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Maja ist sehr kreativ, was ihre Mutter unbedingt fördern möchte. Beim Basteln und Malen kommt das neunjährige Mädchen, das unter anderem an schwerem ADHS leidet, zur Ruhe.  Foto: Schrader 

Hilferuf einer Mutter: Neunjährige mit ADHS gilt als „nicht beschulbar“

Knittlingen-Freudenstein. Es war im September 2018, als die Situation völlig eskalierte. Maja (alle Namen von der Redaktion geändert), ein neunjähriges Mädchen mit diagnostiziertem ADHS, Teil-Autismus und einer Sprachentwicklungsstörung hat auf dem Pausenhof der Schule Enzberg einen Wutanfall, ist aggressiv, spuckt und schlägt. Die Lehrer der sonderpädagogischen Einrichtung sind hilflos. So zumindest erzählt es ihre Mutter Christin. „Dann kam die Polizei – und die hat Maja dann abgeführt.“ Seitdem dürfe sie nicht mehr zur Schule gehen, gelte als „nicht beschulbar“.

Eine Situation, die ihre Mutter aber nicht akzeptieren möchte. „Maja will zur Schule gehen, will etwas lernen“, sagt die 50-Jährige. Deshalb sucht sie verzweifelt nach einer dauerhaften Unterbringung in einer Einrichtung, in der ihre Tochter mit anderen Kindern zur Schule gehen kann und gleichzeitig therapeutische Hilfe bekommt.

Sie selbst könne das nicht in der Form leisten, so die Altenpflegerin und Kauffrau im Gesundheitswesen, die in Eutingen arbeitet. Mit ihrem Mann, der die meiste Zeit auf den gemeinsamen Sohn (7) und Bruder von Maja aufpasst, lebt sie in einem Haus, aber in getrennten Wohnungen. Die Scheidung läuft.

Sie tue alles, was sie kann, habe schon dreimal an einem Elterntraining teilgenommen, nehme die Familienhilfe in Anspruch, gehe mit Maja zum Kinderpsychologen. Sie telefoniere sich die Finger wund, um nach einer geeigneten dauerhaften Unterbringung zu suchen. Alle lehnten ihre Tochter ab.

Mehr lesen Sie am Donnerstag, 13. Juni, in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.

Über ADHS bei Kindern

Bei ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom) handelt es sich um eine neurobiologische Erkrankung, bei der es zu einer teils veränderten Informationsübertragung zwischen Nervenzellen im Gehirn kommt. Die Kernsymptome sind Aufmerksamkeitsstörungen, Hyperaktivität und Impulsivität, die sich bei jedem Betroffenen unterschiedlich stark zeigen können. Wie sich ADHS bei Kindern im Grundschulalter äußern kann, stellt der Verein ADHS Deutschland auf seiner Internetseite www.adhs-deutschland.de anschaulich dar: „Wenn das Kind in die Schule kommt, werden die Anforderungen größer. Es soll sich sozial integrieren und Spielregeln akzeptieren lernen, aber genau da liegt das Problem: In der Zweierbeziehung können einfache Regeln noch akzeptiert und verstanden werden, doch sind mehrere Kinder beteiligt, so ist es nicht mehr möglich. Das Kind versucht, die Regeln zu ändern, und wenn die anderen nicht mitmachen, gibt es Spannungen und Streit. Bereits nach kurzer Zeit kommt es zur Ablehnung durch die Kameraden, weil sie nicht bereit sind, den Herrschaftsansprüchen eines Kindes zu folgen. Will das Kind es gut machen, missglückt ihm dies. Enttäuscht fängt es an, zu weinen und wird dafür von den Kameraden ausgelacht, weil es nicht gelernt hat, sich zu beherrschen. Diese Affektlabilität und Frustrationsintoleranz ist typisch für das Kleinkindesalter. Im Schulalter ist diese Phase bei anderen Kindern meist schon überwunden, nicht jedoch bei Kindern mit psychosozialer Entwicklungsverzögerung – sie sind in dem kleinkindhaften Verhalten stehen geblieben (...). Impulsivität und Aggressivität sind bei diesen Kindern weit verbreitet und sie scheinen oft auch kein Angstgefühl zu haben.“

Schulpflicht

Generell ist jedes Kind schulpflichtig. Allerdings kann diese in bestimmten Fällen ausgesetzt werden. Zum Beispiel wenn das Kind wie Maja als „nicht beschulbar“gilt. Diese Kinder müssen dann aber eigentlich unter Aufsicht von Sozialpädagogen anderen sinnvollen Tätigkeiten nachgehen, bis sie (wieder) in die Lage versetzt sind, am Unterricht teilzunehmen. Ob ein Kind die Schulpflicht erfüllt, kontrolliert die jeweilige Schule, die bei Problemen das jeweilige Schulamt einschaltet.