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23.07.2010

Im Land der Kakadus und Kängurus - Maulbronner in Australien

Die Wiedersehensfreude war groß, als mich Simon in Perth abholte. Kennen gelernt hatten wir uns 2005, als er zu Besuch in Deutschland war. Und jetzt trafen wir uns wieder, hier in West Australien, wo meine Fahrradreise durch den Kontinent starten sollte.

Bildergalerie: Uwe Schoppel aus Maulbronn bereist Australien (Teil 1)

Ich hatte schon viel über das Land gehört und gesehen – nun war es an der Zeit mir selber ein Bild zu machen. Schnell stand für mich fest, dass ich wieder mit dem Fahrrad reisen wollte. So bin ich unabhängig und das Vorwärtskommen kostet nicht zu viel Geld. Es gibt zugleich ein gutes Gefühl, wenn man abends auf der Landkarte die zurück gelegte Strecke sieht, andere aus den Autos heraus winken oder nach dem „Woher und Wohin“ gefragt und Anerkennung ausgesprochen wird.

Nach ein paar Tagen in Perth hieß es Abschied zu nehmen. Die ersten Etappen wollte ich langsam angehen, um mich wieder an das Radeln zu gewöhnen, aber es lief besser als gedacht und am Abend konnte ich schon auf 120 Kilometer zurückblicken – auch sah ich die ersten Kängurus. Als die Sonne unterging, hieß es für mich ins Zelt zu gehen, das ich nahe an einem Weidezaun aufgestellt hatte.

In den ersten Tagen war für mich alles noch neu: die Vögel, die Landschaft, aber auch der Linksverkehr, der doch etwas gewöhnungsbedürftig war. Da passierte es schon mal, dass ich nach dem Wasserauffüllen in Gedanken einfach auf der falschen Seite geradelt bin, bis ein Auto mich anhupte und ich schnell die Seite wechseln musste. Auf dem Weg nach Geralton machte ich auch meine erste Bekanntschaft mit dem kräftigen Wind, der mir ganz schön zusetzte. Meinen ersten Ruhetag verbrachte ich in Geralton damit, den Ort anzuschauen und das Museum zu besuchen, in dem der Untergang und die daraus resultierende Tragödie der Batavia dargestellt wird. Die damals zurück gelassenen Meuterer waren die ersten Europäer, die den Australischen Kontinent betreten haben.

Die Strecke weiter nach Norden brachte landschaftlich keine Überraschungen, dafür lernte ich schnell, dass ich aufpassen sollte, wenn ich mich von der Straße weg bewege. Hier machten mir Dornen das Leben schwer. Nachdem ich auf der USA/Alaska Fahrradreise auf 10 000 Kilometern keinen Platten hatte, durfte ich nun gleich zwei doppelte verbuchen. Selbst meine stabilen Packtaschen konnten den Stacheln nichts entgegen setzen, und so hieß es, einen Platz frei zu räumen für Zelt, Packtaschen und das Rad. Schnell hatte ich die Reifen geflickt. Kochen musste ich dann leider im Schein meiner Stirnlampe, da die Tage hier im Winterhalbjahr kurz sind.

 

Um mir künftigen Ärger mit platten Reifen zu ersparen, nächtigte ich nun auf den Raststätten. Ein besonderer Vorteil war hier, dass ich nie alleine war. Ich traf immer wieder Camper, die Tisch und Bank zur Verfügung hatten und mich immer wieder eingeladen haben, um auch mit am Lagerfeuer zu sitzen und Wein oder eine Grillwurst zu genießen. Als Gegenleistung erzählte ich den meist älteren Reisenden von meinen Abenteuern in der ganzen Welt. Gerne hätte ich ein paar Strände oder auch Monkey Mia angeschaut, wo die Delfine nahe herankommen, um sich füttern zu lassen, aber einen Abstecher von 200 Kilometern wollte ich nicht auf mich nehmen, zumal ich Proviant für die ganze Strecke hätte einpacken müssen. So blieb ich dem „North West Coastal Highway“ treu und erreichte das bei Backpackern beliebte Carnarvaron – beliebt, weil man hier auf den Plantagen seine Reisekassen aufbessern kann als Pflücker und Erntehelfer.

Auch mir wurde gleich Arbeit angeboten, aber anders als die Backpacker habe ich nur ein Visum, das für über Dreißigjährige nicht als „work and travel visum“ ausgestellt ist. Im örtlichen Buchladen besuchte ich den 75-jährigen zweimaligen Australien- Umradler, der mir ein paar wertvolle Tipps gab; vor allem klärte er mich auf, dass ich die falsche Fahrtrichtung gewählt hatte, weil der Wind mir sehr zusetzen werde.

Allmählich hatte ich mich nun an das Alleinreisen und an die langen Distanzen zwischen den Roadhouses gewöhnt, wo ich meine Wasservorräte auffüllen konnte. Die nächsten Etappen ließen mir bis zu 240 Kilometer Entfernungen keine Möglichkeit Wasser aufzufüllen. So musste ich gut vorplanen, wobei mich allerdings am Anfang der Himmel mit genug Nässe versorgte; der rote Staub um mein Nachtlager verwandelte sich in roten Lehm und tagsüber spritzten die vorbeirasenden Roadtrains genug Wasser, um abzukühlen. Der wieder aufkommende Wind vertrieb zwar die Wolken, machte aber ein zügiges Vorwärtskommen fast unmöglich. Mit 12 bis 15 Kilometern pro Stunde quälte ich mich vorwärts – so konnte das nicht weitergehen. Weil es nachts windstill war, blieb mir nichts anderes übrig, als in dieser Zeit zu radeln. Dass man nichts von der Landschaft sieht war egal, denn seit Perth hatte sich wenig verändert.

Anders war es mit dem Verkehr. Hier galt es besonders acht zu geben, weil es in dieser Gegend einige Abbaugebiete beispielsweise für Eisenerz gibt und beim Schichtwechsel nach zwölf Stunden Arbeit die Straßen sehr belebt waren. Etwas mulmig war mir schon zu Mute, im Schein meiner Stirnlampe die kommenden Nächte radeln zu müssen, aber so schaffte ich die langen Strecken und endete glücklicherweise nicht wie die allgegenwärtigen „Roadkills“ im Graben. Als ich in Karratha die Touristeninfo ansteuerte, wurde ich gleich von einem Mountainbiker zu sich nach Hause eingeladen. Ich fasste jetzt auch den Entschluss, nicht alles mit dem Rad zurücklegen zu wollen, denn andere Reiseradler und Camper berichteten immer wieder, wie eintönig die kommende Strecke sei und dass der Wind nicht aufhöre zu blasen.

 

Zwei Tage verbrachte ich bei Trevor, dem Mountainbiker, bevor er mich auf den Bus brachte, mit dem ich nach langen 36 Stunden Katherine in den Northern Territorys erreichte. Bei jedem Stopp, den wir machten war ich aber froh, den Bus gewählt zu haben angesichts der endlosen Strecke und dem heftigen Gegenwind. Ab Katherine will ich die Nationalparks besuchen, in denen das Radfahren nicht mehr so eintönig sein wird. Uwe Schoppel