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In Mühlacker werden Tauben vermehrt zum Problem. Foto: Schrader/PZ-Archiv
In Mühlacker werden Tauben vermehrt zum Problem. Foto: Schrader/PZ-Archiv
14.05.2018

Gurrende Plagegeister

Regelmäßige Leser dieser Kolumne werden wissen, dass es größere Tierfreunde gibt als mich. Es gibt aber Abstufungen meiner Abneigung, und ganz oben auf der Liste jener Tiere, die ich nicht besonders schätze, stehen Tauben. Nun ist es so, dass man sich in der Regel nicht sonderlich beliebt macht mit solcherlei Aussagen, aber damit muss ich leben.

Jedenfalls war ich einigermaßen erleichtert, als in dieser Woche eine Pressemitteilung der Mühlacker Stadtverwaltung in die Redaktion flatterte, in der ein deutlicher Appell an die Einwohner gerichtet wurde, die Tauben nicht zu füttern. Schließlich gibt es wahrlich schon genug der Tiere im Stadtgebiet – wer offenen Auges durch die Bahnhofstraße läuft, kann das bestätigen. Städte und Gemeinden haben sich in der Vergangenheit schon allerlei einfallen lassen, um der „fliegenden Ratten“, wie sie mancherorts genannt werden, Herr zu werden. Doch der eigentliche Risikofaktor ist der Mensch, in diesem Fall jener, der es einmal mehr allzu gut meint und die Tauben füttert, weil er denkt, die armen Viecher könnten verhungern.

Dabei ist das Gegenteil der Fall: Weil es den Tauben nicht nur in Mühlacker viel zu gut geht, werden sie nicht nur fett und träge, sie vermehren sich auch noch im Unverstand. Denn im Taubenhirn löst das Überangebot an Nahrungsquellen den Wunsch nach vielen Nachkommen aus. Aus Taubensicht mag das verständlich sein – für die Passanten ist es eine Zumutung. Und nicht nur für diese: „Stadttauben beschädigen auch Kirchengebäude, Denkmäler sowie Wohn- und Geschäftshäuser“, schreibt Ordnungsamtsleiter Ulrich Saur. Man müsse wissen, dass jede Taube pro Jahr etwa zwölf Kilogramm ätzenden Kot produziert. Auch deshalb droht das Ordnungsamt nun erneut Geldstrafen an, wenn jemand beim Füttern der Tiere beobachtet wird.

Ob das etwas hilft, ist allerdings fraglich. Tierschützern ist das vermeintliche Wohl ihrer Schützlinge bekanntermaßen häufig wichtiger als der eigene Geldbeutel.