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Werke von Johann Sebastian Bach und Carl Philipp Emanuel Bach hatte Jürgen Benkö bei der Orgelvesper in der Winterkirche in seinem Repertoire. Foto: Frommer

Kirchenmusiker Jürgen Benkö beim Orgelvesper in Maulbronn

Maulbronn. Orgelwerke mit variantenreichen Klangfarben im Kloster Maulbronn: Mit nuanciertem Anschlag und ausgefeilter Dynamik prägte der international renommierte Bietigheimer Kirchenmusiker Jürgen Benkö (51) den musikalischen Teil des insgesamt 57. Orgelvespers.

Die von ihm in der Winterkirche dargebotenen Kompositionen aus Barock, Klassik und französischer Romantik fanden am Samstagabend enormen Zuspruch. Die Liturgie gestaltete der ehemalige Pfarrer Hansjörg Lechler. Kantor Thorsten Hülsemann registrierte.

Selten gehörte Komposition

Gleich zwei Komponisten aus der Familie Bach waren bei der Orgelvesper in Jürgen Benkös Repertoire mit Werken vertreten: Johann Sebastian Bach (1685-1750) mit Präludium und Fuge in h-Moll, BWV 544, und sein zweiter Sohn Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788) mit seiner Sonate in D-Dur, Wq 70,5. Während die Fuge in h-Moll bis heute zum wohl meistgespielten großen Orgelwerk Johann Sebastian Bachs zählt, sind die Kompositionen Carl Philipp Emanuel Bachs inzwischen eher selten zu hören, obwohl er zu Lebzeiten seinem Vater an Ruhm zumindest ebenbürtig war. Zu den gottesdienstlichen Elementen der Orgelvesper zählte das gemeinsam gesungene Wochenlied „Du Morgenstern vom ewigen Licht“ sowie Hansjörg Lechlers Lesung aus dem zwölften Kapitel des Römerbriefs. Er zitierte die Verse 9 („Hasst das Böse, hängt dem Guten an“) bis 16 („Haltet euch nicht selbst für klug“).

Ein Musterbeispiel des französischen Orgelbarocks folgte: Die „Suite du deuxième ton“ des Pariser Komponisten und Organisten Louis-Nicolas Clérambault (1676-1749). Ihre sieben grundverschiedenen Sätze – Plein jeu, Duo, Trio, Basse de Cromorne, Flûtes, Récit de Nazard und Caprice sur les grands jeux – erlaubten es Jürgen Benkö erneut, die ganze Variantenbreite der Klangfarben einer meisterlich gespielten Orgel darzubieten.

Die Orgelvesper klang mit dem gemeinsamen Gebet und dem expressiven Stück „Carillon de longpont“ aus, einem im Jahr 1913 entstandenen Werk von Louis Vierne (1870–1937), dem bedeutendsten Vertreters der sinfonischen Schule Frankreichs, der 37 Jahre Titularorganist an der Kathedrale Notre-Dame de Paris war.