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In der Betreuung von Flüchtlingen hat Konrad Reuter aus Illingen eine neue Lebendaufgabe gefunden. Foto: Schierling
In der Betreuung von Flüchtlingen hat Konrad Reuter aus Illingen eine neue Lebendaufgabe gefunden. Foto: Schierling
12.12.2016

Illinger Flüchtlingshelfer über das Treffen zwischen Edris Akbari und Angela Merkel

Illingen. „Ich wurde oft gefragt, ob die Begegnung in Heidelberg ein abgekartetes Spiel war“, sagt Konrad Reuter. Der 67-jährige Flüchtlingshelfer spricht von jenem Moment, als der kleine Edris Akbari aus Afghanistan auf der CDU-Regionalkonferenz das Mikrofon ergriff und sich bei Bundeskanzlerin Angela Merkel bedankte. „Nichts war abgesprochen“, sagt Reuter. Die Idee, Edris mitzunehmen, sei ihm am Wochenende davor gekommen. Er sei als neu eingetretenes CDU-Mitglied selbst das erste Mal bei einer politischen Versammlung gewesen. „Ich wusste nicht, dass da jeder sich zu Wort melden darf“, so Reuter.

Schon seit einiger Zeit engagiert sich der ehemalige Berufsschullehrer für die Fächer Chemie, Physik und Biologie für Flüchtlinge. Aufgerüttelt habe ihn der Besuch eines Transitcamps während eines Urlaubs in Slowenien über den Jahreswechsel 2015/16. „Ich stand vor einem Meter hohen Zaun. Davor Soldaten, dahinter Zelte“, sagt Reuter. Das habe ihn geschockt. Die Erlebnisse hat Reuter in dem Buch „Im Camp der Geflüchteten“ geschildert. Er habe es vor allem für sich selbst geschrieben – um das Erlebte zu verarbeiten. „Dann habe ich alles mit anderen Augen gesehen“, erzählt er.

Seitdem engagiert er sich in Deutschland für Geflüchtete. Zunächst beim Freundeskreis Asyl. „Nach enttäuschenden Unterrichtserfahrungen in der Ferdinand-von-Steinbeisschule in Mühlacker und ernüchternden Erfahrungen mit dem ‚Arbeitskreis Asyl‘ in Illingen habe ich mich selbständig gemacht und kämpfe nun im Ein-Mann-Betrieb“, sagt er. Dabei geht es ihm in erster Linie darum, dass die Flüchtlinge so schnell wie möglich Sammelunterkünfte verlassen können, eine Wohnung finden und einen Beruf erlernen. Kein einfaches Unterfangen. Denn sowohl bei der Wohnungssuche, als auch bei der Suche nach Praktikumsplätzen brauchen Reuter und die Flüchtlinge einen langen Atem. „Man muss hartnäckig bleiben“, sagt Reuter.

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