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01.11.2017

Heiligabend bleiben in der Region die meisten Läden zu

Besinnlichkeit und Hektik – der 24. Dezember vereint diese Gegensätze in vielen Familien Jahr für Jahr. Denn während viele sich einen ruhigen Tag im Kreise ihrer Liebsten wünschen, herrscht doch zumindest vormittags oft Trubel.

Da müssen nicht nur die Vorbereitungen für den Abend getroffen werden – mitunter werden auch noch in letzter Minute Geschenke gekauft. Für die Beschäftigten im Einzelhandel bedeutet das vor allem eines: Stress. In diesem Jahr könnte es für viele anders laufen. Denn Heiligabend fällt auf einen Sonntag. Die Einzelhändler können selbst entscheiden, ob sie ihre Läden öffnen – zumindest jene, die überwiegend Lebens- und Genussmittel anbieten, dürfen bis 14 Uhr ihre Waren anbieten.

Hans-Dieter Slobodkin vom Dürrmenzbäcker will das auch tun. „Wir haben sonntags immer von 7.30 bis 11.30 Uhr geöffnet“, erklärt er. Und der Heiligabend sei schließlich kein Feiertag. Auf seine Angestellten – vor allem jene mit Familien – will er dennoch Rücksicht nehmen. „Wer nicht arbeiten will, muss nicht“, sagt er. Ganz dicht machen, will er an Heiligabend nicht, sondern seine Kunden mit frischem Brot und Brötchen versorgen. Gleiches gilt für die Knittlinger Bäckerei Reinhardt. „Das wird in den Betrieben aber ganz unterschiedlich gehandhabt“, berichtet Martin Reinhardt, Obermeister der Bäckerinnung Nordschwarzwald.

Ebenfalls freie Wahl haben die Metzgereien. Sven Lindauer will seinen Laden in Mühlacker aber dennoch geschlossen lassen. „Dieser Sonntag kommt ja nicht überraschend und ist für unsere Kunden gut planbar“, erklärt er.

In den Supermärkten zeichnet sich ebenfalls eine Tendenz ab, dass die Türen geschlossen bleiben. „Für Aldi als traditionsbewusstes Familienunternehmen ist es eine Selbstverständlichkeit, den Mitarbeitern ein stressfreies Weihnachtsfest im Kreis ihrer Familien und Freunde zu ermöglichen“, erklärte Peter Wübben, Geschäftsführer Kommunikation bei Aldi Süd kürzlich in einer Pressemitteilung. Und auch Wolfgang Golly vom Edeka Golly & Schelske in Mühlacker hofft auf das Verständnis seiner Kunden. „Es ist für uns alle schön, an einem solchen Tag daheim zu sein. Wir werden diese Chance in diesem Jahr auch nutzen“, erklärt er. Bei Lidl Deutschland will man dagegen zum aktuellen Zeitpunkt noch keine Angaben zu den Öffnungszeiten an Heiligabend machen.

Verständnis der Verbraucher

Die meisten Verbraucher auf der Straße haben indes Verständnis dafür, wenn Läden an Weihnachten nicht öffnen wollen. „Meiner Meinung sollte man an Heiligabend glücklich und im Kreise seiner Lieben sein und nicht noch ans Einkaufen denken“, sagt etwa eine 74-jährige Enzbergerin. Eine 16-Jährige aus Dürrmenz vermutet, dass es sich für die Einzelhändler auch gar nicht lohnen würde. „Viele gehen lieber in die Kirche oder zu ihrer Familie“, glaubt sie, wenngleich sie es durchaus praktisch für Einkäufe in letzter Minute fände.

„Es wäre mit Sicherheit ein Mehrwert für alle Gewerbetreibenden in der Bahnhofstraße, genau diese Käufer auf den letzten Drücker einzubinden“, glaubt Frank Tichlers von Blumen Berret. „Persönlich bin aber der Meinung, dass man es allen gönnen sollte, diesen Tag frei zu haben“. Das sieht auch Carsten Bernauer von der Just Parfümerie so: „Für letzte Einkäufe sollte doch auch der Samstag zuvor genügen.“

Bisher gilt die Ausnahmeregelung an Heiligabend ohnehin nur für Lebensmittelläden. Eine generelle Ausweitung an Heiligabend auch für andere Bereiche des Einzelhandels hält Citymanager Rolf Watzal nicht für sinnvoll. „Wir haben bereits zwei verkaufsoffene Sonntag in Mühlacker und das reicht“, sagt Watzal. Allerdings hat der ehemalige Buchhändler durchaus die Erfahrung gemacht, dass der Heiligabende zu den umsatzstärksten Tagen gehört. „Da kamen vor allem die Ehemänner und haben noch ein Geschenk gesucht“, sagt er. „Wenn Heiligabend auf einen Sonntag fällt, müssen sie sich eben ein bisschen mehr anstrengen“, erklärt er.