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Daheim im Dürrner Esszimmer: Douglas Drewniak mit seiner Bachelor-Urkunde der  Schottischen Napier-Universität.
Daheim im Dürrner Esszimmer: Douglas Drewniak mit seiner Bachelor-Urkunde der Schottischen Napier-Universität. © Lutz
03.08.2011

In Schottland gibts Strom vom Tante-Emma-Laden

ÖLBRONN-DÜRRN/EDINBURGH. Der Dürrner Douglas Drewniak studiert seit vier Jahren im schottischen Edinburgh. Der Bauingenieur hat in dieser Zeit viele kulturelle Unterschiede entdeckt.

"Bratwurst, Brot und Bier. Das sind mit Sicherheit die Dinge des alltäglichen Lebens, die ich am meisten vermisse“, sagt Douglas Drewniak und lacht. Seit vier Jahren studiert der 25-jährige Dürrner Bauingenieurswesen in der schottischen Hafenstadt Edinburgh, doch noch immer gibt es Gegebenheiten, an die sich Drewniak erst noch gewöhnen muss. „Es gibt viele Produkte, die man aus Deutschland kennt, die es in Schottland einfach nicht oder zumindest noch nicht gibt. Ein richtiges Brot beispielsweise. Die Schotten kennen ja im Prinzip nur Toastbrot. Auch so etwas wie Nutella gibt es erst seit wenigen Jahren.“

Die wohl größte Umstellung zeigt sich jedoch nicht etwa beim Essen, sondern vielmehr dann, wenn man das Licht oder den Fernseher anmachen will. Gerade in den Studentenwohnungen sei es nämlich die Regel, dass man seinen Strom über ein so genanntes Pre-Paid-Verfahren beziehen muss. Ähnlich wie bei einer Guthabenkarte fürs Handy muss man in einen Tante-Emma-Laden oder ein Geschäft gehen, um für einen gewissen Zeitraum Strom zu kaufen. „Das hat vor allem den Sinn, dass der Vermieter keine Scherereien mit der Stromrechnung hat“, sagt Drewniak. „Bezahlen die Mieter nicht, gibt es folglich auch keinen Strom für die nächsten zwei oder drei Wochen.“

Trotz dieser Unterschiede im alltäglichen Leben hat es Drewniak nie bereut, im Jahr 2007 den Schritt ins Ausland gewagt zu haben. „Ich hatte auch das Glück, dass meine Mutter aus Schottland stammt und ich Land und Leute daher aus vielen Urlauben kenne. Zudem habe ich Verwandschaft, die nicht weit von Edinburgh entfernt lebt, was auch vieles erleichtert hat“, sagt Drewniak. Dadurch sei auch das Wetter kein allzu großer Schock gewesen: „Wer in Schottland leben will, dem muss leider klar sein, dass es schon an eine Hitzewelle grenzt, wenn es im Sommer einmal 22 Grad hat.“ Auch die Betreuung an der Napier-Universität, an die er sich eingeschrieben hatte, sei von vorneherein sehr gut gewesen. „Es gibt sehr kleine Kurse von gerade einmal 40 bis 60 Leuten, was natürlich toll ist für die Atmosphäre. Zudem sind die Professoren recht locker drauf und jeder spricht jeden gleich mit Vornamen an.“

Einzig die fremde Sprache habe ihm am Anfang ein wenig Schwierigkeiten bereitet, sagt Drewniak. „Zwar konnte ich mich durch meine Herkunft schon immer recht gut auf Englisch verständigen, doch gerade die vielen Fachbegriffe im Bauingenieursstudium oder das Verfassen von Essays bereitet einem als Ausländer die ersten sechs Monate schon arge Probleme.“ Irgendwann jedoch sei man derart verwurzelt in der Sprache, dass es durchaus vorkomme, in ihr zu denken und sogar zu träumen.

Inzwischen fühlt sich Drewniak derart wohl in Schottland, dass er sich vorstellen kann, auch nach seinem Studium im Norden Britanniens zu bleiben. Sein Bachelorstudium hat er soeben als Jahrgangsbester mit der Traumnote 1,0 abgeschlossen, und ob er noch ein Masterstudium dranhängt, liegt nun auch an den beruflichen Perspektiven, die sich dem 25-Jährigen bieten. „Ich könnte mir, falls es bei einer Firma passt, durchaus vorstellen, gleich dort anzufangen, ohne noch vorher einen Master zu machen. Momentan will ich aber auf alle Fälle noch in Schottland bleiben, da meine Freundin Kila, die ich während des Studiums kennengelernt habe, dort arbeitet.“

Irgendwann einmal zieht es den Dürrner dann wahrscheinlich aber doch wieder zurück nach Deutschland, schon allein wegen seiner Eltern und den vielen Freunden und Verwandten. Und schließlich wartet in der Heimat auch das heiß ersehnte Trio aus Brot, Bier und Bratwurst. Maximilian Lutz