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Werner Koczwara hat die Tücken des Grundgesetzes aufgedeckt. Foto: Jähne
Werner Koczwara hat die Tücken des Grundgesetzes aufgedeckt. Foto: Jähne
16.09.2018

Kabarettist Werner Koczwara in Schützinger Festhalle

Illingen-Schützingen. Dass er schneller redet als die Polizei erlaubt, ist ihm vermutlich noch gar nicht aufgefallen. Denn: Legt Kabarettist Werner Koczwara aus Schwäbisch Gmünd erst einmal so richtig los, dann holt ihn niemand mehr ein.

Der 62-Jährige bot Humorvolles auf der Überholspur an und rund 200 Besucher waren ihm dazu am Samstagabend in die Schützinger Festhalle gefolgt. Dabei sollte doch über das gelacht werden, was einem sonst das Lachen verdirbt: Paragrafen, Ämter, Gesetze, Vorschriften.

Koczwara nennt es selbst „juristisches Kabarett“ was er da so tut. „Einer flog über das Ordnungsamt“ lautete der Titel seines Programms mit Anlehnung an den berühmten Film mit Jack Nicholson („Einer flog übers Kuckucksnest“). Statt dem „Bahnsinn mit dem Wahnhof“ (Zitat seines Kabarett-Kollegen Uwe Spinder über Stuttgart 21) gab es allerhand Irrsinn und Skurriles aus der Welt der deutschen Gesetzessammlungen für das Publikum zu hören. Als Veranstalter des Abends in Schützingen fungierte einmal mehr das Illinger „Spatzabrettle“.

Arbeitsrecht, Reiserecht, Sozialrecht – Koczwara hat alles im Programm. Absurde Urteile oder Urteile, die auf Absurdem beruhen, um mit diesem Beispiel nur eines von vielen zu nennen: „Fällt ein Beamter während der Arbeitszeit im Schlaf vom Stuhl, so gilt dies als Arbeitsunfall“, zitierte Koczwara ein Urteil des Amtsgerichts Düsseldorf.

Doch wer sich einmal die Mühe macht, in den deutschen Gesetzestexten zu wühlen, der findet bald noch viel mehr Lesens- und Erheiternswertes: Von Betrugsfällen bei falschen Leberwürsten und echten Schnitzeln, Verordnungen zum Schutz der San José-Schildlaus oder gegen das Nacktjoggen, Datenschutz für Kühe und selbst vor dem Zusammenstoß mit rennenden Böcken in portugiesischen Hotels wird ausdrücklich gewarnt. „Lebenslänglich ist nicht gleich lebenslänglich“, betonte da der gebürtige Gmünder, um zu erwähnen, dass das Strafmaß dafür in Bayern bei 17,4 Jahren, in Bremen jedoch lediglich bei 8,3 Jahren liege.

Persiflagen auf das Grundgesetz

Ein Bischof verdiene 12 000 Euro im Monat, der Papst überhaupt nichts. Rund zweieinhalb Stunden persiflierte und sezierte Koczwara das deutsche Grundgesetz mit Bravour und Leidenschaft. Dem Italienischkurs mit juristischem Hintergrund folgte die haargenaue Analyse des Lissabon-Vertrags. Wer also mit dem Gesetz in Konflikt gerät, kann dies – Koczwara sei Dank – mit einem lachenden und einem weinenden Auge tun.