige der Lastwagenfahrer erledigen ihre Notdurft im Waldstück gegenüber und entsorgen dort zum Teil auch ihren Müll. Bosch bestätigt den Vorwurf. „Es ist schmutzig“, sagt er.

Das wurde bereits getan:

Die Firma verfügt über Duschen und WCs, die die Fahrer benutzen können. „Sie werden allerdings nur sporadisch genutzt“, sagt Kolasch. Zusätzlich hat die Firma kürzlich außerhalb ihres Geländes ein Dixie-Klo aufgestellt, welches die Firma reinigt und leert.

Was könnte noch getan werden:

„Wir haben alles getan, was wir tun können“, sagt Bosch. Außerhalb des Geländes, im öffentlichen Raum, habe er keinen Einfluss auf die Fahrer und noch weniger Handhabe. Hier sei es möglicherweise sinnvoll, wenn der Ordnungsdienst der Gemeinde eingreife, so Bosch. Die Erfahrung lehre, dass niemand eine Ordnungswidrigkeit begehe, wenn der Gemeindevollzugsdienst danebensteht, sagt Bürgermeister Eiberger. Er rät deshalb Anwohnern, die Kennzeichen von Lastwagenfahrern aufzuschreiben, die die Gegend verschmutzen.