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Zahlreiche Einsatzkräfte aus der Region haben am Wochenende auf dem Ziegelei-Areal in Mühlacker geübt. Foto: Kollros
Zahlreiche Einsatzkräfte aus der Region haben am Wochenende auf dem Ziegelei-Areal in Mühlacker geübt. Foto: Kollros
26.05.2019

Gut gerüstet: Regionale Retter proben den Ernstfall in Mühlacker

Mühlacker. Mit knapp 150 Einsatzkräften und weiteren zwei Dutzend Statisten exerzierte die Feuerwehr Mühlacker am Samstag eine der spektakulärsten Großübungen, die je im Enzkreis abgehalten wurde. Das Szenario ging von einer Kettenreaktion von Verkehrsunfällen aus – und letztlich auch von fiktiv 24 Verletzten und drei Toten.

Neben allen Abteilungen der Senderstädter Wehr waren auch die Kollegen aus Wiernsheim und Niefern-Öschelbronn sowie Maulbronn mit der Führungsunterstützungseinheit aus Schmie involviert, das THW aus Pforzheim und ebenso der Rettungsdienst von DRK und Malteser (beide aus Mühlacker).

Der diensthabende Kreisbrandmeister Michael Szobris aus Niefern war gleichermaßen zur Stelle wie diverse Beobachter des gehobenen feuerwehrtechnischen Dienstes und ein Organisationsleiter des Rettungsdienstes und ebenso Oberbürgermeister Frank Schneider, der sich vom vielseitigen Übungsszenario beeindruckt zeigte. Auch zwei Polizeistreifen mit dem kommissarischen Mühlacker Revierleiter Axel Schweitzer als deren Einsatzleiter waren aufgeboten.

Kurz nach 13 Uhr wurde die Bevölkerung in der Innenstadt durch anhaltendes Sirenengeheul aufgeschreckt, das sich in die Mühlacker „Nordstadt“ verlagerte. Tatsächlich waren die letztlich über 50 Einsatzfahrzeuge jeglicher Couleur ins aufgelassene Ziegeleigelände alarmiert worden, wo sich den Kräften bei ihrem Eintreffen ein wahres Horrorszenario bot: Acht verunglückte Autos – eines unter einem Lastzuganhänger in Flammen aufgegangen und ein weiteres in eine Fabrikhalle geschleudert, wo dann auch ein Brand ausbrach – ließ die Einsatzkräfte fast den Überblick verlieren.

Schweres Gerät notwendig

Klar, dass umgehend Verstärkung angefordert wurde, um die zumeist eingeklemmten Opfer zu bergen. Indes: Für den unter dem Lastzug-Auflieger im brennenden Auto befindlichen Insassen kam die fiktive Hilfe zu spät, statt diesen Brand noch zu bekämpfen, konzentrierten sich die Rettungskräfte um die Rettung der Verletzten. Mit Rettungsscheren und -spreizern wurden die Fahrzeuge geöffnet, bei einem sogar das komplette Dach abgetrennt, und bis die Verletzten geborgen werden konnten, zwängten sich die Helfer zu deren Erstversorgung durch Fensteröffnungen mitunter in den Fahrgastraum – der Übungsablauf war also höchst authentisch.

Dies bestätigten etwa auch die Opfer Volker Ferschel und Gisela Petersen, die mit hydraulischem Gerät gerettet und anschließend, nach eigenem Dafürhalten, von den Sanitätern professionell versorgt wurden. „Man wird sich im realen Ernstfall bestimmt auf die freiwilligen Helfer und ihren Ausbildungsstand verlassen können“, äußerten sich beide überzeugt.

Das Geschehen verfolgte höchst interessiert auch Sakine Karabeyaz-Hecht aus Mühlacker, Fachkraft der psychosozialen Notfallseelsorge. Seit knapp zwei Jahren bekleidet sie dieses Ehrenamt, wobei ihr Part meistens jener ist, einen Polizisten bei dem Überbringen der Todesnachricht zu den Angehörigen zu begleiten. Dies sei schon einige Male der Fall gewesen, bestätigte sie im Gespräch mit der PZ. Unmittelbar am Unfallort sei sie in der Regel nicht zugegen, umso mehr sei es für sie informativ gewesen, Einblick in diese Abläufe zu erhalten.

Dieser angenommenen „extremen Schadenslage“ geschuldet sei gewesen, dass auch das Pforzheimer THW zur Unterstützung im Rahmen der Amtshilfe mit neun Helfern ausgerückt war, erzählte Gruppenführer Christian Wondzinski. Man arbeite in solchen Fällen mit der Feuerwehr Hand in Hand, zumal man mit vergleichbarem hydraulischem Rettungsgerät ausgerüstet sei. Ihre Aufgabe sei deshalb am Samstag ebenso gewesen, Verletzte aus einem völlig demolierten Fahrzeug zu retten, so der Pforzheimer.

„Es war eine anspruchsvolle, aber auch tolle Übung“, stellte später der Leiter der Mühlacker Wehr, Philipp Baumann, der das Konzept ausgearbeitet hatte, fest. Sie habe aber auch gezeigt, dass bei einem solchen Großereignis die Kommunikation zwischen den Einsatzkräften verbesserungsfähig sei. „An solchen Optimierungen werden wir arbeiten müssen“, fügte er hinzu.

Gleichwohl hätten die unterschiedlichsten Akteure nach einer „ersten Chaosphase“ nach dem Einschätzen der Lage ein gutes und strukturiertes Zusammenspiel bewiesen. Anerkennend würdigte Baumann auch die anspruchsvolle Arbeit der Kameraden Volker Linck, Florian Sorgalla und Bernd Schöffler, die für den komplexen Übungsablauf zuständig waren.

In seinen Dank an alle Einsatzkräfte und Statisten bezog der Feuerwehrchef aber auch die Nachbarwehr aus Illingen mit ein: Sie hatte in ihrem Feuerwehrhaus eine Bereitschaftswache gebildet, um bei einem möglichen realen Einsatz im Einzugsbereich der Nachbarstadt ausrücken zu können – die ja personell und fahrzeugtechnisch durch die Übung blockiert war.