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Sehnsuchtsvolles Warten: Obwohl etwa 80 Psychotherapeuten in Pforzheim und dem Enzkreis niedergelassen sind, warten viele Patienten auf einen Termin. Foto: Fotolia
Sehnsuchtsvolles Warten: Obwohl etwa 80 Psychotherapeuten in Pforzheim und dem Enzkreis niedergelassen sind, warten viele Patienten auf einen Termin. Foto: Fotolia
31.03.2017

Hilfe verzweifelt gesucht: Frau aus Mühlacker findet keinen Therapeuten

Mühlacker. Das Schlimmste schien überstanden. Ein schwerer Unfall kostete die Tochter von Sandra K. aus Mühlacker fast das Leben. Doch das schwerverletzte junge Mädchen überstand Operation um Operation, kämpfte sich Monat für Monat zurück ins Leben – und erholte sich. Nun sollte die Anspannung abfallen von der besorgten Mutter. Doch das Gegenteil ist der Fall: Sandra K. wird von Ängsten geplagt, sie kann kaum noch schlafen.

Nach langem Ringen wird ihr klar: Alleine wird sie es nicht schaffen. Sie will den Rat eines Psychologen suchen. Doch Therapeut um Therapeut lehnt sie ab. Die Praxen sind voll. Termine gibt es nur nach langen Wartezeiten. „Sieben Wochen bis zu einem Erstgespräch, 15 Wochen bis zu einem Therapieplatz sind gang und gäbe“, bestätigt Dr. Rüdiger Nübling von der Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg. Insofern könne er die Frage, ob es zu wenig niedergelassene Psychotherapeuten gebe, natürlich bejahen. Anders sieht das allerdings die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg. Ihre Zahlen ergeben, dass in Pforzheim und dem Enzkreis etwa 80 Psychotherapeuten die gesetzlich Versicherten behandeln. „Das sind weit weniger Sitze, als für die Versorgung nötig“, gesteht Sprecher Kai Sonntag zwar ein. Weitere Kassenärzte dürfen sich in der Region aber dennoch nicht niederlassen. „Da geht es auch um die Frage, wie wir die Ausgaben im Gesundheitssystem deckeln“, so Sonntag. Durch mehr Sitze für Psychotherapeuten lasse sich das Problem aus seiner Sicht ohnehin nicht lösen. „Da bräuchten wir viel, viel, viel mehr“, erklärt er. Die Politik habe deshalb beschlossen, etwas zu tun, um mit dieser Situation umzugehen. Das Fazit ist eine umfangreiche Strukturreform, die zum ersten April in Kraft tritt.

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