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Seit Juli klebt das „Plan B“-Symbol auf dem Klingelschild in der Hindenburgstraße.
Seit Juli klebt das „Plan B“-Symbol auf dem Klingelschild in der Hindenburgstraße.
Einfach und praktisch eingerichtet sind die Zimmer im Übergangswohnheim.
Einfach und praktisch eingerichtet sind die Zimmer im Übergangswohnheim.
19.08.2018

Hilfsorganisation „Plan B“ eröffnet Übergangswohnheim in Mühlacker

Auf den ersten Blick sieht die Wohnetage direkt unter dem Dach des Eckgebäudes in der Mühlacker Hindenburgstraße wie eine Studenten-WG aus. Drei kleinere Zimmer mit je rund 30 Quadratmetern, eine Gemeinschaftsküche mit gemütlicher Sitzecke sowie ein kleines Bad plus Toilette umfasst der Wohnbereich. Allerdings mit dem feinen Unterschied, dass hier keine Studenten leben, sondern junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 25 Jahren, die bereits obdachlos waren oder von Obdachlosigkeit bedroht sind und ihr Leben wieder in den Griff kriegen wollen.

Das Projekt der privaten Jugendhilfeorganisation „Plan B“ in Mühlacker wird von der PZ-Initiative „Menschen in Not“ mit mehreren Tausend Euro unterstützt. Von dem Geld wurden im Wohnheim bereits Einrichtungsgegenstände wie Schränke, Betten, Tische, Stühle oder auch das gesamte Küchenmobiliar angeschafft.

Anlaufstelle in schwieriger Lage

Seit Ende Juli hat das Übergangswohnheim der Hilfsorganisation „Plan B“, die auch Suchtkranke betreut, in der Hindenburgstraße geöffnet. „Wir bieten jungen Erwachsenen eine Anlaufstelle, Betreuung und die Möglichkeit, aus einer schwierigen Lage herauszufinden, um ein geregeltes Leben zu führen“, sagt Verena Köllisch. Die Sozialpädagogin von Plan B ist für das Wohnheim in Mühlacker zuständig, arbeitet eng mit der Mobilen Jugendarbeit vor Ort zusammen, und steht ihren Schützlingen täglich mit Rat und Tat zur Seite. Das reicht reicht von der Job- bis zur Wohnungssuche, denn der Aufenthalte im Übergangswohnheim ist zunächst einmal auf acht Wochen begrenzt. „Voraussetzung ist generell, dass die jungen Erwachsenen selber mitarbeiten und den Willen zeigen, ihr bisheriges Leben ändern zu wollen“, betont sie. Darum bemüht sich derzeit auch Bernhardt M. (Name von der Redaktion geändert). Der 18-Jährige aus dem Enzkreis ist nach einem Streit von seiner Mutter vor die Tür gesetzt worden. Für einige Monate kam er bei einem Freund unter, bis ihn dann Nathalie Pavan von der Mobilen Jugendarbeit in Mühlacker an das Übergangswohnheim vermittelte. „Mir gefällt es hier“, sagt der 18-Jährige, der in der Nähe auch schon einen Ausbildungsplatz gefunden hat. Ein finanzielles Problem verschärft seine Lage aber zusätzlich. „Ich bin verschuldet, weil ich nicht gut mit Geld umgehen kann“, erzählt der junge Mann. Auch aus diesem Grund sei er über die Unterstützung von „Plan B“, speziell bei der weiteren Wohnungssuche, sehr dankbar. „Alleine würde ich das nicht schaffen“, sagt der 18-Jährige.

Wohnraum ist schwer zu finden

Solche Einzelfälle kennt Harald Stickel, Geschäftsführer von „Plan B“, aus dem Effeff. Denn in Pforzheim läuft das Projekt mit je einem Übergangswohnheim für Männer und Frauen schon seit ein paar Jahren. „Wohnraum für solche Zwecke auf dem freien Markt zu finden, wird aber immer schwieriger“, betont der Diplom-Sozialarbeiter. Das gelte im Besonderen für Mühlacker. „Dort hatten wir das Glück, dass uns ein Hauseigentümer wohlgesonnen war“, schildert Stickel, dessen Hilfsorganisation zumindest noch für einen Zeitraum von zwei Jahren finanziell von der Stuttgarter Vector-Stiftung unterstützt wird.

„Momentan sind wir voll belegt. Es gibt eine Warteliste“, sagt die für Pforzheim zuständige Plan B-Sozialpädagogin Juliane Burkardt. Man sei froh und glücklich, nun auch im Enzkreis über eine solche Einrichtung zu verfügen. Rund 30 junge Erwachsene durchliefen pro Jahr das Programm. „Den meisten konnten wir nach der Übergangszeit auch eine andere Wohnung vermitteln“, bilanziert Juliane Burkardt.