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Heimat kurios: Auf den Spuren der Mönche © Seibel
18.04.2012

Heimat kurios: Auf den Spuren der Mönche

Mit Legenden ist das ja meist so eine Sache. Nichts Genaues weiß man nicht, und übertrieben wird in der Regel ohnehin. Auch in Maulbronn liegen die Anfänge des Klosters im Dunkeln.

Bildergalerie: Heimat kurios: Den Mönchen auf der Spur

Laut alten Überlieferungen wies einst ein Maulesel den ursprünglich am Eckenweiher im heutigen Mühlacker siedelnden Mönchen den Weg in eine bessere Zukunft – und in eine Gegend, in der es Wasser und Steine gab. Die Mönche, so erzählt die Legende weiter, errichteten dann an jener Stelle das Kloster, an der ihr Esel Halt machte, um zu trinken. Das klingt alles reichlich kurios. Dennoch fragt man sich: Wie war das damals überhaupt, und wo müsste die Anlage heute errichtet werden, würde man nach den gleichen Kriterien vorgehen wie die Zisterzienser vor über 850 Jahren? Also hinein in die Mönchskluft, die Esel gesattelt und los geht’s vom Eckenweiher in Mühlacker in Richtung Maulbronn.

Die beiden Esel heißen Pia und Emilio, was für das Jahr 1147 ziemlich italienisch klingt. Aber das macht nichts, schließlich sprachen die Mönche mit Latein ja gewissermaßen die Urform des Italienischen. Der Tross, bestehend aus zwei Amateur-Mönchen sowie Harald, Leo und Marlies Klotz – den Besitzern der Grautiere – unterhält sich der Einfachheit halber jedoch auf Deutsch.

Bereits nach ein paar Hundert Metern keimt erstmals Gründerstimmung auf. Pia senkt den Kopf, zieht zum Wegesrand – und nimmt den verdutzten Eselführer gleich mit. So ein kleiner Esel kann ziemlich kräftig ziehen, wie sich im Laufe der zweistündigen Wanderung immer wieder zeigt. Die beiden Freizeit-Zisterzienser erweisen sich mit Pia und Emilio mehr als einmal als leicht überfordert.

Offenbar knurrt Pia aber nur der Magen, eine Wasserquelle gibt es nicht. Harald Klotz sieht ihren großen Appetit skeptisch. Die saftigen Gräser wirken bei dem ursprünglich in kargem Gebirge beheimateten Tier fast schon wie Kraftfutter. Und die elegante Eselsdame hat ohnehin schon ein bisschen Wohlstandsspeck auf den Rippen. Mit einem routinierten Griff ans Zaumzeug zieht Klotz sie wieder auf den Weg, die Tour geht weiter.

Vorbei an dem einer Chartaque nachempfundenen Aussichtsturm hoch über Ötisheim, erwartet die Gruppe tief im Wald endlich ein kleiner Tümpel. In der Nähe liegt die Schmiebachquelle, und das Herz des „Schmieremers“ Harald Klotz hüpft angesichts der heimischen Gefilde. „Wären die Mönche damals hier entlanggekommen, hätten sie das Kloster bestimmt in Schmie gegründet“, ist er sicher. „Schließlich hatten auch wir Wasser und Stein.“

Dass es nicht so gekommen ist, kann Klotz verschmerzen. Und Pia? Sie scheint nicht besonders darauf erpicht, das Wasser zu probieren. Verständlich, die braune Brühe sieht nicht besonders einladend aus. Die Eselin tröstet sich mit spärlichen, aber saftig grünen Gräsern, die sie am Ufer findet. Der Mönch redet gut zu, streichelt, bettelt – ohne Erfolg. Die letzte Etappe wartet.

Der Tross nähert sich nach und nach der Maulbronner Klosteranlage. Kurz vor dem Ziel steht noch die Überquerung der Bundesstraße auf dem Plan. Gut, dass die Mönche mittlerweile wissen, wie sie den Esel stoppen: Zupacken und vor ihn stehen. Wer nur zieht, dreht mit dem Grautier höchstens Pirouetten.

 

Im Kloster angekommen, hält die Gruppe zielstrebig auf den Brunnen vor dem Seminar zu. Doch getrunken wird auch hier nicht. Selbst an der Stelle, an der ein Maulesel-Urururgroßvater einst trinkenderweise das Kloster gegründet haben soll, ziehen Pia und Emilio die Wiese vor. Ob der Maulbronner Maulesel einst tatsächlich eine Quelle gefunden hat? Man weiß es nicht. Aber saftiges Gras ganz bestimmt.

Stefan Dworschak / Maximilian Lutz