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Ein Mann und seine Schule: Hermann Schäfer und das THG.
Ein Mann und seine Schule: Hermann Schäfer und das THG. © Lutz
17.06.2011

Hausmeister des Mühlacker THG geht in Rente

MÜHLACKER. Den Satz, dass ein „Urgestein“ in Rente geht, hört man oft. Selten stimmt dieser Satz jedoch so wie bei Hermann Schäfer. „Eigentlich“, sagt Schäfer und lacht, „bin ich ja seit eineinhalb Jahren überfällig. Aber es macht mir eben immer noch Spaß.“

Seit April 1973 ist der 66-Jährige Hausmeister am Mühlacker Theodor-Heuss-Gymnasium (THG). Das sind 38 Jahre, oder, anders ausgedrückt und noch beeindruckender: 460 Monate oder ziemlich genau 2000 Wochen. „Damals ist die Schule gerade neu gebaut geworden und ich war nicht nur der erste, sondern auch der einzige Hausmeister, den das Gebäude bislang gesehen hat“, erzählt Schäfer.

In der Zeit seines Wirkens hat der 66-Jährige eine Menge Lehrer kommen und gehen gesehen und dazu unzählige Schüler. „Von den Lehrkräften, die 1973 mit mir angefangen haben, ist heute keiner mehr da, ich bin der Letzte aus dieser Zeit“, sagt Schäfer und blickt ein klein bisschen wehmütig am Hauptgebäude der Schule empor. „Und bald ist meine Zeit an der Schule auch abgelaufen.“ Mitte Juli wird Schäfer im Rahmen einer Feierstunde offiziell verabschiedet und für die Jahre seiner Arbeit geehrt. „Am 31. Juli ist dann mein letzter Arbeitstag.“

Für Hermann Schäfer mag es unpassend erscheinen, dass dieser Tag ausgerechnet auf einen Sonntag fällt. Denn „so richtig in Ruhestand“ will der gelernte Maschinenschlosser noch nicht gehen. „Da würde meine Frau verrückt werden, glaube ich. Außerdem bin ich einfach nicht der Typ, um mich von heute auf morgen völlig aus dem Arbeitsleben zurückzuziehen.“ Einen genauen Plan, was er nach seiner Zeit am THG machen will, hat Schäfer zwar noch nicht, aber „irgendwas auf 400 Euro Basis würde mir sehr gelegen kommen“. Ums Geld geht es Schäfer, dem man sein Alter wahrlich nicht ansieht, dabei nicht. „Es war schon zu Beginn meiner Tätigkeit hier in der Schule so, dass das Finanzielle nicht den Ausschlag für oder gegen die Stelle gegeben hat. In der freien Wirtschaft hätte ich damals nämlich 300 Mark mehr verdient“, betont Schäfer. „Viel wichtiger war es mir, hier eine sichere Stelle zu haben und im Kontakt mit jungen Menschen zu sein. So bleibt man selbst jung und rostet nicht ein.“ Eben jenen Kontakt zu den Schülern, aber auch zu den Lehrern bezeichnet Schäfer als sein Erfolgsrezept: „Ein Hausmeister darf sich nicht in sein stilles Kämmerlein verziehen, sondern muss immer präsent sein in der Schule, damit die Leute wissen, es ist jemand da, der einem helfen kann und der auch aufpasst, dass kein Unfug getrieben wird.“

Dass Schäfer dabei den Spagat zwischen Respekts- und Vertrauensperson über all die Jahre sehr gut hinbekommen hat, zeigen die Dankesbekundungen auf den Abibällen, die dem Hausmeister über all die Jahre entgegengebracht wurden. Diese Wertschätzungen haben ihn, wie er sagt, jedes Mal tief berührt. „Für mich war die Schule immer eine zweite Heimat, in der ich mich sehr wohl gefühlt habe. Der Job war mein absoluter Traumberuf, aber ich freue mich jetzt darauf, in Zukunft etwas mehr Ruhe und Zeit für mich zu haben. Dann bleibt das Handy eben auch mal aus.“