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Eigentümerin Susanne Jankowski (Zweite von rechts) und die Projektentwickler der Karlsruher Privatbrauerei Hoepfner Siegbert Kössler (ganz rechts) und Frank Scharberth (ganz links) wünschen Giuliana Vargiu alles Gute für die Neueröffnung des „Hirsch“ in Knittlingen. Den Pizza-Schieber hat die neue Pächterin schon mitgebracht. Foto: Hepfer
Eigentümerin Susanne Jankowski (Zweite von rechts) und die Projektentwickler der Karlsruher Privatbrauerei Hoepfner Siegbert Kössler (ganz rechts) und Frank Scharberth (ganz links) wünschen Giuliana Vargiu alles Gute für die Neueröffnung des „Hirsch“ in Knittlingen. Den Pizza-Schieber hat die neue Pächterin schon mitgebracht. Foto: Hepfer
Am 24. Juni öffnet die neue „Pizzeria zum Hirsch“ in der Knittlinger Marktstraße mit einem Sektempfang und kostenlosen Cocktails ihre Pforten. Foto: Hepfer
Am 24. Juni öffnet die neue „Pizzeria zum Hirsch“ in der Knittlinger Marktstraße mit einem Sektempfang und kostenlosen Cocktails ihre Pforten. Foto: Hepfer
18.06.2017

„Hirsch“ in Knittlingen erwacht aus dem Dornröschenschlaf

Knittlingen. Seit gut einem Jahr herrscht Stille in der Knittlinger Traditionsgaststätte „Hirsch“ zwischen Faustmuseum und Rathaus. Nur der Schriftzug „Ristorante Pizzeria“ erinnert noch daran, dass dort bis April 2016 reger Betrieb herrschte. Damals hatte der ehemalige Pächter über Nacht klammheimlich das Feld geräumt und ist seither unauffindbar. Hinterlassen hat er einen Berg von unbezahlten Rechnungen und Verbindlichkeiten im fünfstelligen Bereich. Doch bald werden die Räume wieder mit Leben gefüllt.

Am Samstag, 24. Juni, wird nun die „Pizzeria zum Hirsch“ mit einem Sektempfang und kostenlosen Cocktails eröffnet. „Ich habe mich sofort in das Lokal verliebt“, sagt die neue Pächterin Giuliana Vargiu, die das Restaurant zusammen mit ihrem Lebensgefährten übernommen hat und damit die eigene Familientradition fortführt. Denn auch schon ihre Eltern und Großeltern waren Wirtsleute, die mit ihrer italienisch-mediteranen Küche ein Stück Heimat nach Deutschland gebracht haben. Für die 26-Jährige ist es das erste Restaurant, dass sie in Eigenregie führt. „Als ich mir das Gebäude zum ersten Mal angeschaut habe, dachte ich, das ist ein toller Laden“, sagt Vargiu, die in den vergangenen Wochen einiges an Zeit und Arbeit investiert hat, um den „Hirsch“ wieder flottzumachen.

Ein neuer Herd und Pizzaofen steht bereit. „Ich denke, hier in Knittlingen steckt Potenzial, dass auch genügend Gäste kommen“, meint die Deutsch-Italienerin, gibt aber gleichzeitig zu: „Ich bin schon ein bisschen aufgeregt und gespannt, was alles auf mich zukommt.“

Vertrauen genießt die Jung-Gastronomin besonders bei Susanne Jankowski. Sie und ihre Geschwister sind die Eigentümer des „Hirsch“, einer Gaststätte mit über 100-jähriger Tradition. 2007 wurde das Gebäude von Grund auf saniert. „Wir haben eine Menge Geld reingesteckt“, bekennt Jankowski. „Aber gerade im vergangenen Jahr hatte ich eine Menge Ärger.“ Obwohl das Restaurant bei den Knittlingern recht beliebt war, ging es mit dem Geschäft bergab. „Es sind vor allem betriebswirtschaftliche Fehler gemacht worden“, sagt Siegbert Kössler von der Privatbrauerei Hoepfner in Karlsruhe. Vor zehn Jahren hatte er das Projekt „Pizzeria Ristorante Hirsch“ zusammen mit den Eigentümern entwickelt. Doch mit der Zeit häuften sich die Schwierigkeiten. Die vereinbarten Öffnungszeiten wurden vom damaligen Pächter nicht mehr eingehalten und auch das Klima im Hinblick auf die Gäste sei mehr und mehr von Unfreundlichkeit geprägt gewesen, erzählt Kössler. „Das hat der Kundschaft nicht gutgetan, denn die lässt sich nicht gerne an der Nase herumführen.“

Schließlich sei auch die Pacht nicht mehr bezahlt worden, fügt Susanne Jankowski hinzu. Man sei dem Pizzeria-Betreiber mehr als einmal entgegengekommen und habe etwa Zahlungsbeträge gestundet. „Irgendwann ging es aber nicht mehr weiter und ich habe ihm gekündigt“, schildert Jankowski die Situation. Weil sie die Misere Nerven gekostet habe, sei ihr ursprünglicher Plan gewesen, das Gebäude zu verkaufen. Durch Zufall und Mundpropaganda habe sich dann allerdings Giuliana Vargiu bei ihr gemeldet. Und weil die Familie auch das Erbe der Eltern erhalten wollte, habe man sich dazu entschieden, einen Neuanfang zu starten.

Von der „Ritterschenke“ bis zur „Kanne-Post“ hätten in Knittlingen zuletzt einige traditionsreiche Gaststätten zugemacht, gibt Siegbert Kössler zu bedenken. Auch diesem Trend habe man entgegenwirken wollen. „Der ‚Hirsch‘ ist wertvoll für Knittlingen und darf nicht einfach so verschwinden“, macht Kössler deutlich.

Die 30 bis 40 Sitzplätze inklusive Terrasse mit Gästen zu füllen, ist nun die Aufgabe von Giuliana Vargiu. „Es hat mich beeindruckt, wie schaffig sie war und in den vergangenen Wochen die Ärmel hochgekrempelt hat“, lobt Susanne Jankowski. Pizza, Pasta und Salat in einer gemütlichen Atmosphäre wollen Vargiu und ihr Lebenspartner künftig in der „Pizzeria zum Hirsch“ bieten. Geöffnet hat die Knittlinger Gaststätte ab 24. Juni, montags bis freitags von 11 Uhr bis 14 Uhr sowie von 17 bis 22 Uhr und am Samstag/Sonntag jeweils von 17 bis 22 Uhr.