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Zufrieden mit dem Leben und sich selbst: Ewald Veigel im Wohnzimmer seines Hauses.
Zufrieden mit dem Leben und sich selbst: Ewald Veigel im Wohnzimmer seines Hauses. © Lutz
20.07.2011

Illingens Ex-Bürgermeister Ewald Veigel wird 75

ILLINGEN. Illingens ehemaliger Bürgermeister Ewald Veigel wird am Donnerstag 75. Anlässlich seines Ehrentags hat ihn die PZ in seinem Haus am Illinger Ortsrand besucht.

Der Rasen seines Grundstücks könnte auch einmal wieder gemäht werden, sagt Ewald Veigel und seufzt. Knöchelhoch steht das Gras im Garten, vereinzelt sprießen Löwenzahn und Unkraut. Ein Bild, das dem 75-Jährigen sichtlich nicht gefällt. „Demnächst muss ich wieder ran, da hilft nichts.“ Für Veigel ist es Ehrensache, dass er seinen Rasen selbst in Schuss hält. Schließlich legt er Wert darauf, nicht nur in der Politik ein bestelltes Feld oder, um im Bild zu bleiben, eine gemähte Wiese hinterlassen zu haben.

28 Jahre lang war Veigel Bürgermeister in Illingen. Und das in einer Zeit, die für Macher wie ihn wie geschaffen schien. „Als ich anfing, im Jahre 1966, gab es hier nichts. Keine Straßen, keine Kanalisation, schlicht überhaupt keine Infrastruktur.“ Seine Frau habe ihn zu jener Zeit gefragt, warum er sich das antun wolle. Doch der damals 29-Jährige sah, wie er im Rückblick auf jene Zeit erzählt, immer nur die Chancen, nie die Schwachstellen oder Probleme. „Mein Ziel ist es immer gewesen, die Gemeinde nach vorne zu bringen. Und das geht nicht, wenn man einen zögerlichen Charakter besitzt und sich nicht durchsetzen kann. Für mich hieß das Credo immer: bauen, bauen, bauen.“

Umgesetzt hat Veigel diesen Vorsatz in seiner Dienstzeit an vielen Stellen. Waren es am Anfang neue Straßen und ein Bahnübergang, für den ihm die Illinger noch heute dankbar sind, so nahm sich der Schultes bald größerer Projekte an: Eine neue Ortsmitte und neue Gewerbegebiete wie das Illinger Eck entstanden unter seiner Ägide, um nur ein paar Beispiele zu nennen. „Ich war immer aufs Bauen fokussiert, weil man nur dadurch neue Strukturen schaffen kann, die Leute in eine Gemeinde ziehen“, sagt Veigel, heute Ehrenbürger Illingens.

Wegbegleiter wie Gemeinderat Winfried Scheuermann (CDU) sehen in FDP-Mann Veigel daher einen Bürgermeister, der mit den anderen Verwaltungschefs jener Tage wenig gemein hatte: „Meist lief es so, dass Ewald Veigel ein Projekt anstieß, sein ganzes Herzblut hineinsteckte und die alltägliche Verwaltungsarbeit seinen Mitarbeitern überließ“, sagt Scheuermann, der sich die lange Amtszeit Veigels auch durch dessen leutselige Art erklärt. „Er ist ein sehr angenehmer Mensch, der gut mit den Leuten kann, aber wehe es geht ihm einmal jemand ernsthaft auf die Nerven“, sagt Scheuermann und lacht.

Der Jubilar selbst betont, dass er mit dem heutigen Stil vieler Bürgermeister nicht viel anfangen kann. „Heute ist man ja eher Moderator, und nicht mehr so der Ideengeber wie zu meiner Zeit, dem die Leute dann auch folgen.“ Frank Kreeb, langjähriger Bürgermeister von Engelsbrand und gut bekannt mit Ewald Veigel, versteht diese Aussagen seines ehemaligen Kollegen. „Er war immer sehr innovativ und man hat unheimlich viel mit ihm anstellen können. Aber er hatte auch immer seine Meinung, und die hat er einem auch deutlich gesagt“, so Kreeb.

Heute, nach 28 Jahren Bürgermeisteramt, 20 Jahren im Kreistag, zehn Jahren im Regionalverband und einer weniger glücklichen Zeit als Manager des Mühlacker Mühlehofs, die mit der Zwangsverwaltung des Gebäudes im Jahr 2004 endete, was Veigel heute noch bedauert, tritt der Jubilar nun etwas kürzer. Zwar wickelt er zur Zeit Firmen in Sanierungsgebieten ab und kümmert sich um kommunale Gemeinschaftseinrichtungen, doch seine Leidenschaft gilt nun, trotz seines fortgeschrittenen Alters, mehr denn je dem Sport und der Literatur. Dem Sport, um fit und gesund zu bleiben, der Literatur, um mitreden zu können und sich auch im Herbst des Lebens noch weiterzubilden. Ansonsten genießt er gemeinsam mit seiner Frau Gertrud den herrlichen Blick von seinem Balkon in Richtung Schützingen, das unter seiner Ägide eingemeindet wurde. „Letztlich würde ich das Allermeiste noch einmal genau so machen“, sagt Ewald Veigel und lehnt sich zufrieden zurück. Die Wiese muss dieses Mal noch ein Weilchen warten. Maximilian Lutz